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Fressen, Kunst und Puderquaste

Von Denpasar über Jakarta nach Melboune & ein Alptraum

Dass ich drei Tage nichts geschrieben habe, kommt daher dass ich wieder ein Lektion in Demut erhielt…

Aber der Reihe nach.

Ich flog dorthin zurück wo ich letztes Jahr meine Reise begonnen hatte. Zurück nach Melbourne aber mit einem Abstecher zur indonesischen Hauptstadt.

Bali bescherte mir an meinem letzten Tag doch noch einen schönen Sonnenuntergang, den ich von der Terrasse vom Flughafen aus sah. All die anderen Abende waren entweder verregnet oder so bewölkt, dass ich Hoffnung bereits aufgegeben hatte.

Obwohl mein Flug erst Abends startete, fuhr ich zeitig los, denn in Bali weiß man nie was einen auf den Straßen erwartet. Entweder kommt man durch oder man hat einen unendlichen Stau. Ich brauchte mit dem Taxi für die 11km fast eine Stunde.

Ich flog wieder mit Garuda Airlines die ich beeindruckend gut finde, obwohl sie hier als ‚billig‘ verschrien sind. Ich sagte dem Taxifahrer der mir das weismachen wollte, er solle doch nach Europa kommen und dort mit so lustigen Fluggesellschaften wir Rayan Air oder Air Balitca oder gar Blue Air (bis heute die schlimmste mit der je geflogen bin) fliegen.

Ohne weiteren Zwischenfall nach Jakarta. Beeindruckend großer Flughafen. Von der Stadt habe ich ja logischerweise nichts gesehen. Weiter dann nach Melbourne. Es war eine sehr kurze Nacht die in punkto Dunkelheit

Letztendlich war ich doch die ganze Nacht wach, auch wenn ich ab und an einschlummerte. Ich kam in Melbourne an, sehr übermüdet, und dann passierte der reinste Albtraum und jetzt, da ich es schreibe und die Chose fast vorbei ist, kommt es mir vor, als wenn mich jemand mit Vorschlaghammer auf den Kopf geschlagen hätte und ich wäre über zwei Tage hinweg bewusstlos gewesen und hätte sehr schlecht geträumt.

Als ich auf den Skybus wartete der mich direkt zum Stadtviertel St. Kilda bringen sollte, fuhr ich im Kopf auf Sparflamme wegen der Müdigkeit und passte nur auf dass ich den richtigen Bus nahm.

Als ich dann im Bus saß und auf meinen Koffer starrte war mein Rucksack verschwunden und es war unmöglich den Bus anzuhalten und zurückzurennen, da wir bereits auf der Autobahn fuhren.

Ich fragte den Fahrer ob er nicht per Funk in der Abfahrtstation anfragen könnte ob sie keinen Rücksack gefunden hätten. Tat er. Nichts. Kein Rucksack. Ich fragte ihn ob ich sofort mit ihm zurück fahren könnte. Doch in St Kilda musste er die Uhrzeiten einhalten und mir dauerte das zu lange. Jede Sekunde fühlte sich wie eine Minute an. Mir wurde plötzlich bewusst dass ich zwar außer dem Koffer sonst alles verloren hatte. Meine ganzen Papiere, Brieftasche, Pass, Laptop und und und, aber nicht mein Iphone! Das hatte ich in die Hosentasche gesteckt weil sich dort das Busticket darauf befand.

Ich sprang aus dem Bus sammt Koffer und orderte ein Uber Taxi das binnen 30 Sekunden da war, bezahlte per Apple Pay und fuhr zurück zum Flughafen.
Im Lost and Found Büro wurde jedoch nichts abgegeben. Langsam schwammen alle Hoffnungen davon. Ich gab eine genaue Beschreibung an, schrieb eine Mail, und hinterließ meine Nummer, wenn der Rucksack auftauchen sollte.
Ich hatte noch eine Fahrt auf den Handy, die Rückfahrt die ich aber auch zum Hinfahren zu Hotel in St.Kilda gebrauchen konnte. Ich fuhr zurück zum Hotel und checkte im Hotel ein, was sich wieder als schwierig erweisen sollte, denn ich konnte mich nicht ausweisen. Das machte mich verdächtig. Doch ich konnte die 100 Dollar mit dem Handy zahlen, das inzwischen auf den letzten Prozent der Batterie nagte. Ich flitzte zum nächsten Convenience Shop und kaufte ein Charger und ein Stecker, bezahlte noch einmal mit Apple Pay und ging zurück ins Hotel .
Zwischenzeitlich hatte ich dem H. Bescheid gegeben. Er meinte ich sollte doch bei ihnen vorbeikommen und mich erst einmal beruhigen, wenn alle Stricke reißen, könnte ich die nächsten Tage immer noch zu ihm seiner Frau der M. kommen.

Ich besorgte mir eine neue Tramkarte und fuhr hinaus nach Fitzroy. Wieder mit Apple Pay bezahlt. Ich war in meinem Leben noch nie so froh ein Smartphone zu haben wie jetzt. Und alle die, die es immer verteufeln, mir hat es schlicht das Leben gerettet.

Es war ein schöner Abend an dem ich aus verständlichen Gründen zu viel Wein trank, was mich über die Nacht rettete, denn ich hätte eine weitere Nacht nicht geschlafen, vor lauter Sorge. Doch ich musste für den folgen Tag einen klaren Kopf haben und Punkt für Punkt alle Möglichkeiten durchgehen.
Das letzte was ich an dem Abend dachte war, wie oft mich mein Smartphone an dem Tag gerettet hatte.
Ich schlief traumlos tief und fest, war aber kurz nach 5 Uhr morgens schon wieder wach.

***

Den folgenden Morgen verbrachte ich am Telefon. Ich rief mehfach das Lost an Found Büro an. Nichts.
Ich meldete meinen Rucksack mit sämtlichem Inhalt bei der Polizei als vermisst, insbesondere meinen Pass.
Da Luxemburg keine Botschaft in Australien hat, sondern nur einen Honorarkonsul, der schlicht mal gar nichts für mich tun kann, war schon der erste große Dämpfer. Ich sollte mich bei der belgischen Botschaft melden die auch für Luxemburg zuständig sei.
Da mir aber sämtliche Papiere fehlten schickte ich eine Nachricht an meine Reiseagentur die alle meine Papiere hatte und die auch sofort alles per Mail schickte. Ich konnte somit alles in die Wege leiten. Auf der belgischen Botschaft sagte man mir, dass es mindestens vier Tage braucht um die Papiere für ein Emergency Pass anzufordern. Also musste ich den Heimflug verlegen.

Am Abend war ich H. eingeladen, der sowieso ein Barbeque für den Abend für Freunde und extra für mich organisiert hatte. Es war schön für ein paar Stunden das ganze Drama zu vergessen. Da meine australische Simkarte eine Blockade hat in Bezug auf Auslandsanrufe, konnte ich auch die ganze Zeit die Kreditkarte nicht blockieren. Ich tat das dann an dem Abend mit H.’s Handy. Ich fragte die Dame in Luxemburg sie sollte bitte die letzten Bewegungen der Karte kontrollieren, und ich zählte ihr alle Dinge auf die ich noch mit der Karte per Handy bezahlt hatte. Es war genau das und es sonst keine verdächtigen Bewegungen auf der Karte dabei.

Das ließ mich wieder hoffen dass der Rucksack doch am Flughafen sei. H. schlug vor mich am nächsten Morgen in aller Früh zum Flughafen zu fahren damit dort noch mal an Ort und Stelle fragen könnte.

***

Als wir am Flughafen waren schaute ich als erstes im ‚Lost and Found‘ vorbei, die mir aber nur sagen konnten, dass sie nichts für mich hätten, aber wenn mein Pass dabei gewesen wäre, hätten sie ihm beim Border Force abgegeben. Ich sollte dort nachfragen. Der H. wurde leicht blass um die Nase als er Border Force hörte, den mit denen ist nicht zu spaßen. Doch die Frau am Schalter war sehr nett. Es war auch die erste die mir die richtigen Fragen stellte, z.B. ob ein Tag oder ein Label an meinem Rucksack gewesen wäre, was ich bejahte. Ich hatte eines bekommen das ich an den Rucksack hängen musste damit ich es mit die Flugkabine nehmen konnte. Sie meinte, dass es dann auch bei den Gepäckstücken in einem anderen Büro sein könnte und sagte mir wo ich das finden könnte.
Ich trat dort ein fragte nach dem Rucksack….und da stand er!
Die ganze Anspannung fiel mit einem Schlag von mir ab und mir rannten die Tränen übers Gesicht, ich konnte es nicht verhindern.

Ich fuhr zurück zum Polizeibüro und die Vermisstenanzeige rückgängig zu machen. Dann schickte ich eine Mail zur Botschaft in der Hoffnung, dass die ganze Prozedur der Emergency Passport noch rückgängig zu machen ist. Aber das erfahre ich erst am Montag.

Zurückfliegen werde ich so oder so erst am Donnerstag.

11 Kommentare

  1. Annemie Schumacher-Brentener

    15. Februar 2020 at 16:30

    Hun mir geduecht dass irgend ëppes muss passeiert sin well neischt mei an dengen Blog komm as. Sin total frou fir dech dass alles gudd ausgaang as, mir as de Schwees ausgang beim Liesen . Totalen Alptraum op enger Rees!!!Woenschen Dir nach eng erhuelsam Rest-vakanz! Komm gudd heem!😌

  2. Oh mei, wat eng horribel Aventure! Gudd, dass Äere Bekannten H. de Viirschlag gemach huet, mures fréi op de Flughafen ze fueren an perséinlech! nozefroen; um Telefon gëtt ee jo nawell gäeren „schnell ofgefäerdegt“.

    Och wann et Nerven an Tréine kascht huet, et léiert een mat all Anekdot eppes dobäi.
    Merci, Et war eng spannend Lektür.

  3. Glück gehabt… Wer eine Reise tut, kann viel berichten. Ohne Papiere, Geld u Pass im fernen Ausland, da kann ich die Aufregung verstehen. Zum Glück waren Sie bei Freunden und das Smartphone war echt die Rettung. Es freut mich, daß nun alles ok ist und Sie noch etwas verlängern können. Aber sicher sind Sie dann auch froh, wenn Sie wieder daheim sind. Alles Gute für den Rückflug und Danke für die tollen Berichte und Fotos.

  4. Die Nerven, die das gekostet haben muss! Du hast dann zwar eine gute Geschichte zu erzählen, aber das ist es nicht wert. Schön, dass es noch einmal glimpflich ausgegangen ist. Alles Gute für die Rückreise.

  5. Lektion in Demut – sowas bekommt man mitunter. Und man merkt wieder, das Lernen hört nie auf.
    Nun wünsche ich noch schöne Resttage, eine gute, entspannte Heimreise und bedanke mich für die Möglichkeit, miterlebt haben zu dürfen.

  6. Ach du heilige Scheiße! Mann oh Mann, das tut mir echt leid – ich bin zwar über den guten Ausgang sehr froh, doch das sollte niemand durchmachen müssen.

  7. Claudine Muller

    15. Februar 2020 at 20:42

    1 x Blinddarm, 1 x Rucksack, die 3. Keier geet alles riicht, Joël. Ka mir virstellen wie die Deg vir dech waren. UFFF nach emol gut gangen

  8. Joël

    15. Februar 2020 at 22:31

    Vielen Dank für all eure lieben Worte.

  9. Ähnlich, aber vielleicht nicht ganz so schlimm. Wenn Ehemann sich den falschen Koffer greift und es erst im Hotel bemerkt. 5 Tage Silvesterreise nach Tromsö ohne eigenen Koffer. Der kam erst nach mühevollem hin und her und Streß am Flughafen mit Rückgabe des falschen Koffers, bei unser Abreise am Flughafen Tromsö an. Man sieht da wie wenig Garderobe man braucht, Zahnbürste und Rasierzeug war alles was wir besorgt haben. Gut das Frau bzw. Mann ähnliche Größe hatten, so konnte Frau mit manchem aushelfen.

    • Joël

      17. Februar 2020 at 3:21

      Das mit dem Koffer hatte ich auch auf dieser Reise. Blättern sie ein wenig zurück zu dem Alice Springs Tagen.

  10. Sabine Kerschbaumer

    17. Februar 2020 at 7:37

    Ach herrje. „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen…“ aber derartige Dinge, darauf kann man sicher verzichten. Ich kann die Verzweiflung absolut nachvollziehen. In einem fremden Land, ohne Papiere und Geld, das sind Dinge, die wirklich keiner braucht. Wie gut, dass es Smartphones gibt – wobei ich keine Bezahlfunktion freigeschaltet habe. Das wird sich jetzt ändern, denn so etwas kann ja auch durchaus im Europäischen Ausland passieren.

    Ich wünsche Dir noch ein paar erholsame Tage, in denen Du den Schreck überwinden kannst.

    Bine

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