Ein Sonntag

Es war nicht ganz ein Vollmond, in den ich am frühen Morgen kurz nach 6:00 starrte.

Ich ließ den Abend davor noch einmal Revue passieren. Ich kann es immer noch nicht so richtig glauben, dass die Bovary Zeit ein Ende fand. Doch es wird weiter gehen, denn jemand anders hat die Gaststätte übernommen, aber es steht jetzt schon fest, dass es kein literarisches Café mehr sein wird und die ganze „Großmütterchen“ Einrichtung, die den Räumlichkeiten ihren Charme gab, wird, so habe ich das verstanden, auch verschwinden.

Das Wetter versprach schön zu werden, wenn auch kalt. Also raus an die frische Luft!

Da es am Sonntag in der Stadt nur sehr wenig gibt und ich eh nichts weiter vorhatte fuhr ich in die Alte Heimat.

Die Menschenmengen scheinen umgesiedelt zu sein. Anstatt dass alles in die kleine Stadt reinfährt, fährt alles zum See und in das anliegende Einkaufszentrum. Das war auch anfänglich meine Idee gewesen, doch als das Gewühl sah fuhr ich weiter.

Ich weiß, dass ein paar der alten Bekanntschaften hier mitlesen, darum traue ich mich auch nur bedingt Kritik anzubringen. Aber jedesmal wenn ich nach dem Winter wieder herkomme, habe ich das Gefühl, dass wieder ein paar Geschäfte, Hotels und Gaststätten den Geist aufgegeben haben. Es ist traurig.

Ich kehrte im Mistral ein. Dort traf ich auf zwei Lehrer die schon länger in Rente sind. Ab zu sehe ich die beiden in der Stadt im Theater. Sie bestätigten mir, mein Gefühl der Schließungen und ich bekam ein wenig von den letzten Neuigkeiten erzählt. So hat auch das kleine Hotel Pavillon jetzt definitiv seine Türen geschlossen. Der letzte Pachtvertrag lief aus und an den Fenstern kleben die Verkaufsschlider. Auch in Sachen Ausgrabungen mitten in der Stadt scheint sich wenig zu tun. Es sieht immer noch sehr nach Baustelle aus.

Als ich umfassend informiert war, fuhr ich wieder zurück.

Am Abend las ich weiter in Sturmhöhe und sah mir den Q&A von Cecilia Blomdahl an, ging aber früh zu Bett.

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Glaubst du an Schicksal?

So gesehen, nein.

Das Schicksal ist ein Konzept, das je nach philosophischer Richtung unterschiedlich interpretiert wird, von einer unabänderlichen Macht bis hin zu einer Illusion, die der Mensch überwinden kann. Es stellt Fragen nach Sinn, Verantwortung und der Stellung des Menschen im Kosmos. Wir glauben nur all zu gerne an einen für uns vorbestimmten Weg, der möglichst schön, gut und erfolgreich sein soll. Denn niemand wünscht sich ein Schicksal, dass er von einem Laster überfahren wird, wenn er grad dabei war den Lottoschein einzulösen, mit dem er mehrere Millionen gewonnen hat.