Fressen, Kunst und Puderquaste

Ein heißer 1. Juni

19:30
Ich sitze in der Abendsonne auf dem Balkon, ich höre die Nachbarn über und unter mir, sie sitzen auch alle draußen. Es ist still in der Stadt. es fahren kaum bis gar keine Autos. Es ist ING Nacht Marathon. Doch plötzlich kreisen ein paar Hubschrauber über dem Viertel und zerstören die Idylle.

Ein heißer Tag ,in vielen Hinsichten.

Ich musste früh raus da ich einen Termin wieder weitab draußen hatte. Ein Hochzeitspaar das hergerichtet werden wollte.
Ich schrieb der gestrigen Eintrag zu Ende, den ich jetzt als ein wenig zu emotional empfinde, aber ich lass ihn jetzt so.
Ich kaufte mir zuvor aber den Spiegel, den es in Luxemburg immer erst ab Samstag gibt und nicht wie in Deutschland schon weitgehend am Freitag. Die Online Ausgabe wollte ich gestern nicht, mit all dem Gefriemel das es bedeutete hätte ihn auf’s iPhone zu laden.  Zudem war ich mit Freunden im Rooftop, die sehr wohl wissen dass sich ein Teil meines Lebens im Netz abspielt, aber ich wollte mich auch nicht völlig aus dem Gespräch ausklinken. Ich hätte es sehr unfreundlich empfunden.
Ich überflog den Artikel schnell und merkte dass ich mich damit eingehender befassen muss und nicht jetzt schnell im Vorbeigehen bevor ich eine Stunde Autofahrt vor mir habe.

Es wurde ein langer Vormittag und Mittag.  Das Brautpaar war, verständlicherweise sehr aufgeregt. Ich versuchte alles in meiner gewohnten Ruhe zu tun und beide (ja auch der Bräutigam) waren  im Stuhl während des Schminkens sehr entspannt. Das Auto das sie zur Kirche führte war aufgehübscht. Ich befestigte noch den Schleier fuhr ihnen noch bis zur Kirche hinterher, richtete noch einmal die Schleppe der Braut, bevor sie zum Altar schritten, und der Auftrag war erledigt. Ich fuhr zurück.

***

In der Twittertimeline war das Hauptthema natürlich die gestrige Read On Affaire. Ich las den Spiegelartikel in aller Ruhe.
War ich mit dem was ich gestern geschrieben hatte töricht? Nein. Ich stehe nach wie vor dazu. Ich begreife aber jetzt das Ausmaß der Lügen- und Phantasiekonstruktion das sie aufgebaut hat. Dass musste irgendwann zusammenbrechen.  Doch hat  sie letztendlich niemandem geschadet als nur sich selbst und ihrer Familie.
Und wer mir jetzt das moralische Ausmaß von dem Schlamassel erklären will: danke ich habs  verstanden!  Und doch empfinde ich Mitleid mit ihr.

Nachtrag: Im Übrigen finde ich von so manchen bei Twitter wie in manchen Blogs und in deren Kommentaren, dieses unablässige Nachtreten und noch einen draufsetzen und noch einen und und,… als höchst widerlich und unangenehm! Ich hoffe dass diejenigen ihren eigenen hohen moralischen Ansprüchen immer selbst gerecht werden und nie die Lage kommen, eines Tages vor dem eigenen Abgrund zu stehen.

4 Kommentare

  1. Regina

    Nochmal danke.

    Ich blogge schon eine Weile nicht mehr, aber falls du wissen willst, wer da schreibt
    http://Www.marypouy.wordpress.com
    Zur gleichen Zeit wie du hatte auch ich einen Blindarmdurchbruch.
    Auf deinen Blog bin ich über Frau Kaltmamsell gekommen.

    Trotzdem schönen Sonntag

    • Joël

      Danke 🙂
      Dir auch.

  2. renée

    joël, ich habe die geschichte nicht gelesen, aber ich denke mir, man kann nicht wissen, warum jemand etwas erfindet oder sich nach aufmerksamkeit sehnt. ich meine immer, dass es wohl eine innere einsamkeit ist, die einen antreibt und zu solchen dingen verleitet.
    ich verstehe aber nicht ganz, warum man hier so einen aufstand macht. es ist eine art roman geschrieben worden, in der die autorin sozusagen lebt oder gelebt hat.
    ich finde es wundervoll und ehrenvoll von dir, dass du zu deiner bekanntschaft stehst und ihr in dieser traurigen situation zur seite stehst.
    ich sehe, wie grausam es immer wieder ist, wenn leute sich wie raubtiere auf menschen stürzen, die sich in einer situation befinden, der sie wehrlos ausgesetzt sind.
    auch wenn manches nicht stimmt, was die autorin schreibt, die geschichte hat offensichtlich einen grossen eindruck hinterlassen und die leute zum nachdenken angeregt und ist es nicht das, was letzlich zählt?!
    dein brief hat mich berührt und ich habe das gefühl, ich müsse dir einfach dafür danken….!
    renée

    • Joël

      Im Spiegel Artikel, (der sich ja hinter einer Paywall versteckt) wird das auch ganz klar vermutet dass der Grund Einsamkeit ist und es wäre auch die logischste Erklärung.

      Merci Renée

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