Ein Tag der wenig hergab fürs Blog. Es war Mittwoch und es war Markttag. Ich kaufte ein paar Blutorangen und nahm auch eine Blutmadarine mit, die ich noch nie gekostet hatte. Sie schmeckt übrigens recht gut, wenn auch weit weniger sauer als eine Blutorange.
Ich traf die D auf einen Kaffee und wir zurrten zwei neue Themen fürs Podcast fest. Eines davon hatten wir schon lange geplant, weil es eine Art zweiter Teil werden wird von einem Thema das wir schon behandelt hatten. Das andere hat mit der lustigen Jahreszeit zu tun. Und in dem Zusammenhang habe ich ein paar Fragen an meine geschätzte Leserschaft:
Wie steht ihr zu Karneval/Fasching/Fasnacht? Feiert ihr das noch, oder nicht mehr, oder noch nie? Hat sich das in eurem Umfeld verändert? Hat das immer noch die gleiche Relevanz wie früher oder ist es weniger geworden?
Für den Rest des Tages blieb ich weitgehend häuslich, denn es gab genug daheim zu tun.
Ich sah mir die aufgezeichneten Folgen von Adam Dalgliesh an, nach einer Romanvorlage von P.D. James. Ich hatte gehofft, dass sie neue Folgen zeigen würden, doch es waren die die ich schon gesehen hatte.
Ich malte ein wenig, was aber relativ uninspiriert ausfiel und darum auch nicht gezeigt wird.
Ich bin zutiefst norddeutsch geprägt, deshalb geht Karneval hierzulande an mir vorbei. Meine diesbezüglichen, eigenen Erfahrungen resultieren aus Zeiten meiner Kindheit, als ich zusammen mit meinen geliebten Eltern im ZDF (damals gab es die Privaten noch nicht) die Übertragung von „Mainz, wie es singt und lacht“ angesehen habe. Wäre es mit ihnen nicht so gemütlich gewesen, hätte ich das wohl nicht geguckt.
Ich kenne aber in Hamburg lebende Menschen, die aus den Hochburgen des Karnevals stammen und sich extra Urlaub nehmen, um in der alten Heimat mitzufeiern. Sonst wären sie unglücklich. Das nennt man wohl Sozialisation.
Als schön empfinde ich das Karnevalsgeschehen, wie ich es auf Teneriffa erlebe, wo ich in Puerto de la Cruz gern und mit Freude zusehe bei den Umzügen der Ortsgemeinschaften. Das hat etwas von Rio, das Auge freut sich an den Kostümen, oft sehr freizügig, der Fantasie, der sichtbaren Freude. Die Musik, die Tänze, jung und alt, jede Figur willkommen, jede Hautfarbe dabei, mit Witz und Temperament, es wird eine wunderbare Gemeinschaft gezeigt. Plus Gastfreundschaft, wenn sich dann ein deutscher Karnevalszug als Gast einreiht (immer in militärisch anmutender Art) und Kamellen schmeißt. Das ist ein richtiges Volksfest und wird genau so ernst genommen wie die religiösen Prozessionen (für die man sich auch verkleidet).
Privat habe ich früher nur Fasching mitgefeiert. Eine bayerische Freundin brachte ihren geliebten Brauch mit nach Hamburg und veranstaltete entsprechende Parties. Das waren wirklich schöne Feste. Allerdings war sie als leidenschaftliche Theaterpädagogin für jede Gelegenheit eine wahre Könnerin in der Gestaltung von Feierlichkeiten.
Miteinander zu lachen und zu feiern ist auf jeden Fall besser als sich zu bekriegen. Möge jeder eine geeignete Art für sich finden.
Danke für die Ausführlichkeit, Trulla.
Eigentlich liebe ich es, mich zu verkleiden und zeitweise in eine andere Rolle zu schlüpfen.
Aber ich gehe in den letzten Jahren grundsätzlich nicht mehr gerne feiern, weil ich es furchtbar langweilig finde, in einem Raum voller Leute zu sein, der so laut ist, dass man sich nicht unterhalten kann, sondern sich anbrüllen muss. Und das einzige, was man dann macht, ist zuprosten und saufen.
Ich wohne nun in einer Karnevalshochburg, gehe dem Treiben aber gerne aus dem Weg. Wobei ich gerne mit gestalte, als zu konsumieren: So bin ich letztes Jahr in der Fußgruppe der Schule meiner Tochter mitgegangen, was sehr viel Spaß gemacht hat. Am Straßenrand stehen und brüllend nach billigen Bonbons zu betteln, finde ich eher unwürdig.
In meiner Heimat fand ich beim Straßenkarneval immer lustig alte Bekannte zu treffen. Oder unverbindlich mit jemandem in Hauseingang zu knutschen.
Aber ich sehe auch die Ventilfunktion von Fasching: Dass Hierarchien umgedreht werden, dass man andere verhohnepiepeln darf. Ich finde die Stunksitzung richtig richtig toll!
Aber mich langweilen formatierte Büttenreden mit Tusch dazwischen. Funkenmariechen-Akrobatik bewundere ich sehr.
Man sieht also, dass ich der fünften Jahreszeit gegenüber sehr ambivalent bin.
Ebenso wie Trulla bin ich im norddeutschen Raum ansässig. Ich kann mit Karneval, oder wie auch immer das regional unterschiedlich genannt wird, überhaupt nichts anfangen. Für mich ist das eine aufgesetzte Fröhlichkeit, die nur durch den Verzehr entsprechender Mengen Alkohol möglich ist.
In meiner Kindheit und Jugend im Rhein-Main-Gebiet gab es die Mainzer Fastnacht und den Rosenmontagszug in Wiesbaden sowie später das „Quartier Latin“, ein Faschingsfest der Frankfurter Student*innen. Ich ging hin, weil alle hingingen, aber ich hätte auch ohne das leben können. Inzwischen in Bayern lebend, spöttele ich gerne über „katholische Vergnügungen“ wie die Fastenzeit und weise darauf hin, dass ich gar keinen Karneval brauche, weil in der französisch-reformierten Gemeinde, zu der ich gehöre, nicht gefastet wird. Ich hätte aber, glaube ich, gerne die Fastnacht im Rheingau erlebt, von der Zuckmayer in der „Fastnachtsbeichte“ erzählt. Ob es das aber heute noch gibt, weiß ich nicht. Eine schlimmere Seite des Karnevals am Rhein beschreibt Eva Demski in „Karneval“. (wobei bei Zuckmayer die Ereignisse natürlich auch tragisch sind)
Ich komme aus dem Rheinland und bin mit Karneval sozusagen gross geworden. Ich ordne leider diese 5. Jahreszeit nicht als Feiern ein, sondern als Freibrief zum gemeinsamen Betrinken, zum Großgelage, an festgesetzten Tagen, an denen dann alles “erlaubt” ist. Ohne Alkohol geht nichts.
Ich habe noch nie einen Mann oder Horden von Männern (und auch Frauen) als netter und sympathischer empfunden oder mich in deren Gegenwart sicherer gefühlt, wenn diese betrunken waren.
Ein klares Nein von mir, jetzt aus Toronto.
Ich komme aus einer Gegend (Sauerland), wo Karneval eher etwas für Kinder ist. Als Kind habe ich das Verkleiden sehr geliebt.
Später habe ich dann im Rheinland den Karneval kennengelernt und war für einige Jahre Feuer und Flamme.
Seitdem ich trocken bin, habe ich jegliches Interesse am „närrischen Treiben“ verloren, weil das für mich wohl nur mit der Hilfe von Drogen funktioniert.