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Fressen, Kunst und Puderquaste

Die ersten e-Roller & Mil a.s.b.l.

Ich hatte sie schon vor einigen Tagen gesichtet. Als ich dann die neue Bibliothek besichtigte, standen welche neben dem Eingang. Jetzt geht es also auch hier los. Stutzig machte mich jedoch dass ich keine Werbung dafür gesehen hatte und nichts davon in einer Zeitung zu lesen war.  Ich lud die App für die sogenannten Bird Roller. Ich wollte nämlich wissen wie viel dass der Spaß kosten würde.  Das erfährt man auch nicht bis ganz am Schluss bevor man den Deal abschließt. 1€ zum Entsperren des Rollers und 0,35€ für jede Folgeminute.  Zudem kann man immer nur Pakete kaufen von jeweils 10, 20 oder 30 €.  Bei 20 oder 30€ bekommt ein paar Entsperrungsgebühren geschenkt.
Ich finde das nicht sehr preisgünstig. Was kostet das denn anderswo?

Heute morgen im Radio hörte ich dass die Betreiber der e-Roller nicht einmal einen Antrag gestellt haben, ob man die Dinger auf Kirchberg (denn da stehen die meisten) aufstellen darf. Die Bürgermeisterin lässt das prüfen und wenn es nicht passt kommen sie weg. So in etwa war ihre Aussage.

Der “heute morgen” im vorigen Satz war übrigens wieder sehr früh, was ja seit ein paar Tagen, nachdem ich ja körperlich schon auf Winterzeit umgestellt habe, eine Qual für mich ist.  Ich musste die N. noch einmal zur Arbeit fahren. Allerdings kam sie mir heute strahlend mit nur mit einer Krücke entgegen, die sie nur zur Sicherheit nimmt.  Sie hat sich fest vorgenommen ab nächster Woche wieder Auto zu fahren, denn sie ist Abhängigkeit leid.
Es folgte das gleiche Spiel mit den Staus auf der Autobahn nach Esch, das ich schon das letzte mal hatte.
Ich setzte mich wieder in die kleine Café-ecke vom Supermarkt und wartete ein gute halbe Stunde bevor ich wieder zurück in die Stadt fuhr.

Und immer wenn ich daran denke bin ich heilfroh dass ich diesen ganzen Rushhours nicht mehr jeden Tag mitmachen muss, wie noch vor sieben Jahren als ich noch in der Alten Heimat wohnte.

Zurück in der Wohnung packte ich das Auto voll und fuhr nach Erpeldange in ein Altenheim für Demenzkranke.  Dieses Wochenende wird der Abend Kanner oh Kanner oh quel Bonheur stattfinden von der neu gegründeten  MIL a.s.b.l.
Mil ist der Vorname des Vaters der Präsidentin der 2012 mit Alzheimer diagnostiziert wurde.  MIL organisiert kulturelle Events die speziell für diese Menschen zugeschnitten ist.
Im Manifest von MIL a.s.b.l. steht:

Kultur ass de Motor vun eiser Gesellschaft. Kultur schwätzt Emotiounen un. Kultur verbënnt a schaaft schéi Momenter zesummen. Virun allem hunn ALL d’Mënschen – nom Artikel 27 vun der Mënscherechtsdeklaratioun – d’RECHT um kulturelle Liewen deelzehuelen. Grad dann, wann d’Fiedem zu Raum an Zäit lues a lues räissen, ka Kultur nees Brécke bauen an de System, an deem de Mënsch mat Demenz sech beweegt, stäerken. Wann d’Krankheet vu mengem Papp mech eppes geléiert huet, dann ass et, déi schéi Momenter, déi mer nach mateneen hunn, intensiv ze liewen. Mir musse just all en Effort maachen an eis drop aloossen.

Kultur ist der Motor unserer Gesellschaft, Kultur spricht Emotionen an. Kultur verbindet und schafft geminsame schöne Momente . Vor allem hat JEDER Mensch – nach dem Artikel 27 der Menschenrechtsdeklaration – das RECHT am kulturellen Leben teilzunehmen. Gerade dann wenn die Fäden von Raum und Zeit zu reißen beginnen, kann Kultur neue Brücken bauen in das dunkle System in dem sich der Mensch mit Demenz bewegt. Wenn die Krankheit meines Vates mich eines gelehrt hat dann, dass man die schönen Momente intensiv  leben, die man zusammen hat. Wir müssen uns nur die Mühe geben uns darauf einzulassen.

Das ganze Manifest (auf luxemburgisch) könnt ihr hier lesen.

Wir bauten den Festsaal völlig um für dem Abend mit Glitzer und Gold und roten Samtvorhängen. Ich richtete mich in einem Nebenraum ein.  Am späten Nachmittag fuhr ich zurück.

Und gegen Abend bot mir der Himmel über der Stadt folgendes Bild:

4 Kommentare

  1. Die Roller sind ein Unding. Nicht nur, dass sie im öffentlichen Raum herumstehen, sie werden auch irgendwo abgestellt, egal ob sie im Weg der Fußgeher und Radfahrer sind.
    Neulich sah H. einen, der überschnell fuhr – es hätte ihn um ein Haar einen Sturz gekostet.
    Und teuer müssen sie sein – sie werden nach einem Jahr verschrottet. Was passiert mit den Abertausenden Akkus?
    In München hat Uber zudem jetz auch noch häßliche rote E-Fahrräder aufgestellt.

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