Fressen, Kunst und Puderquaste

Gendern und meine Gedanken dazu

Da der Mittwoch nicht sooo verbloggenswert war, mit Ausnahme eines ziemlich geilen Abendessens, mache ich heute mal was anderes.

Auslöser für dieses Posting war ein Blogpost von Nicole Diekmann in dem sie übers Gendern spricht. Frau Diekmann genderte in der gesprochenen Sprache mit Glottisschalg. In ihrem Blog könnt ihr lesen wie viel Hass und Beleidigungen sie dafür einstecken musste und nicht zum ersten mal den Staatsanwalt bemühen musste.

Eines vorab. Ich bin kein Sprachwissenschaftler. Ich könnte einer sein. Mit den ganzen Sprachen die ich fließend spreche (Luxemburgisch, Deutsch, Englisch, Französisch) und ein gutes Gefühl für Sprachen und Akzente habe, wäre es als Berufswahl kein Wunder. Ihr werdet also hier ein Post lesen aus der Sicht von jemandem der tagtäglich querfeldein mit vier Sprachen jongliert.

Ich kann absolut nachvollziehen warum im deutschen Sprachraum gegendert wird und das schon seit einer geraumen Weile. Es resultiert ja aus der Gleichberechtigung heraus und wenn Gleichberechtigung gelebt werden soll, sollte sie auch in der Sprache einen Platz haben. So weit, so gut. Verständlich und für mich absolut nachvollziehbar, auch wenn ich mich immer noch schwer damit tue, es im täglichen Sprachgebrauch anzuwenden.

Mir persönlich fällt der Glottisschlag schwer, aber aus einem anderen Grund. Das kommt von meinem Vornamen Joël. In Deutschland werde ich sehr oft mit Jo-ël angesprochen, obwohl es den Schlag zwischen den o und ë gar nicht braucht.
Vor gut 40-45 Jahren, als mein Vorname in Deutschland noch weitgehend unbekannt war, war es übrigens noch heftiger. D. wie ein I ausgesprochen, also rief man mich Ioel. Noch schlimmer war die Variante bei der man das o und e als Umlaut wahrnahm und daraus wurde dann Jöl. Aber das nur am Rande

Das erklärt also meine leichte Aversion gegen das Absetzten bei Wörtern wie z.B. EinwohnerInnen. Daraus entstand bei mir der Gedanke warum man den Schlag überhaupt anwenden soll. Was wäre so schlimm daran es nicht zu tun? Weil es dann kein Gendern mehr ist? Oder greife ich da der Evolution vor? Denn gefühlt wird es doch in einer Reihe von Jahren darauf hinauslaufen dass Glottisschlag entfällt, oder nicht?

Ein anderes Beispiel, (und das kann man jetzt durchaus als krassen Widerspruch zu der Aussage davor sehen) bei dem sich alles in mir sträubt ist, wenn das Gendern neue/alte Substantive hervorbringt, die es davor nicht gab und/oder aus dem Sprechgebrauch verschwunden sind. Das Wort Gästin zum Beispiel. Darüber las ich schon vor längerer Zeit eine Abhandlung einer Feministin, die solche Wörter ablehnt, weil sie sich nur noch auf ihr Geschlecht reduziert fühlt. Verstehe ich auch voll und ganz.

Aus diesem Ansatz heraus möchte noch einen anderen Deckanstoß geben, der im gleichen Zusammenhang steht. Sollten wir nicht erst einmal die Anrede Herr und Frau abschaffen? Im Rahmen der ganzen LGTIBQ+ Bewegungen haben wir ja alle gelernt, dass es noch so viel mehr dazwischen gibt, als nur männlich und weiblich. Und führt das nicht letztendlich dazu dass das Gendern noch einmal komplett überdacht werden muss?

Gendern auf luxemburgisch ist zu Zeit kein Thema, obwohl man auch hier schon darüber nachgedacht hat, denn Luxemburgisch ist ja vom Ursprung her eine germanische Sprache. Die Evolution wird zeigen wo das hinführt.

Rums! Das war ein bisschen viel auf einmal! Aber bevor das kein Mensch mehr liest, weil es zu lang und zu ausführlich ist, mache ich hier Schluss.

5 Kommentare

  1. Christian

    Kleiner Klugscheißerkommentar: „Gästin“ stand schon im Wörterbuch der Gebrüder Grimm (https://woerterbuchnetz.de/?sigle=DWB&lemma=gaestin#0) und wenn ich Dir übel wollte, würde ich versuchen, einen hämischen Tonfall in meinen Kommentar einzubauen. Tu ich aber nicht, aber es ist trotzdem nicht das perfekte Beispiel für neue Wortschöpfungen (man könnte natürlich darüber nachdenken, warum das Wort aus der Wahrnehmug verschwand und jetzt als neu empfunden wird, aber dann wird der Kommentar zu lang …

    • Joël

      Kein Problem. Ich kann das nachtäglich korrigieren. Es war das Beispiel aus dem Post dieser besagten Frau, von dem ich dachte, dass es das vorher nicht gab. Kennst du ein anderes, richtiges Beispiel?

  2. Hans-Georg

    Wenn die Anreden Herr und Frau wegfallen würden, wären wir beim Du. Hätte nichts dagegen einzuwenden. In Dänemark wird das schon seit mindestens 30 Jahren praktiziert, da wird sogar die Königin geduzt.

  3. kaltmamsell

    Obacht: Nicole Diekmann verwendet den Glottisschlag schon lange nicht mehr (wird aber bis heute dafür attackiert), das erklärt sie sogar im selben Post.
    “Warum ich den Glottisschlag nicht mehr benutze? Mir war es irgendwann zu undankbar, viel Arbeit zu investieren, um komplexe Sachverhalte selber zu verstehen und anschließend so zu erklären, dass andere das auch tun, und dann in der anschließenden Debatte zu 80 Prozent Kommentare übers Gendern zu lesen. Ich möchte über Inhalte diskutieren. Was nicht bedeutet, dass gendergerechte Sprache mir nicht mehr wichtig ist. Pick your fights, das war mein Leitsatz in dieser Sache.”

    • Joël

      Uuuuups! Danke für den Hinweis. Da sollte auch die Vergangenheitsform stehen, nämlich genterte.

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