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Fressen, Kunst und Puderquaste

Grässliche Besinnung

Ich wachte mit Kopfschmerzen auf. Der Grund war simpel. Ich hatte mir am Abend davor beim Chinesen ein viertel Wein bestellt das der Kellner beim servieren der Speisen über den Tisch schüttete, als ich es etwas mehr als über die Hälfte leergetrunken hatte. Er entschuldigte sich und brachte ein neue volle Karaffe. Somit hatte ich fast einen halben Liter Wein intus der, leider nicht der Beste war.

Telefonate und Mails hielten mich den Rest des morgens gehörig auf Trab. Doch eigentlich hatte ich Lust rauszugehen, obwohl es kalt und feucht war.

Also zog ich gegen Mittag los. Da ich keine Lust hatte ins Auto zu steigen, nahm ich, wie in letzter Zeit fast immer, den Zug und fuhr nach Trier. Ich kaufte die Premierengeschenke für kommende Woche. Ich bin darin in den letzten Jahren etwas einfallslos geworden. Es werden meistens für jeden eine Tüte Plätzchen der Konditorei Mohr.

Und während ich darauf wartete dass die Bestellung fertig wird, sah ich eine Frau mit Rock und Mantel, vobei der Rock unter dem Mantel hervorschaute:

Meine Großmutter die jahrelang ein Bekleidungsgeschäft führte, hatte dafür einen Spruch auf luxemburgisch. „D‘Vesper ass mei laang wéi d‘Houmass.“ (Die Vesper ist länger als das Hochamt.) Gibt es den Spruch auch im Deutschen?

Als ich wieder am Bahnhof war sah ich auf der Anzeige dass mein Zug gestrichen war. So hatte ich fast eine Stunde zum rumtrödeln.

Und wieder kreisten meine Gedanken um Dinge aus der Vergangenheit. Manchmal macht mich das wahnsinnig. Es sind kleine Begebenheiten, Anekdoten immer im Zusammenhang mit lange verstorbenen Menschen aus meinem Umfeld, immer so als ob ich zurückkatapultiert werde, als ob mein Leben nicht weitergegangen wäre, als ob ich steckenbleiben würde. Für gewöhnlich schreibe ich es der Jahreszeit zu. Wenn die Tage kürzer werden, die Nächte länger und die grässliche ‚besinnliche‘ Zeit anfängt, habe ich immer diesen Hänger. Doch dieses Jahr empfinde ich ihn als besonders schlimm.

Im Zug fing ich an das Blogposting vorzuschreiben. Eigentlich hätte ich mich am Abend mit der A. treffen sollen doch sie hatte schon was vor. Also ging ich sofort nachhause.

2 Kommentare

  1. Ich kenne auch noch diese Moderegel, dass der Rock nicht unter dem Mantel herausragen dürfte. Aber so schön und witzig die Worte Ihrer Großmutter sind, die Sie zitieren – das ist lange vorbei! Und ich finde es grundsätzlich auch in Ordnung. Wir dürfen heute doch mehr, sind nicht mehr so starr und konventionell gebunden, in allen Bereichen.
    Kann (und sollte) nicht heute jeder mehr oder weniger nach seiner Fasson selig werden? Auch in der Mode, in der gesellschaftliche Veränderungen durchaus gut lesbar sind.

    Geschmack und Stil sind eine andere Frage. Man hat’s oder hat’s nicht.

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