Fressen, Kunst und Puderquaste

Erinnerung

Vor einigen Tagen las ich diesen Beitrag in Kein illegales Tagebuch, und es erinnerte mich an eine ähnliche Geschichte in meinem Umfeld.

Es war zu meiner Schulzeit als ich noch in der Pantomime Gruppe war. Diese Gruppe war recht erfolgreich und war, wenn auch nur indirekt, in zwei verschiedene Gruppen geteilt. Die jüngeren und die älteren Schüler. Eine der jüngeren Mädchen hieß Tessi und es war im Nachhinein ein kleines Wunder dass ihre Eltern es damals erlaubten. Tessi empfand ich zu der Zeit immer als etwas schüchtern und zurückhaltend, aber immer nett. Als Tessi dann ins Lycée kam wurden ihr sämtliche außerschulische Aktivitäten verboten. Aus was für einem Grund weiß ich nicht, aber sie durfte überhaupt nichts mehr, außer zuhause vor ihren Schulbüchern sitzen und lernen. So zumindest erzählte mir später einmal eine ihrer Freundinnen. Und eines Tages war Tessi plötzlich verschwunden. Sämtliche Medien berichteten darüber und es erschienen große Aufrufe, ob jemand Tessi gesehen hätte. Sie war sechzehn. Doch niemand wusste wo sie war. Sie hatte ihren Freundinnen in der Schule schon oft gesagt, dass sie es zuhause nicht mehr aushalte. Sie blieb wochenlang verschollen. Keiner hörte etwas von ihr.
Dann kam die traurige Nachricht. Man hatte sie gefunden in einer Halle beim Hafen in Rotterdam. Sie hatte sich erhängt. Sie hatte kurz nach Schulschluss das ganze Geld von ihrem Sparkonto abgehoben und war sofort mit dem nächsten Bus in nach Luxemburg-Stadt zum Bahnhof gefahren, um dort in den nächstbesten Zug zu steigen, der sie ins Ausland brachte. Von dem Geld was sie besaß lebte sie eine Weile. Es weiß jedoch niemand wie und wo, noch unter welchen Umständen….

Ich weiß noch dass ich damals dachte, was für schreckliche Eltern das doch waren und was für eine Angst Tessi gehabt haben muss, dass sie lieber den Freitod wählte, als zurück zu gehen.

2 Kommentare

  1. dievommond

    hm. Das muesste eigentlich nicht sein, wenn Lehrer und Mitschueler etwas aufmerksamer waeren, oder? Verstaendnisslose Eltern koennen einen schon zur Verzweiflung treiben!Aber die Schule koennte das ausgleichen…..

  2. Joël

    Du vergisst dass es in den frühen Achzigern war. In Luxemburg war das soziale Auffang- und Kontrollsystem noch nicht so ausgereift wie heute.

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