The day after

Der letzte Patxaran am Abend davor war zu viel. Erste Schwimmrunde um 7:30 Uhr, egal wie schlimm dass der Tag davor war, da führt kein Weg dran vorbei.

Ich schwamm heute etwas weiter raus und war ein bisschen verwirrt, weil man eine Bojenkette entfernt hatte. Für gewöhnlich schwimme ich nämlich nie weiter. Später erklärte mir der Mann, der auch täglich am gleichen Ort morgens schwimmen geht und anschließend seine Zeitung liest, dass ein Wettrennen stattfindet. Das Rennen der Fischverkäuferinnen. Ich habe nicht genau mitbekommen, wie das abläuft, aber es geht um kleine Fischerboote, die an den Strand gefahren kommen und einen Korb voller Fische an eine Frau übergeben, die dann mit diesem los rennen muss. Das ganze nennt sich la course des poissonières (Link der Lokalzeitung auf Französisch)

Das Bild des Tages:

Zugegeben, das Bild oben hat ein bisschen etwas japanisches mit den Wolken, die den Berg umkreisen aber die Spitze sieht man doch.

Wir gingen anschließend zum Markt und kauften ein bisschen etwas für Sonntag ein, denn am Sonntag wird ja immer noch Saint Jean gefeiert. Anschließend ging es zurück in die Wohnung, und ich legte mich ein bisschen hin.

Gegen 14:00 Uhr ging es dann ins Belardy, wo wir einen Tisch reserviert hatten. Es war sehr gut. Aber draußen war es auch sehr heiß und mir fiel auf, dass ich nicht so viel Wasser getrunken hatte wie sollte, denn mir war schwummerig. Zudem machten meine Verspannungen im Nacken mir wieder zu schaffen, obwohl ich hier jeden Tag schwimme und es mir eigentlich prächtig gehen sollte.

Ich beschloss für den Rest des Tages nicht mehr weiter zu feiern wie gestern. Es reichte mir. Das hatte auch einen Grund. Gestern sagte der S. (der auch einmal ganz kurz im Video zu sehen ist) dass man, egal wie lange man hier wohnt und arbeitet, nie in die inneren Kreise der Basken reinkommt. Irgendwie spürte man das auch. Über diesen Satz dachte ich heute lange nach. Empfinden die Zugezogenen in Luxemburg auch so? Ich kann ja immer nur von dem ausgehen was ich selbst kenne und erlebt habe. Mir fiel eine Begebenheit ein. Ich traf vor einigen Wochen ein paar Schulkameraden aus der Grundschule aus meiner alten Heimat. Alte Heimatländer unter sich. Manchen wird es lächerlich vorkommen, denn die alte Heimat ist nur 35 km von der Hauptstadt entfernt, aber in Luxemburg macht das einen großen Unterschied. In unserem Gesprächen, in dem es meist nur um Geplänkel ging, drehte es sich auch ein Moment darum, dass ich seit fast 15 Jahren nicht mehr dort wohne. Einer von Ihnen meinte dann, „Ach du bist und bleibst ein Echternacher.“ Ich bin also etwas, was ich nicht mehr sein will aber trotzdem bin, weil ich dort geboren wurde.

Als wir den Podcast über die eigenen Wurzeln gemacht haben, hatte ich dort erzählt, dass ich diese immer weniger spüre und ich mich nicht mehr als jemand aus dieser Gegend bezeichnen würde. Ich habe das Gefühl, dass solche Aussagen und dieses Zugehörigkeitsgefühl, egal wie man es dreht und wendet, auch der Ursprung von nationalistischem Gedankengut sind. Und ja, ich nehme den Mund sehr voll mit dieser Aussage, denn man kann jetzt mit sehr vielen positiven Beispielen dagegenhalten, wie wichtig Zugehörigkeitsgefühl ist, dessen bin ich mir absolut bewusst.

Versteht mich nicht falsch, ich gebe nicht den Basken die Schuld, dass sie ihre Kreise nicht öffnen. Es ist nicht nur hier so, es ist überall so. Und damit ist dieses Saint Jean Fest nicht mein Fest, sondern ihres.

Und doch liebe ich diese Gegend, das warme Wetter, das Meer, das köstliche Essen, die Menschen die ich kennengelernt habe und diese etwas gemächlichere Gangart, die es in Luxemburg nicht gibt.

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