Wie der B. uns zu einem Preis verhalf

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An Tagen wie heute bin ich froh dass ich ein Blog habe.

Die erste SMS des Tages war keine gute Nachricht.
Der B. aus der Alten Heimat, ist am Freitag verstorben.
B. war die letzten Jahre der Mann meiner Freundin M.
Doch den B. kannte ich länger.

Lange innehalten ging nicht. Ich hatte mehrere Termine im Theater die ich alle einhalten musste. Ein schnelles Mittagessen im Annexe und dann weiter zu Auchan Besorgungen machen. Vom Annexe aus wählte ich einen ungewöhnlichen Weg. Da gleich neben dem Restaurant der Aufzug in das Viertel Grund fährt, fuhr ich dort hin weil ich auch Geld abheben musste. Dort befindet sich am Eingang zum Fahrstuhl ein Bancomat und Aufzugfahren kostet ja nichts. Als ich fertig war nahm ich von dort aus den Bus bis ins Pfaffenthal der gerade anhielt und fuhr dann mit der Seilbahn wieder hoch nach Kirchberg um dort mit der Trambahn bis zu Auchan zu fahren. Das ging alles recht fix und schnell.  Nirgendwo musste ich länger als 2 Minuten warten.

Es war schönes Wetter, nichts deutete darauf hin dass wir gestern noch gewaltige Sturmböen hatten.

Ich dachte an den B.
B. war Französisch Lehrer gewesen der bei den Schülern sehr beliebt war.
B. hatte sogar einen Doktortitel.

Ich drehte meine Runde durch Auchan und entschied mich für einen Spinatsalat mit Kirschtomaten und eine Stück Gemüsequiche. Zum richtig kochen wusste ich jetzt schon dass ich keine Lust hätte.

Ich dachte immer noch an B.
Er war der Stiefvater der C. gewesen.
Eigene Kinder hatte der nie welche gehabt.
Die C. lebt seit Jahren in Belgien, den irgendwann ging die Ehe, zwischen dem B. und der Mutter der C. zu Bruch.

Ich fuhr zurück mit der Tram bis zur anderen Endstation an der Place de l’Étoile und ging den Rest der Weges zu Fuß nach Hause.

B. ging mir nicht aus dem Sinn.
B. kannte die M. schon seit langen Jahren davor.
Beide hatte massive Kriegsverletzungen was Beziehungen angeht.
Und dann kamen beide zusammen…

Der B. hat nie eine große Rolle meinem Leben gespielt. Das letzte Mal dass ich ihn sah, war als ich schon aus der alten Heimat weggezogen war. Er war bereits in Rente, doch gab er immer noch Unterricht. Vor allem Abendkurse für Erwachsene die das Abitur nachholen wollten. Ich lief ihm in einem Restaurant über den Weg.

Doch möchte ich heute erzählen wie ich ihn kennenlernte. Das erste mal dass er mir auffiel, und ich ihm, war in der Grundschule. Ich weiß bis heute nicht warum er da mitwirkte denn er war eigentlich Lehrer am Gymnasium. Ich war im fünften Schuljahr, mein Bruder Gilles im zweiten oder ersten. Ich war 10 Jahre alt.

Es war kurz vor den Sommerferien auf dem Abschlussfest der Schule. Jede Klasse hatte etwas zu dem nachmittäglichen Fest beigetragen. Doch es gab auch das große Quiz mit vielen Preisen. Jeder konnte dabei mitmachen.

Da mein Bruder Gilles sich den Fuß gebrochen hatte und trotzdem beim Fest mitmachen wollte, hatte Mutter ihm (Krankenschwester oblige) einen Rollstuhl besorgt damit er nicht die ganze Zeit Fuß belasten müsste und ich schob ihn mal hierhin mal dorthin. Gilles war der Star des Tages, den jeder wollte natürlich wissen was geschehen war.

Das große Quiz beinhaltete unter anderem Fragen über die alte Heimat und man musste auch ein paar Jahreszahlen wissen.  Ich hatte plötzlich die Idee dass man das doch auch im Touristenbüro nachfragen könnte und kraxelte mit Gilles und dem Rollstuhl durch die enge Gasse bis hoch zum Büro wo man uns eine Reihe von Broschüren gab.

Irgendwie musste B. der noch ein sehr junger Lehrer war,  das mitbekommen haben, denn er sprach mich und meinen Bruder als wir wieder auf den Fest waren sofort darauf an. Er stellte alles auf den Kopf damit Gilles und ich einen Spezialpreis bekämen weil wir uns  soviel Mühe gegeben hätten.

Seitdem wusste ich wer der B. ist.

Äddi B.

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