Da der Montag so voll gestopft war, mit dienstlichen Dingen, machen wir heute etwas anderes:
Ein interessanter Satz von Frau Klugscheisser: „Die automatische Frage „wie geht es Dir?“ werde ich künftig völlig aus meinem Smalltalkarsenal löschen, denn die lässt keinen Spielraum zwischen Lüge und Wahrheit.“ Hierzu muss man wissen, dass Frau Klugscheißer, das aus einem bestimmten Grund schreibt.
Nun kann ich das hier im philosophischen Sinne auseinandernehmen, indem ich hinterfrage, was Wahrheit und Lüge ist, oder Glaube und Irrtum, oder im ethischen Sinn, ob Lügen immer falsch ist. Da ich aber kein Philosoph bin, werde ich das so beantworten, wie ich das persönlich sehe.
Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, dann hängt die Antwort von zwei Faktoren ab. Einerseits spielt eine Rolle, in welcher Art und Weise die Person fragt. Ist es fröhlich/freudig oder völlig neutral oder mit einem besorgten/teilnahmsvollen Unterton? Andererseits spielt der Verbundenheitsgrad mit dieser Person eine Rolle. Ist diese Person eine weitläufige Bekanntschaft oder aus dem engen Freundeskreis oder jemand der sich irgendwo dazwischen befindet? Der Spielraum zwischen Lüge und Wahrheit vergrößert oder verkleinert sich bezüglich dieser beiden Faktoren.
Nehmen wir an, es ist eine weitläufige Bekanntschaft, die früher mal zum engeren Kreis gehörte, der ich das Ausmaß meiner inneren Verwüstung aber nicht vor die Füße werfen will, ich jedoch hohe ethische und moralische Grundsätze habe, kann ich auch antworten, dass ich nicht darüber sprechen will. Ich finde das absolut legitim und das hat die Person auch als solches zu akzeptieren.
Ich habe diesen Rat mal einer Freundin gegeben, vor etlichen Jahren, die psychisch sehr dünnhäutig war und dabei war, ihr Leben wieder Stück für Stück wieder aufzubauen. Sie war sehr dankbar, weil sie diese Antwort für sich nicht in Betracht gezogen hatte.
Ich selbst habe kein Problem damit einfach ‚Gut‘ zu antworten, selbst dann, wenn es mir beschissen geht. Wenn diese Person am Grad meiner eigenen Beschissenheit nichts ändern kann, macht es keinen Sinn, sie damit zu konfrontieren. 
Ihr könnt ja in den Kommentaren schreiben, wie ihr das so handhabt.
Meistens geht es mir gut und ich habe keine Probleme. Die Frage nach dem Befinden entsprechend zu beantworten ist ja kein Problem.
Seit längerem plagen mich arge Rückenprobleme. Personen in meinem näheren Umfeld wissen das und da antworte ich auch erhrlich, wie es ist. Bei anderen Leuten antworte ich dann sehr vage, so dass die merken, dass was nicht ok ist.
Mir hat es geholfen zu begreifen, dass in den allermeisten Zusammenhängen ein „WIe geht’s?“ nicht wörtlich gemeint ist, sondern eine Floskel im besten Sinn, die besagt: „Ich nehme gerade mit dir Kontakt auf.“ Die rituelle Antwortfloskel ist hier: „Gut!“, „Passt!“, „Muss ja!“, „Schlechte Leit geht’s imma guad!“.
Anders sieht es aus, wenn der Zusammenhang eine Verabredung oder Begegnung mit einem nahen Menschen ist. Meist wird die Frage dann auch eingerahmt von: „Jetzt will ich aber schon wissen“ oder Ähnlichem, auch non-verbal. Dann hole ich etwas aus und antworte ernsthaft.
Wird diese Frage im Vorbeigehen gestellt, dürfte es eher eine Form des Grüßens sein. Wenn man das aber zum Anlass nimmt stehen zu bleiben, spricht es für Interesse und dann bleibt die Entscheidung für eine Beantwortung doch jedem selbst überlassen.
Ich kenne Situationen, in denen mir Menschen nach Jahren wieder zufällig über den Weg gelaufen sind und wir uns Zeit genommen haben, uns gegenseitig umfassend auf den neuesten Stand zu bringen.
Ebenso kann es sein, dass man lieber schnell das Weite sucht. Hängt immer von den Umständen bzw. der gegenseitigen Sympathie ab. Grundsätzlich habe ich nichts gegen die Frage einzuwenden.
Meist stecke ich in meinem eigenen Dilemma fest zwischen nicht lügen und andererseits nicht erzählen wollen.
Ich hab‘ da was Schönes gefunden:
https://www.instagram.com/p/DVMW6QeiArB/