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Fressen, Kunst und Puderquaste

Tage wie Glas 7

Am kreativsten bin ich am Morgen fürs Blog. So wie andere Menschen in normalen Zeiten morgens aufstehen und sich fragen, ‚Was soll ich anziehen?‘, oder ‚Was soll ich heute kochen?‘ frage ich mich seit Anfang der Glastage, ‚Was soll ich schreiben?‘ Denn es passiert ja nicht wirklich was.
Es erinnert mich ein wenig an meine Zeit in Neukaledonien, als ich aus dem Krankenhaus kam und in ein anderes Hotel verlegt wurde. Es war kurz nach dem Orkan und es war nicht nur heiß draußen sondern unmenschlich feucht. Ich hatte ein recht großes Zimmer mit Balkon den ich aber kaum nutzte. Da ich die Hitze und das feuchtwarme Wetter einfach nicht ertrug nach der OP, saß ich tagelang im Zimmer, las E-books oder sah fern. Damals war es selbstgewählt weil ich mich sehr matschig fühlte.
Jetzt ist es nicht selbstgewählt und das ist der kleine aber feine Unterschied, der entscheidend ist. Damals wusste ich, dass das Warten ein Ende haben wird.

Was ich damals nicht getan habe, ist im Blog meine Gemütszustände mit einer proustschen Akribie aufzuschreiben. Erstens glaube ich dass das niemanden interessiert und zweitens wird das so rüberkommen als ob ich nicht alles Tassen im Schrank hätte.

Was ich aber die nächste Zeit hier machen werde, ist auch aufschreiben wenn es mir nicht gut geht. Ich bin wie viele andere, allein zu hause. Ich habe keinen Partner, keine Kinder, kein Haustier und Familie habe ich schon lange nicht mehr. Also werde ich das euch, meinen geschätzten Lesern, erzählen.

***

Zurück zur Tagesordnung:
Es sollte es ein…

… werden. Und ich tat alles dafür dass es den Missmut vom Vortag ausgleichen sollte.

Ich duschte, zog mehrere Lagen Kleidung, denn ich hatte auf der Temperaturanzeige in der Straße nur 2 Grad gelesen.
Ein kleiner Spaziergang durch den Park.

Menschenleere Straßen. Ich konnte die, denen ich begegnete, an zwei Händen abzählen. Es war kalt. Doch die Sonne macht alles wett. Und es tat gut ein wenig draußen zu sein.

Ich hörte, wieder zu hause, ein Podcast über Tolstoi / Szenen einer Ehe, aus der Sendung ‚Aus den Archiven‘ vom Dlf Kultur. Achtung der Link geht direkt zur MP3. Es geht um eine Sendung von 1989 in der man versuchte, die Tragbucheintragungen von Tolstoi gegenüber der von seiner Frau Sofia zu stellen. Sehr interessant, da sich sich beide auch gegenseitig ihre Einträge regelmäßig zu lesen gaben und welche Spannungen es dadurch gab.

Zu Mittag gab es einen Klassiker:

Mac & Cheese nach diesem Rezept.

Die N. rief am Nachmittag an und wir beide hatten die gleiche Idee auf dem Balkon in der Sonne zu sitzen.

Kurz danach legte ich mich aufs Bett und ratzte für volle vier Stunden weg. Huch! Ich erschrak ein wenig als ich auf die Uhr sah, denn es war bereits kurz nach 19:00! Ärgerlich, dachte ich, jetzt werde ich bis spät in die Nacht kein Auge zu tun…

Nach ein lesen und daddeln ging ich kurz vor Mitternacht ins Bett.

8 Kommentare

  1. Ach, Joel, ich bin schon seit gut einer Woche in vier kanarische, relativ kleine Wände eingesperrt. Zum Glück in Gesellschaft meines Mannes. Nicht allein zu sein ist wirklich von Vorteil, allerdings nur dann, wenn man auch nach über 50 gemeinsamen Jahren noch gut miteinander auskommt. Andernfalls… auweia, das möchte ich mir lieber nicht ausmalen.
    Jetzt warten wir geduldig auf unseren Heimflug, zu Hause ist es in Krisenzeiten sicher am besten, selbst unter Quarantänebedingungen. Beschäftigung hat man da genug und ich kann wenigstens in den Garten, was hier nicht erlaubt ist.
    Ganz froh macht mich, neben meinem eBook, momentan die Möglichkeit, digital auf dem Laufenden sein zu können. Den fleißigen BloggerInnen bin ich auch sehr dankbar und schaue hier und da, wie es bei ihnen allen aussieht.
    Ich kommentiere mehr als sonst, auch weil ich glaube, dass es eine Art sozialer Kontakte darstellt, die sonst noch stärker fehlen würden.
    Was mir gut gefallen hat, ist Ihre Bemerkung darüber, sich nicht gehen zu lassen. Das finde ich äußerst wichtig!

    Alles Gute und schön gesund bleiben

    • Joël

      23. März 2020 at 9:33

      Dann wünsche ich Ihnen einen guten Heimflug, wenn sie denn wissen wann er denn stattfindet.
      Bleiben sie gesund.

  2. Ich feiere diese Woche meinen 76. Geburtstag allein mit Mann zuhause.
    Werde etwas leckeres kochen, Kuchen backen und ein Glas Wein auf unser Wohl trinken. Gestern waren wir bei herrlichem Sonnenschein und 4-5 Grad 1 1/2 Stunden spazieren, mein fitbits zählte 10.256 Schritte.
    Lese gerne hier bei Ihnen und wünsche weiterhin eine gute Gesundheit und keep up the good spirit .

  3. Claudine Muller

    23. März 2020 at 11:47

    Saluti, Joël, wonnerschein Fotoen hues du geschter gemach. D’Wieder ass jo schein, an mir därfen jo eraus, daat helleft e bessen an deser glungener Zeit. Ass schon eppes aneschtes ob een freiwelleg doheem bleift oder muss bleiwen…Drecken dech

  4. Lieber Joel,
    es ist schön, jeden Tag von Ihnen zu hören und Luxemburg ein bisschen kennenzulernen.
    Herzliche Grüße

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