Kino am Mittag: The Mummy

Nein, der Film ist keine weitere Folge der Mummy Verfilmungen mit Brandon Frasier von 1999, 2001  und 2008, sondern etwas völlig neues. Und wenn die ersten beiden Folgen recht witzig und spannend waren, (die dritte war ein Schuss in den Ofen), so ist der neue Mumien Film mit Tom Cruise ein selten schlechter Flop.

Man fragt sich warum Hollywood wieder das ausgeleierte Thema der ägyptischen Mumien ausgräbt. Doch ich war von meiner Freundin und Kinokritikerin, der D., vorgewarnt worden. Als wir uns nach wochenlanger Abstinenz wieder einmal zu einer Mittwoch Mittag Kinosession verabredeten, sagte sie schon, dass uns wahrscheinlich Schlimmes bevorstünde.

Nick Morton (Tom Cruise) und Chris Vail (Jake Johnson) sind zwei kleine Schatzjäger die Gräber plündern und die Schätze dann auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Eines Tages stoßen sie auf eine kleines Dorf mitten in der Wüste und endecken dort eine verschollene Grabstätte in der die ägyptische Prinzessin Ahmanet in einem !Quecksilber! See begraben liegt… Der Sage nach hat sie sich mit de Gott des Todes Seth verbündet um Unsterblichkeit zu erlangen doch ihr Plan ging schief, und sie wurde (jetzt kommt’s!) LEBENDIG mumifiziert!

Als dieser Satz in einer Vorgeschichte (damit auch jeder Doofman mitkommt) rauskam, konnte ich den Rest des Films nicht mehr ernst nehmen.  Die D. und ich hatten einen Lachanfall.

Der Rest der Geschichte erspare ich euch. Ich konnte streckenweise die völlig flachen und einfallslosen Dialoge von vornherein in bedeutungsschwangere Momenten vorsagen, und ich hatte jedes mal recht. Das ist, so gesehen, recht lustig, macht dem Film aber um keinen Deut besser. Tom Cruise ist so schlecht wie immer, und hier noch ein wenig schlechter als sonst. Sehr schön, wenn auch sehr schlecht, ist die Schauspielerin Annabelle Wallis als Arecheologin Jenny Halsay, die mit den platten Dialogen gar nicht klar kommt, und man glaubt ihr keine einzige Zeile.

Streckenweise will der Film auf die witzige Schiene steigen, weil es das einzige wäre, was ihn noch retten könnte, doch auch hier versagen die Dialoge.

Völlig absurd wird es dann mit dem Erscheinen von Russell Crowe als Dr. Jekyll, der sich immer wieder mit einem absonderlichen Instrument ein Serum in die Hand spritzen muss, damit er sich nicht in Mr. Hyde verwandelt, was dann irgendwann doch passiert, und er Tom Cruise gehörig die Fresse poliert. (Das ist dann wiederum eine innerliche Genugtuung, denn man kann Tom Cruise gar nicht genug vermöbeln)

Der Schluss ist dann nur noch eine große Peinlichkeit, und das Ende des Films schreit geradezu nach einem Mummy Teil 2.

Mit einem Budget von 125 Millionen Dollar, fragt man sich, ob die anderweitig nicht besser angelegt worden wären. Zugegeben, es sind ein paar schöne Spezial Effekte und Action Szenen dabei, doch der Großteil wurde aus den ersten Mummy Filmen abgekupfert.

Fazit: Sehr enttäuschend und absolut keine Empfehlung.

PS: Verrisse schreiben, macht übrigens Spaß twisted

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Heartland

My Urban Piano ist ein Projekt von David Ianni das quer durch Europas Kulturhauptstädte geht. Dort wird jeweils ein Musikvideo gedreht immer mit dem alten Urban Piano. Die Stadt Esch-sur-Alzette und die Umgebung sind dabei eine kleine Ausnahme, da sie erst 2022 Kulturhauptstadt wird. Das Lied was David spielte und verfilmt wurde, heißt Heartland.

Ich war doch ein klein wenig nervös, nach so vielen Jahren wieder an einem Filmset zu stehen. Das letzte mal war vor vier Jahren.

Doch es war schön und nach den ersten Einstellungen und einem Location Umzug, war ich wieder so angefixt wie davor. Es waren ein paar richtig spektakuläre Orte dabei. Und wenn ich davon heute ein paar Fotos zeigen kann, dann weil David es mir ausdrücklich erlaubt hat.

Die Schauspielerin Brigitte Urhausen auf einer Brücke der sogenannten Gebläsehalle auf Belval. Man geht nur auf Gittern durch die man hindurch sehen kann. und geht es gute 30-40 Meter in die Tiefe. Ich habe an sich kein Problem damit, doch es gab auch für mich Momente, an denen ich merkte, dass ich nicht so ganz schwindelfrei bin.

 

David am Piano am gleichen Ort, aber unten auf festem Grund und Boden. Neben ihm das Regie- und Kamerateam, das nur aus Frauen bestand. Mit im Bild, die Kamerafrau.

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Am zweiten Tag wurde es dann fast surreal. Wir drehten an der seit langem geschlossenen Eisenhütte in Schifflange.

Heartland

Der erste Ort war ein leerer Wasserturm in den dieses Foto entstand.

 

Unendlich weite Hallen, so groß dass man nicht von einem Ende zum anderen sieht.

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Später am Nachmittag des zweiten Tages drehten wir noch im Haus der Großmutter von David. Dort entdeckte ich etwas, das mich augenblicklich über 40 Jahre in der Zeit zurück katapultierte.

Ein Telefunken Radiowecker. Mein Bruder bekam ihn zu seiner ersten Kommunion geschenkt und ich bekam ihn im selben Jahr zu Weihnachten. Er ist an der Rückseite mit einem Batteriefach ausgestattet. Im Falle eines Stromausfalls, lief er trotzdem weiter und weckte wie gewohnt mit der Lieblingsradiostation. Er begleitete mich lange Jahre durch meine Internatszeit. Er hatte an der Seite eine Kopfhörerbuchse, die sehr nützlich war, wenn ich spät abends Radio hören wollte und nicht mehr durfte, weil ich ja schlafen sollte. An der Vorderseite war er mit einem Lichtsensor ausgestattet. Wenn das Licht im Zimmer ausgeschaltet wurde, dimmte sich auch die Leuchtanzeige der Uhr.

Wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich ihn sogar noch in meiner ersten eigenen Wohnung. Als nach mehr als 20 Jahren die Leuchtanzeige kaputt ging, fand ich keinen mehr der so einen guten Klang hatte die der Telefunken. Es sollte lange dauern bis endlich die Internet Radiowecker erfunden wurden, die eine gleichwertige Tonqualität besaßen.

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Eine Delle, ein Geburtstag & skurriler Modegeschmack

Da ich am Donnerstag Nachmittag besseres zu tun hatte, (ich musste sonnenbräunen und im Freibecken planschen) musste ich am Freitag Nachmittag mein ganzes Arbeitsmaterial vom Theater zurück fahren. Und so kam es, dass mir jemand, mitten auf dem Pont Adolphe, während der Rush Hour, auf die hintere Stoßstange knallte. Resultat: eine Delle. Ich war sehr sauer.

Delle

Am Samstag abend wurde ich spontan zu einem Geburtstag eingeladen. Die T. wurde 50. Es war eine schöne Feier in einem wundervollen Garten mit Rosenbüschen.

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Am Samstag Morgen auf dem Wochenmarkt entdeckte ich diese skurrile Modeerscheinung. Aua!

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Das war alles vor Pfingsten. Über die Feiertage hinweg stehe ich seit 4 Jahren mal wieder auf einem Filmset. Aber davon berichte ich am Dienstag.

 

Freibad? In Luxemburg Stadt? Nicht so richtig!

Wer schon etwas länger hier mitliest weiß, ich liebe meine Stadt heiß und innig. Doch ein Mackel hat sie. Man hat hier sehr wohl eine schöne Auswahl an Schwimmbädern. Die Badeanstalt in der Oberstadt z.B., mit Saunabereich und Masseur und diversen Whirlpools. (Obwohl das Bad zur Zeit für einige Wochen wegen Renovierungen geschlossen hat) Das Olympia Bad, das nur wegen seiner olympischen Ausmaße den Namen trägt. (Olympiade gab es noch keine in Luxemburg) Dann gibt es eins Bad in Bonnevoie, mit der gleichen Ausstattung. Und es gibt noch ein kleineres Becken im Val St.-Croix, das aber nur am Wochenende fürs Publikum geöffnet ist.

Was fehlt ist ein schönes großes Freibecken. Und jetzt höre ich schon manche schreien, dass es doch ein Becken in Dommeldange gibt. Stimmt. Es gibt eins aber das ist in privater Hand und an ein Hotel angeschlossen. Man kann es von Juni bis August besuchen. Zudem ist es nicht besonders groß und an Wochenenden ziemlich überfüllt.

Es fehlt ein richtig öffentliches Freibad. Oder warum nicht ein Schwimmteich der ganzjährig geöffnet ist? Letztens las ich von einem solchen in London, bei Journelle im Blog, und war ganz begeistert davon. Ich weiß sogar, dass in meiner alten Heimat ein Schwimmteich/see angedacht war/wird/wurde. Warum also nicht in der Hauptstadt?

Doch ich will JETZT in ein Freibecken, möglichst für mich alleine und ohne schreiende Kinder. Und dann ist es schön wenn man Freunde hat, die ein solches besitzen.

Wenn ihr also wissen wollt was ich gestern den ganzen Nachmittag gemacht habe,…

Freibad

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Links, zwei, drei, vier! Links!

Mit sehr viel Liebe gesteht Katharina Seieser ihre Schwäche zum Toast Hawaii. Beim Lesen kamen augenblicklich alte Bilder einer WG in Trier hoch, zu der ich für einen Spieleabend eingeladen war. Zwischendurch gab Toast Hawaii den ich als so gerade noch essbar empfand, aber nicht unbedingt noch einmal haben müsste. Doch nach Katharinas Bericht werde ich dem Klassiker noch einmal eine Chance geben.

toast hawaii – (m)ein rezept

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Via Anke Gröner den Bericht vom Guardian Me and my penis: 100 men reveal it all entdeckt.  Sehr lesenswert. Ach ja, wer keine Penisse sehen mag, sollte die Seite nicht anklicken. Es gibt sehr viele in allen Formen, Größen und Farben zu sehen.

A lot more men feel a sense of shame or anxiety about their size, or an aspect of their performance, than I ( the author) would have thought. What really moved me is how much that shame and inadequacy had bled into different parts of their life.

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Die Kaltmamsell verlinkte einen höchst kuriosen Artikel über Trump. Anhand von Interviews sieht man, dass er sich früher viel besser und gewählter ausdrücken konnte, als heute. Die Schlussfolgerung wäre eine langsam fortschreitende Demenz (und glaubt mir, darin kenne ich mich aus, denn meine Tante Gritty litt daran)

Trump wasn’t always so linguistically challenged. What could explain the change?

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Absolutely Fabrice

Fabrice

Das hier wird ein etwas längerer Beitrag werden. Ich hatte ihn schon teilweise geschrieben bevor ich nach Berlin musste.

Es fiel mir am Mittwoch Abend auf, dass ich noch nie etwas über Fabrice geschrieben habe. Dabei kenne ich ihn schon so lange und zähle ihn zu meinen besten Freunden.

Fabrice ist mit Leib und Seele Barmann. Seit kurzem arbeitet er in einem Restaurant, das eine kleine sehr gemütliche Bar im ersten Stock eingerichtet hat. Die Idee dahinter ist, dass man dort zuerst gemütlich sein Apérértif zu sich nimmt, um anschließend im Restaurant etwas zu verspeisen.

Man kann aber auch in der Bar bleiben und ein paar sehr leckere Tapas ordern. Es sind kleine Häppchen die aber nur den Namen nach mit den original spanischen Tapas etwas gemeinsam haben. Sie sind eher an die französische Küche angelehnt. Das Restaurant heißt „La P’tite Maison“ und befindet sich an gleicher Stelle an der sich das legendäre Opéra befand. Nun hat im ersten Stock die Bar eröffnet und hier regiert Fabrice.

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Als ich ihn vorgestern besuchte, war es wie in alten Zeiten…

Fabrice sah ich zum ersten mal in einer Bar am Boulevard Royal, Anfang der 90er, als es noch kein großes Loch und eine unendliche Baustelle war. Sehr viel später sah ich ihn dann wieder als er seiner erste eigene Bar eröffnete. Wir wurden Freunde. Ich hatte schon begonnen vom alten Beruf zum Maskenbildner umzusatteln, und ich ging regelmäßig nach den Sommervorstellungen des Kasemattentheaters dorthin. Als in der Oberstadt vom damaligen Bürgermeister entschlossen wurde, dass keine Bar mehr länger als 1:00 Uhr nachts geöffnet sein dürfte, brach es ihm finanziell das Genick und er musste schließen.

Kurze Zeit später wurde er mein Nachbar in der alten Heimat.

Es war zu einer Zeit in der ich schon länger Maskenbildner war und quasi jeden Tag in die Hauptstadt fuhr zum Arbeiten. Ich pendelte zwischen zwei Welten von der die eine nie richtig die meine gewesen war, und die andere war so nah und doch 35 km entfernt. Ich hatte zu der Zeit wenig Freunde, und die, die mir in der alten Heimat geblieben waren, sah ich kaum noch.

Und plötzlich war Fabrice da und riss mich aus meinem Alttagestrott, aus allem was trist und langweilig war. Ich lernte seine engsten Freunde kennen und er nahm mich mit zu den wildesten Partys. Und plötzlich gab es wieder, wie in meinen wilden 20ern, durchtantzte Nächte bis zum Morgengrauen. Dezente morgendliche Kater, die gepflegt werden mussten.  Ich hatte das Gefühl ich würde wieder leben.

Ich lernte einen anderen Fabrice kennen.

Ich kann mich an ein Weihnachten erinnern, an dem er in meinem Elternhaus zu Gast war. Meine Mutter war noch gesund. Die PSP Krankheit hatte schon Anlauf genommen, (wir sollten erst viel später erfahren dass es sich um diese Krankheit handelte) doch sie konnte noch alles selber regeln. Sogar Autofahren ging noch. Sie machte ihren legendären Lammbraten. Es war das letzte Mal dass sie ihn machte…

Fabrice brauchte ein paar Jahre um wieder finanziell auf die Beine zu kommen, doch er schaffte es. Es ging langsam aber sicher bergauf.

Er verhalf dem Banana’s zu neuem Glanz und plötzlich lief die Bar wieder wie geschmiert. Dort entstand das Konzept von der Bar in der Bar. Und die Bar in der Bar, für die Fabrice verantwortlich war, war an manchen Abenden besser besucht als die eigentliche Bar.

Fabrice ist überhaupt als Barmann ein Phänomen. Er hat eine treue Anhängerschaft an Freunden und Bekannten die ihm bedingungslos überall hin folgen. Es war somit kein Wunder, als die Side Bar ihn einstellte, diese plötzlich nur so brummte und jeden Abend zur Apéro Zeit gerammelt voll war. Es waren schöne Jahre und ich denke gerne an die Side Bar Zeit zurück.

Die Side Bar wurde jedoch an einen anderen Besitzer verkauft, und ab da ging stimmte die Chemie nicht mehr. Fabrice ging und die Bar schloss für lange Zeit.

An einen sehr traurigen Tag möchte ich noch erinnern, an dem ich ihm sehr dankbar bin, dass er für mich da war. Es war das Begräbnis meiner Großmutter. Als sie urplötzlich starb war ich nicht da. Ich war in Recklinghausen und mit einem Theaterstück beschäftigt. Ich fuhr noch in der gleichen Nacht zurück um alles zu regeln, doch etwas hatte ich übersehen. Als der Tag des Begräbnisses kam, hatte ich kein Lokal vorgesehen. Doch waren so viele gekommen, dass ich nach dem Gottesdienst etwas unternehmen musste. Fabrice kümmerte sich in Windeseile um alles und organisierte uns einen großen Tisch nicht all zu weit vom Krematorium entfernt in einem Restaurant. Es waren viele Freunde mitgekommen.
„Was trank Oma denn gerne?“, fragte er.
„Protwein.“
Und als die erste Runde an Getränken kam stand in der Mitte vom Tisch, ein kleines Glas Portwein und alle prosteten der Großmutter zu. Es war in mitten all der Trauer, der Tränen und der innerlichen Leere, ein Lichtstrahl der alles erhellte. Ich glaube es hätte Großmutter gefallen.

Merci Fabrice. ♥

Nachtrag zur Blitzvisite Berlin

Diese schnellen Reisen hin und her, ohne richtigen Aufenthalt, fühlen sich bisweilen doch sehr irreal an. Ich will nicht wissen wie es sich für Manager oder ähnliches anfühlt, jeden Tag in einer anderen Stadt zu sein. Im Prinzip mag ich ja reisen, aber Blitzvisiten sind beschwerlich und hinterlassen keinen bleibenden Eindruck.

***

Die nächtliche Fahrt zurück mit anschließender Vorstellung morgens früh, gab mir den Rest. Ich arbeitete mechanisch alle Akteure ab, die mich, Gott sei Dank ohne Groll, darauf hinwiesen, wenn ich etwas vergessen hatte. (Augenbrauen nachziehen, Schnauzer ankleben…) Und irgendwie saß gestern die Perücke von Göhring ganz leicht schief…. nun ja.

Der Rest des Tages verbrachte ich schlafend auf den Sofa und im Bett.

Daher kommen erst jetzt die versprochenen Bilder, die auf dem Weg zwischen dem Deutschen Theater und dem Augustinenhof machte. Sprayerkunst an alten Gemäuern, bisweilen sehr alte Sachen, aber immer noch schön und von einer Art, wie man sie nur in Berlin findet.

 

Folgende Fassade habe ich schon oft gesehen. Sie ist in der Oranienburgerstraße. Mit all den Bauarbeiten ringsum, riskiert jedoch bald zu verschwinden.

 

Und dann war noch diese sehr schöne verwitterte Fassade, die auf den ersten Blick ein wenig verschwommen aussieht, als wäre es ein altes Gemälde, oder ein Foto, das man mit einem Blurry Filter bearbeitet hat. Hier ist es ein „analoger“ Filter. Die Fassade ist mit einem Netz überzogen. Ganz besonders schön finde ich Löwenköpfe.

Eine nächtliche Fahrt von Berlin nach Luxemburg

Es ist 23:00 Uhr.

Das hier wird ein live Blogging durch die Nacht, weil ich nicht weiß was ich sonst tun soll.

Wir sind seit ungefähr einer Stunde unterwegs. Der Schauspieler S. und ich haben morgen um 10:00 eine Vorstellung in Luxemburg. Wir sitzen in einer sehr komfortablen Limousine die uns zurückfährt. Ich wusste ja dass mir das blühen würde und niemand vom Rest der Truppe, die in Berlin zurückgeblieben sind, beneidet uns deswegen. Aber jetzt, so wie ich hier sitze, mit freiem WLAN, Minibar und Knabberzeug, komme ich mir verdammt wichtig vor.

Mann sieht nicht viel. Es ist stockfinster draußen.

Und da es nichts zu sehen gibt werde ich mir jetzt den Rest des Hörspiels anhören, das ich auf dem Flug mach Berlin angefangen hatte.

‚Fünf tote alte Damen‘ von Hans Gruhl.

Wenn ich es aus habe und währenddessen nicht eingeschlafen bin erzähle ich euch nachher etwas darüber,,.

***

2:40 Uhr

Nein, es war nicht der Gärtner. Ein etwas langatmiges Kriminalhörspiel von etwas mehr als 5 Stunden. Zumindest bin ich drangegblieben. Und jetzt versuche ich zu schlafen. Zumindest ein bisschen.

***

5:30 Uhr

Vor 5 Minuten sind wir über die Grenze gefahren. Willkommen in Luxemburg. Ich habe vielleicht knappe 2 Stunden geschlafen.

Nun ja.

Später gibt es noch ein paar Fotos.

Blitzvisite im Ausland mit Panoramafotos

Das wird ein Tag in Panoramafotos und ihr dürft raten wo ich bin.

Flughafen Luxemburg

Die Gepäck Bänder eines anderen Flughafen.

Und jetzt dürfe es nicht mehr allzu daher sein.

Ich bin in Berlin. Schon wieder. Es wurde mir kurzfristig angeboten. Ich habe die Maske für ein Stück übernommen, das ich schon einmal vor 2 Jahren gemachte hatte.  Es ging alles ganz schnell und ich nicht viel Zeit zum nachdenken. Ich sagte zu.

Aber so schnell ich die Zusage machte, so schnell packte ich auch die Koffer am Freitagabend. Und als ich merkte, dass ich das doppelseitige Toupet Tape vergessen hatte wurde es eng.

Der Kryolan Laden schließt Samstags bereits um 15:00 und es war 20 Minuten vor Ladenschluss. Ich nahm kurzentschlossen ein Taxi von Mitte nach Charlottenburg, und feuerte den Fahrer quasi mit der Peitsche an.  Als zusätzliches Hindernis war die Stadt voll mit Fußballfans, was die Chose nicht erleichterte. Doch der Fahrer kannte die Straßen wie seine Westentasche und ich kam 5 Minuten vor Schließung an. Uff. Und das war mir satte 5 € Trinkgeld wert.

Die Vorstellung lief in den Kammerspielen vom Deutschen Theater. Das ist nebst der Komödie am Kuhdamm und dem Berliner Ensemble, das dritte Theater in Berlin indem ich gearbeitet habe.

Die Vorstellung lief gut und wir saßen anschließend noch im Vorhof des Theaters, wo ich dieses Panoramafoto machte.

Panoramafotos

Ein wunderschöner lauer Abend.

Für Sonntag ist noch eine Vorstellung vorgesehen. Und dann werde ich zusammen mit einem Schauspieler in einem Taxi über Nacht nach Luxemburg in Windeseile zurückgefahren, weil wir am Montag schon um 10:00 Uhr morgens eine Vorstellung haben. Ein Höllenritt also, aber davon berichte wenn ich ihn hinter mir habe.

Untergebracht bin ich im Augustinenhof, das an sich ein sehr schönes Hotel ist,mit tollem Frühstück u.s.w. aber das WLAN ist eine einzige Katastrophe. Langsam wie ein altes 56k Modem und nicht in jedem Zimmer empfangbar. Nicht zu empfehlen für datenabhängige Nomaden wie ich. Ich zahle gern etwas mehr um gutes WLAN zu haben, aber das scheint in diesem Hotel noch nicht angekommen zu sein.

Ces enfants bizarres / Crachés dehors comme par hasard*

Angeregt durch zwei sehr schöne Blogeinträge von Kitty Koma und Frau Modeste, möchte ich heute schreiben was mir aus „dieser“ Zeit in Erinnerung geblieben ist. Eines gleich vorweg. Es wird nicht schön.

Zeit

In World War II the average age of the combat soldier was twenty-six
In Vietnam he was nineteen
Paul Hardcastle- 19

Als das Lied 1985  ein Hit wurde, wurde ich im September 19.

Und wenn ich Fotos von mir aus der Zeit anschaue, (es gibt leider nicht sehr viele) sehe ich einen pickeligen Jungen, der sich immer zu dick fand und der sein Leben gerne anders gestaltet hätte. Ich war wollte tanzen, schauspielern und singen. Das alles durfte ich nicht. Ich durfte bei der Pantomimentheater Gruppe in der Schule mitmachen. Das war alles.

Irgendwie sollte nichts so kommen wie geplant. Ich sollte Krankenpfleger werden. Die ersten zwei der paramedizinischen Schuljahre hatte ich hinter mir. Doch am Ende versagte ich wegen einem Fach, das ich hasste, und von dem ich bis heute nicht einsehe, was es in den Vorjahren für einen medizinischen Pflegeberuf zu suchen hat. Mathematik. Und das nebst den Sprachen, als eines der Hauptfächer.

Ich durfte nichts bis zu dem Tag an dem es zwischen mir und meinem Vater gehörig schepperte. „Du brauchst dich nicht zu wundern wenn deine Koffer eines Tages vor der Tür stehen!“, schrie er. Ich kannte den Satz. Es war die ultimative Drohung, die ich über Jahre hinweg immer wieder gehört hatte. „Du musst dich nicht bemühen, Ende des Monats ziehe ich aus.“, entgegnete ich eiskalt. „Umso besser!, schrie er, und knallte die Zimmertür zu als er ging. Das war Mitte Oktober. Und ich war 19.

Später am Abend hörte ich durch die Tür meine Mutter wie sie weinte. Für sie war es, als ob Vater mich in den Krieg geschickt hätte.

Ich machte die Drohung wahr. Ich zog zwei Wochen später aus und machte eine Lehre als Friseur.

Ab da begann der jahrelange Kampf mit Richtungen und Dingen die sich allesamt falsch anfühlten, doch in die ich breites so verstrickt war, dass nicht zurück konnte. Es waren 13 lange Jahre, von denen ich heute nur sehr wenig weiß.

Ich suchte Fluchtwege in allen möglichen Formen. Zusätzlich zur Lehre, in der ich nur einen Hungerlohn verdiente, kellnerte ich nachts in Diskotheken bis morgens vier Uhr um dann um acht wieder im Salon zu stehen. Es war die Zeit des zu dick aufgetragenen Make-ups und der kräftigen Solariumbräune, und das war gut so. So sah man mir die Müdigkeit nicht all zu sehr an.

Es war auch die Zeit in der mein Vater und ich uns kaum noch sahen und sich unsere Vater/Sohn Beziehung in Rauch auflöste. Das was wir an Beziehung hatten, waren nur Konflikte gewesen. Als die verschwanden blieb nichts mehr übrig. Er war mein Erzeuger, mehr nicht.

Drei Jahre später nachdem ich ausgezogen war, starb er. Es war wie eine Erlösung. Ich fühlte mich frei. Und obwohl ich weiß, dass man nicht schlecht über Tote sprechen soll, kann ich nichts Gutes von ihm erzählen.

Und wenn ich heute zurückdenke, sind es immer die Momente gewesen, in denen ich mich zur Wehr gesetzt habe, in denen ich mich über Konventionen hinweg setzte, und genau das Gegenteil von dem tat was man von mir erwartete, in denen es mir anschließend besser ging.

*Die Überschrift ist aus dem Lied „Christine“ von Christine And The Queens

Und hier auch das Video von Paul Hardcastle „19“

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