Fressen, Kunst und Puderquaste

Moment mal…

Heute:
Bekanntschaften

Ich umgebe mich auch mit Menschen, die ich zu über 80% im Netz kennengelernt habe.

Ein Satz aus der Liebeserklärung von Sascha Lobo an das Internet. Nun finde ich 80% äußerst hoch und ich kann das für mich nicht nachvollziehen. Aber das Internet an sich hat mich von Anfang an fasziniert und es war für mich damals als Internet nur mit 56K Modem zu bekommen war, wie die Erschließung einer neuen Welt. Fasziniert daran war vor allem dass man plötzlich mit Leuten chatten konnte aus aller Welt, oder von gleich nebenan, und man stellte fest dass man die gleichen Interessen hat.
Einer der vielen Gründe warum Leute das Internet nutzen ist Bekanntschaften schließen, die große Liebe finden, Gleichgesinnte finden, z.B. mit dem gleichen Hobby wir Tiere ausstopfen oder fröhliches gemeinsames Kinderschänden… (aber das lassen wir mal außen vor)

Meine Freundin J. die ich vor langen Jahren in Internet kennengelernt habe, über ICQ, hat damals neben mir auch ihren späteren Lebensgefährten kennengelernt. (da der Kontakt mit J. aber nur noch sporadisch ist, darum weiß ich nicht ob er es immer noch ist) J. schilderte mir einmal eine Begebenheit von ihrem Lebensgefährten und dessen Ex die urplötzlich bei ihm vor der Tür stand und ihn wiederhaben wollte. Da sie extra von weit her aus Frankreich angereist kam, war er so höfflich und ließ sie eine Nacht bei sich übernachten. Beide hatten zusammen in Frankreich studiert und sich dort kennen und lieben gelernt, doch mit der Beziehung war es schon lange aus und vorbei, als J. ihn kennenlernte.
Sie, die Ex, mokierte sich in höchsten Tönen darüber, dass er J. im “Internet” kennengelernt habe. Was das denn für eine Art wäre Leute kennenzulernen.

Und genau diese Tatsache ist heute in vieler Leuten Köpfe ein Umstand, dass Bekanntschaften aus dem Net verächtlich und herablassend angesehen werden.
“Was ist das denn für eine Art sich einen Partner zu suchen?”
“Kriegst du sonst keinen ab?”

Das Internet ist inzwischen um einiges gesellschaftsfähiger geworden und dennoch…

Es gibt ein Paar in Luxemburg die recht bekannt sind, da sie ein erfolgreiches Jazz und Theater Café und Restaurant leiten. Beide haben sich vor über zehn Jahren durch das Internet kennengelernt und haben inzwischen drei Kinder. Doch habe ich öfters gesehen dass, wenn man einen von den beiden fragte wie sie sich kennengelernt haben, der erwartungsvolle Glanz in den Augen des Fragers auf eine romantische Geschichte, auf die Antwort, ‘im Internet’, schlagartig erlosch.

Und jetzt will ich von euch wissen, kennt ihr das Gefühl, dass euch die Umwelt zu spüren gibt dass eine Freundschaft/Partnerschaft aus dem Internet nicht das gleiche ist wie… ja, wie was?

3 Kommentare

  1. Herr D.

    Blöde Sprüche muss man sich immer mal anhören. Aber oft klingt auch ein bisschen Neid durch. Nicht jeder kann so mit dem Internet “umgehen”.

  2. Thierry

    Ich glaube, viele Menschen haben immer noch Angst vor dem Internet, weil sie es nicht verstehen. Man weiss ja nie sicher, wer da wirklich am anderen Ende sitzt. Dass man aufpassen muss, wieviel man von sich preis gibt und nicht gleich jeden in echt treffen soll, wissen viele zwar, lassen diese Art der Kommunikation dann aber lieber ganz sein.
    Auch glaube ich, dass das Internet für viele immer noch als technisches Wunderwerk erscheint. Ja, man kauft auf Amazon ein oder nutzt iTunes, aber darüber hinaus ist es ein unverständlicher Platz, wo sich nur Leute aufhalten, die zuhause bei Mutti im fensterlosen Keller wohnen.
    Wegen letzterem ist das Kennenlernen via Internet meines Erachtens nach so verpönnt. Wer Freunde oder Liebe online findet, ist asozial, geht nicht vor die Tür. Natürlich ist das ein Vorurteil, aber leider scheint es in unserer Gesellschaft immer noch die vorherrschende Meinung zu sein.

    Ich kann keine Zahl nennen, aber einen großen Teil meiner Bekannschaft habe ich durch das Netz kennengelernt, dich und deinen Namensvetter Joel A. zum Beispiel. Und ja, ich muss mir manchmal Kommentare anhören, dass ich “Internet Freunde” habe, obgleich ich mit allen auch Dinge im “realen” Leben unternehme.

    Ich behaupte mal einfach, eine Freundschaft die man über das Internet aufbaut ist einfacher. Man muss weniger Mut finden, jemanden anzusprechen, und man findet einfacher Menschen, die die gleichen Interessen haben – man sieht den wenigsten ja an, ob sie das Luxemburger Wort lesen oder Britney Spears hören (einige Schreckensgestalten tun angeblich beides). In dem Sinne ist sie nicht das gleiche wie eine Freundschaft, die entstand, weil man dem Kerl an der Bar das Bier über die Hose gekippt hat.

  3. J.

    Hallo Joël!!!
    Jaaa, ich bin immer noch mit C zusammen :-))) – inzwischen sind es fast 10 Jahre! Und trotzdem/immer noch ist es auch mir unangenehm wenn Leute fragen: “Und wo habt ihr euch kennen gelernt?” Zum einen Teil ist das sicher, wie du es bei deinem Eintrag schon geschildert hast, auf die Reaktionen der Gesprächspartner zurückzuführen. Zum anderen Teil empfinde ich es selber als nicht besonders… naja… vielleicht zu vergleichen mit Paaren die sich über eine Partnervermittlung oder Anzeige kennengelernt haben – auch die würden ihre Begegnungsplattform oft am liebsten totschweigen oder umschmücken (viele tun das auch).

    Keine Ahnung warum das so ist, aber es ist so.

    Mein Lebensgefährte spricht total offen darüber, für ihn ist das völlig normal. Vielleicht will frau nicht dass “man” denkt sie hätte im real-life keinen abgekriegt, müsse im Internet nach einem “genauso” bemitleidenswerten, weltfremden, ausgebeulten-Jogging-Anzug-tragenden PC-Freak suchen der “auch” nicht vor die Tür geht…

    Ich war/bin weder schüchtern noch potthässlich noch anderswie angewiesen auf irgendwelche merkwürdigen Stubenhocker – oder schlimmer noch (im Internet treiben sich ja die kuriosesten Zeitgenossen herum…)

    Jedenfalls habe ich mich schon mehrmals dabei ertappt, in solchen Situationen auch eilig von der Bekanntschaft mit dir zu erzählen *lach*

    liebe Grüsse,
    J.

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