Schreiben im Zug nach Paris

Letztendlich habe ich denn Rechner doch mitgenommen.

Wieder habe ich hin und her überlegt ob ich hier weiter über das Projekt schweigen soll, oder mehr davon erzählen. Die beiden Vorstellungen in Paris sind noch immer vom gleichen Projekt wie die ganze Woche davor, und wer hier aufmerksam mitliest weiß, dass es nicht optimal verlaufen ist.

Andersherum gesehen hat es, eben weil ich mich ja von einem Projekt zum nächsten hangele, auch sein gutes. Ich bin nicht bis zur Rente an diese eine Arbeit gebunden, und wenn ich diese zwei letzten Vorstellungen in Paris hinter mir habe, ist Schluss und es kommt etwas neues. (Bei mir übrigens gleich am Montag)

Das letzte mal dass es so heftig war, war ein deutsches Stück in Koproduktion mit Mainz. Die Regisseurin des Stückes hatte einen Oberknall….
Aber das war noch zu einer Zeit in der ich fast gar nichts über meine Arbeit hier schrieb.

***

Habe ich euch schon einmal erzählt warum ich Paris NICHT mag?
Ich bin in meinem Leben erst sehr spät nach Paris gekommen. Das erste mal war ich 12 oder 13 Jahre alt und ich fuhr mit meinem Eltern in die Bretagne. Es war mitten in der Nacht und wir fuhren über den Peripherique. Von weiten sah ich den Eifelturm.
Das nächste mal war, als  ich dort Maskenbildnerkurse hatte. Es waren Intensivkurse mitten im Winter, mit einer Stunde Pause am Mittag bis in den frühen Abend hinein. Ich kam mir wie eingesperrt vor, ich sah fast kein Tageslicht. Zudem war das Hotel eine Zumutung, aber etwas besseres konnte ich mir damals nicht leisten.  Das Personal war extrem unfreundlich und das Frühstück…na ja. Es war eine alte Dame die das Hotel führte und an allem auszusetzen hatte, sogar an sich selbst. Ich habe selten einen Menschen erlebt der so verbittert war.

Überhaupt sind Pariser eher grantiger Natur, aber das ist wieder so eine pauschale Aussage.

Das nächste mal dass ich dort war, war wegen der Preproduktion eines Films der aber in Luxemburg und in der Schweiz gedreht werden sollte. Da die meisten Darsteller in Paris wohnten, war es einfacher mich nach Paris kommen zu lassen als alle nach Luxemburg. Die Fittings fanden in einer Friseurschule statt, was a priori gut gewesen wäre, wenn man mich nicht mit einer ganzen Schulklasse  in einen Raum gesteckt hätte. Es war ein heilloses Durcheinander und irgendwann verlor einer der Darstellerinnen die Geduld und schrie nur noch rum….
Die anschließenden Dreharbeiten waren mit das Schlimmste das ich erlebt habe, und ich stellte zum ersten mal meine Berufswahl, die Umschulung und überhaupt alles in Frage…

Dann kam nochmal ein etwas längerer Aufenthalt wegen einem Zusatzkurs für Airbrush Makeup.

In den Folgejahren fuhr ich immer ganz schnell hin und zurück, um Arbeitsmaterial zu kaufen. Es gibt ein TGV Luxemburg-Paris, der etwas mehr als zwei Stunden dort ist. (in dem ich auch jetzt sitze)

Inzwischen habe ich mich wieder etwas mit Paris versöhnt, aber meine Lieblingsstadt wird es in diesem Leben nicht mehr werden.

***

Die Vorstellung verlief erstaunlich unspektakulär, zwar nicht ganz ohne Zwischenfall, aber es ging eigentlich gut.
Und morgen ist eine letzte Vorstellung.

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