
Am Samstag beging ich „ La Grande Fête du Glandage“ oder zu deutsch, ich feierte „Sankt Gammel“. Ich könnte jetzt schreiben, was ich alles hätte tun können, wenn ich denn nicht gegammelt hätte, doch das fühlt sich an wie ein Pandemie Artikel mit der Überschrift, „Wie es wohl gewesen sein wird“.
Am Abend schaute ich mir zwei aufgenommene Folgen bei ARTE von ein Fall für Conti an, die Serie mit Desirée Nosbusch. Ich muss sagen, dass die Serie mir um Längen besser gefällt, als die der Irischen Psychologin, in der sie immer so betulich sein muss.
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Das musste sich aber am Sonntag ändern. St. Gammel ist kein doppelter Feiertag.
Angedacht hatte ich viele Unternehmungen, doch es kam alles anders als gedacht. Es bringt nichts zu sagen, was ich alles angedacht hatte, denn die Entscheidung wurde mir abgenommen. Kurz nach dem Mittag bekam ich nämlich einen SOS Anruf vom Theater. Die Maskenbildnerin läge mit hohem Fieber im Bett und ob ich nicht einspringen könnte.Es gab mehrere Telefonate hin und her mit Briefing und technischem Datenblatt. Gegen 15:00 Uhr machte ich mich dann auf zu einer ungeplanten Dienstrunde.  Es war letztenendes nicht so schlimm. Aber es vereitelte mir die Vorstellung, für die ich eine Karte hatte und die ich unbedingt sehen wollte. 
Ich sah sie nicht. Denn im Stück sind Umzüge und ich konnte mich nicht in den Zuschauerraum setzen.
Aber die D und die N waren da und bestätigten mir, dass ich etwas verpasst hätte. Na ja, nicht so schlimm. Es wird wahrscheinlich noch einmal in Deutschland auf Tournee gehen und gegebenenfalls werde ich es dann sehen.
Im Anschluss verspürte ich einen Bärenhunger und ich ging zum Chinesen meines Vertrauens. Ich hatte Lust auf Hühnchen mit schwarzem Knoblauch. Köstlich, aber kein Foto.
Während ich auf die Speisen wartete, las ich weiter im Truman Capote – Kaltblütig. Ich bin noch immer nicht dort wo es blutig werden wird, sondern bei den Beschreibungen der Protagonisten und der Gegend. Capote versteht es trefflich eine Kleinstadt zu beschrieben. Garden City ist so eine Kleinstadt wie meine Alte Heimat, in der ich groß wurde und erst 2012 den Absprung schaffte. Der Grund warum Menschen dorthin ziehen, warum sie dort bleiben und nicht wieder weg wollen.
Bei mir war es genau das Gegenteil, ich wuchs dort auf und wollte immer weg. Zugegeben es gab einen Moment wo ich es nicht wollte, schaffte jedoch, als es schon fast zu spät war, den Umzug in die Stadt. Ich finde immer noch, dass es die beste Entscheidung meines gesamten Lebens war. Wenn ich dort geblieben wäre, wäre ich aus vielen Gründen, dem Alkohol oder sonst einer Droge verfallen oder schlimmstenfalls nicht mehr da… Ja, ich weiß, dass hört sich alles sehr tragisch und schlimm an, doch im Rückblick, kann ich mir heute absolut nicht mehr vorstellen dort zu leben, selbst wenn ich ab und zu noch hinfahre, sei es zum Schwimmen, wie den ganzen letzten Sommer, oder zum Einkaufen. Dann sind es nur paar Stunden und die Gegend ist ja immer noch landschaftlich sehr schön.
Wieder daheim schaute ich mir noch ein klein wenig die Red Carpet Show der Golden Globes an, aber nach knapp 10 Minuten ging mir das Geplänkel schon arg auf die Nerven und ich ging ins Bett.