Fressen, Kunst und Puderquaste

Deckhaar, Besen & eine Schauergeschichte

Es sind nur knappe 14 Tage, aber da mein Haarkünstler nächste Woche nicht da ist, war ich eine Woche früher. Er sollte übrigens mit seiner Prognose recht behalten, dass mir das lange Deckhaar sehr bald auf den Senkel gehen würde.

Vorher:

Ich hätte die Haare eine Weile auch ohne schneiden hinbekommen. Ist ja nicht so als ob ich das nicht irgendwann gelernt hätte. Da ich aber inzwischen auch zu der schnellen, praktischen Truppe gehöre, nervt es wenn ich da so viel Zeit investieren muss.

Nachher:

Jetzt geht das morgens wieder ruck-zuck.

Anschließend kaufte ich meiner Putzhilfe einen neuen Besen, da der alte schon länger das zeitliche gesegnet hatte und der zweite Besen extrem harte Borsten hat und eher für den Hof oder Bürgersteig gedacht ist.

Und wenn ich schon deswegen nach Howald fahren muss, dann ist die Cloche d’Or nicht weit und ich wollte dort kurz im Einkaufszentrum mit dem gleichen Namen vorbei schauen. Ich hatte kurz bevor die Einschränkungen los gingen ein größeres Fotoshooting und ich wollte sehen was man an Fotos davon zurückbehalten hat und was man jetzt im Geschäft findet.

Und wenn ich schon bei Namur vorbeischaute, blieb ich auch gleich zu einem ausgesprochenen rudimentären Mittagessen. Von der Qualität war alles einwandfrei, doch es war sehr lieblos auf den Teller geschmettert und sah ‚traurig‘ aus. Ich hatte ein Sirloin-Steak mit Pfeffersoße, Pommes und Salat. Es schmeckte alles, aber… ach vielleicht bin auch zu sehr verwöhnt und wählerisch.

Am Nachmittag kam die Putzhilfe und erzählte mir eine Schauergeschichte von einem Ehepaar. Sie kommt die letzten Wochen sehr unregelmäßig zu mir, manchmal Montags, manchmal Mittwochs, dann wieder Donnerstags. Sie ist recht froh darüber dass ich darin flexibel bin. Der Grund dafür ist besagtes Ehepaar.
Er Mitte Achtzig, sie Anfang Achtzig. Sie sind seit 50 Jahren verheiratet und es läuft gar nicht gut zwischen den beiden. .
Nun hat die Covid Krise die Ehe Krise weiter verschärft. Der Mann hätte inzwischen eine regelrechte Phobie gegen das Virus entwickelt. Er zieht zwei Masken übereinander an wenn die Putzhilfe ist. Er hat ihr Overalls und Handschuhe gekauft, die sie anziehen muss in einem extra Raum und auch dort wieder ausziehen und alles wird danach sofort entsorgt. Das Geschrei zwischen den beiden, sei noch schlimmer geworden. Seit letzter Woche darf sie nicht mehr kommen weil er „sehr krank“ sei, was aber nicht ganz stimmt. Nun hat die Putzhilfe Angst dass alles noch weiter ausarten könnte. Entweder einer von den beiden sich etwas antut oder den anderen umbringt.
Ich gab ihr den Rat regelmäßig anzurufen um sich nach den „Gesundheitszustand“ zu erkundigen.

Ich kann die Begebenheit hier ruhig wiedergeben, da ich das Ehepaar nicht kenne. Aber die Geschichte ließ mich noch lange grübeln. Letztendlich kann man nichts tun bis das Unvermeidliche passiert, was immer das auch sein mag.

***

Und dann wollte ich noch an sie erinnern, weil ich erst vor kurzem an sie gedacht habe, und dabei im Blog zurückblätterte.
Vor drei Tagen war der erste Todestag von Sophie…

1 Kommentar

  1. renée

    als die quarantäne zeit begann, las ich, dass zeitgleich eine anlaufstelle im falle häuslicher gewalt eingerichtet wurde. ich war ganz schockiert. wie kann man mit jemandem leben, mit dem man nicht leben kann… und gehen deshalb soviele menschen so ungern in die pension…? nun ja, wenn man hinter die kulissen schaut, sieht alles ganz anders aus…!

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