Fressen, Kunst und Puderquaste

Das ALDI-Syndrom

In Luxemburg gibt es Schamgrenzen von denen man annehmen möchte, dass sie im letzten Jahrhundert ausgestorben wären.
Die ALDI Supermarkt Kette in Luxemburg läuft unter belgischer Flagge und wird demnach auch aus Belgien beliefert mit deren Produkten. Da die Produktpalette aber bei weitem nicht an die original deutsche Produktpalette heranreicht, wandern viele Luxemburger ins benachbarte Deutschland ab zum Beispiel nach Perl, gleich neben Schengen oder in der Echternacher Gegend, nach Irrel. Der Irreler ALDI Parkplatz ist bisweilen mit mehr luxemburger Autos zugeparkt als mit deutschen.
Als ich am Freitag hin ging, war dort die Hölle los. So wunderte es mich nicht, dass der Laden an diesem Nachmittag fest in Luxemburgischer Hand war. Doch obwohl er brechend voll war, war der Lärmpegel verhältnismäßig tief. Mir kamen viele Gesichter bekannt vor. Alle waren übertrieben beschäftigt mit dem Studieren der Waren. Niemand schaute den anderen an. Als ich den Versuch wagte jemanden zu grüßen bekam ich kaum eine Antwort. Im Gegenteil, man schaute betreten auf den Boden, so als ob man erwischt worden wäre. Allen voran war es eine Frau die ich aus meinem früheren Leben als Friseur kannte, die mich sonst immer etwas zu überschwänglich in Echternach begrüßt. Es war fast so als ob sie mich meiden würde.
“Nein”, dachte ich. Ich steuerte auf sie zu und Begrüßte sie eine Spur zu laut, um sicher zu gehen, dass sie es nicht überhören kann.
Moien.
Sie zuckte sichtlich zusammen und lief leicht rot an.
Moien Joel.
Normalerweise plappert sie gleich los wie ein Wasserfall, aber es folgte eine Peinlichkeitspause.
Kommt dir och heihin?
Jo.
Sie lachte leicht verlegen.
Ech muss viru maan. Bis eng aner Keier.
Sie drehte sich um und versuchte schleunigst zur Kasse zu kommen.
Ich hatte sie, die eine Grande-Dame sein möchte, beim billig einkaufen erwischt.

3 Kommentare

  1. Phlox

    Kenne das – war letzte Woche auch im Aldi. Dort habe ich zu meinem Erstaunen festgestellt, dass sie gerade ein Superangebot hatten: ein ganzes Golfequipment zu einem Spottpreis. Ich habe mich nur gefragt, wie man seinem Golfpartner erklärt, wo man das neue Zeug her hat.

  2. Karim

    In unseren Schweizer Billig-Discounts ist es das selbe: Alle verteufeln sie; nein sie würden doch nie solche Billigware einkaufen, aber heimlich tun sie es alle.

  3. Joël

    Das ist ja grade das Verwerfliche. Wo leben wir denn, dass man sich heutzutage noch beim ALDI Einkauf “erwischen” lässt?
    Ich finde Billigläden völlig ok, und es sind eine Menge Leute darauf angewiesen, weil sie jeden Cent zweimal umdrehen müssen bevor sie ihn ausgeben. Wenn es die Läden nicht gäbe, ginge es ihnen noch schlechter.

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