Fressen, Kunst und Puderquaste

Moment mal…

Heute:
Die Familienfeier

Eine Freundin fragte mich vor kurzem ob ich nicht ihre Mutter für einen Abend zurechtmachen könnte. Es war ihr siebzigster Geburtstag und die Freundin hatte zu diesem Anlass eine große Familienfeier in einem Hotel organisiert. Im Hotel selbst hatte sie für den Abend einen großen Saal gebucht in dem das festliche Bankett stattfinden sollte, es war sogar ein DJ bestellt worden. Ihren Eltern hatte sie eine Suite im Hotel gebucht in der sie nach der Feier übernachten können.
Es sei an dieser Stelle gesagt dass ich solche Anlässe im Prinzip nicht bediene, außer ab und an für Freunde und Bekannte. Doch da ich hier gleich mit eingeladen war um anschließend mitzufeiern, sagte ich zu.

Nach getaner Arbeit ging ich hinunter in den Saal und schaute mich um. Es waren sechs große runde Tische aufgestellt worden und ich zählte ungefähr 70 Stühle. Nach und nach kamen die Gäste, mache von weit hergereist, aus Italien, der Schweiz und Deutschland. Ich stand ein wenig abseits vom ganzen Trubel, da ich niemanden kannte. Das gab mir aber die Gelegenheit das ganze Event etwas aus der Ferne zu betrachten. Es waren, wie bei allen großen Familientreffen, alle Altersklassen vertreten. Restlos alle waren pikfein zurecht gemacht und hatten den feinsten Zwirn an…

Und als ich so die Szenerie betrachtete kamen Bilder aus meiner Vergangenheit hoch von Familienfesten als ich noch klein war. Das letzte große Ereignis war die Hochzeit meiner Tante, an der aber auch nur der Teil meiner Familie mütterlicherseits zugegen war. Das letzte wirklich große Familienfest an dem alle da waren, sowohl die Familie meines Vaters als auch meiner Mutter, liegt weitaus länger zurück und an die habe ich nur sehr wenige Erinnerungen. Es war die erste Kommunion meines Bruders. Danach wurde kein Anlass mehr sonderlich gefeiert, was mich heute im Nachhinein betrachtet, sehr wundert. Gesehen habe habe ich die etwas entferntere Verwandschaft dann nur noch an Begräbnissen.
Die paar wenigen Familienmitglieder väterlicherseits, die heute noch da sind, wohnen alle in Frankreich und ich habe keinen Kontakt mit ihnen. Meine Mutter hält ihn noch so grade aufrecht, mit alljährlichen Weihnachtskarten, glaube ich zumindest. Ich selbst habe diese Verwandschaft zum letzten Mal am Grab meines Bruders gesehen…

Heute, ein paar Tage nach der Geburtstagsfeier, denke ich dass wir es in unserer Familie verpasst haben, die Gelegenheiten zum Anlass zu nehmen uns alle wiederzusehen und wenn es nur alle drei, vier oder fünf Jahre gewesen wäre.
Ein bisschen neidisch war ich schon auf die Freundin und ihre riesen Verwandschaft, doch vielleicht kann man jetzt nachvollziehen warum.

Verpasste Gelegenheiten…aber darüber schreibe ich ein anderes Mal.

6 Kommentare

  1. Thierry

    Ich kann mich noch nicht mal an meine letzte Familienfeier erinnern. Es wird wohl auch eine Kommunion gewesen sein, wobei ich die letzten paar davon auch verpasst habe. Ich mag Familienfeiern nicht. Da ist man von Menschen umgeben, mit denen man etwas DNA teilt (meist bezweifle ich das aber auch) und mit denen man deshablb eine Verbindung fuehlen soll. Ich bin gluecklicher, wenn ich einen Abend mit einem Haufen Freunde verbringen kann, als wenn ich mit etlichen Grosstanten, deren Namen ich ohnehin nie weiss, herumsitzen muss.

    “Do not worry about the people in your past – there’s a reason they didn’t make it to your future.” 🙂

  2. Joël

    @ Thierry
    Blut ist dicker als Wasser. Irgendwann wirst du es merken. Glaub mir.

  3. Thierry

    Wir haben unterschiedliche Erfahrungen. 🙂 Ich habe gelernt, dass meine Familie (Eltern und Geschwister ausgenommen) die letzten Menschen sind auf die ich mich verlassen kann. Im Gegensatz dazu habe ich Freunde die ich auch mitten in der Nacht anrufen kann wenn ich jemanden zum Reden brauche. Ich sehe diese Menschen als meine Familie an. Ich werde mein einziges Leben nicht an Menschen verschwenden die wiederholt bewiesen haben, dass ich (und meine Eltern&Geschwister) ihnen egal sind.

  4. Joël

    So unterschiedlich sind unsere Erfahrungen wahrscheinlich nicht. Das was du oben beschreibst hatte ich auch.
    Und doch bleibe ich bei meiner Aussage. 🙂
    Es ist tatsächlich so.
    Wir reden nochmal darüber wenn du so alt wie ich bist, ok? 😉

  5. Thierry

    Bei unseren naechsten Tasse Kaffee erzaehl ich dir ein paar Geschichten. Ich hab meine Zweifel, dass wir tatsaechlich aehnliche Erfahrungen haben. 🙂

  6. Joël

    Gebongt. 😀
    Sobald du wieder auf dem Festland bist. 😉

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