Fressen, Kunst und Puderquaste

„Es geht nicht mehr.“

Der ganze Tag hatte eigentlich eine recht positive Note. Doch brachte mich eine Nachricht lange zum nachdenken und wie vergänglich Dinge manchmal sind, von denen man immer glaubt sie seien unumstößlich. Denn diese unumstößlichen Dinge sind es doch die uns den Halt geben, weil sie einfach immer da sind, selbst wenn man sie nicht mehr richtig wahrnimmt.

Ich fing den den Samstag wie gewöhnlich mit dem Wochenmarkt an. Mir fiel schon vor dem St.Jean Urlaub auf dass sie Samstags öfters dort war als davor. Sonst kam sie eher selten. Ich dachte nicht weiter darüber nach weil ich es als eine kleine Änderung in ihrem Leben wahrnahm, die mich einerseits freute, weil ich sie sonst nicht oft zu sehen bekomme. Vor Jahren waren wir uns freundschaftlich viel näher. Sie erwies mir einmal einen Dienst in meinem Leben, den sie nicht hätte tun müssen, es jedoch ohne mit der Wimper zu zucken tat, und das rechne ich ihr heute noch hoch an. Sie war da in einem der schlimmsten Momente in meinem Leben. Sie ist ob ihrer Gestalt, die schlank und fast zierlich ist, eine der tough‘esten Frauen die ich kenne.

Sie erzählte mir in einem Moment als wir beide allein waren, dass es zwischen ihr und ihm aus sei. Es ginge einfach nicht mehr. Beide waren in ihrem Leben sehr miteinander verankert. Ich empfand sie immer als ein ideales Paar. Beide ließen sich gegenseitig Luft zum atmen. Ich empfand beide immer als eigenständige Personen die nicht, wie viele andere Paare konsequent ein ‚Wir‘ ausleben, sondern ein ‚Du & Ich‘. So lange ich sie kenne ist sie mit ihm zusammen. Ich rechne sie aus mehreren Gründen zu meinen besten Freuden, auch wenn wir uns in letzter Zeit etwas weniger sahen. Ihn kannte ich weniger. Er ist in vielen Dingen sehr anders als sie, doch gerade deswegen klappte es zwischen den beiden so gut. Es war keine Gleichschaltung sondern eine Ergänzung.

Die Gründe wieso, weshalb, warum hat sie mir nicht erzählt. Ich denke dass ich sie nicht wissen will, weil es mich zum einseitigen Mitwisser macht und das will ich nicht. Sie hat mir aber erzählt wie sie nun weitermachen wollen. Es wird keine Lösung auf Dauer sein, das weiß sie, das weiß ich.

Was macht man in einer solchen Situation, als Außenstehender? Ich denke das Beste ist, zu sagen dass ich da bin wenn sie mich braucht. Denn die schlimmste Zeit wird erst kommen…

Ich kaufte ein paar Dinge für den Haushalt und ging durch den Park nach hause. Ich dachte an sie und hatte die Gedanken die eingangs schon beschrieben hatte.

Am Abend fuhr ich noch einmal zurück ins Theater und absolvierte die Maske für den zweiten Erinnerungsabend von Jay, da es so viel Nachfrage gab, dass ein zweiter Abend hinzugefügt wurde. Da ich nicht bis zum Schluss bleiben musste, obwohl man mir einen freien Platz hätte geben können um mir den Abend noch einmal anzusehen, fuhr ich zurück.

Ich dachte wieder an sie und es machte mich traurig. Ich weiß was es bedeutet, alleine zu sein. Den Großteil der Zeit komme ich damit klar, doch manchmal wünsche ich mir schon jemanden, aber das ist eine anderes viel kompliziertes Thema…

Ich fuhr ins Bovary. Einfach in ein Restaurant zu gehen ohne Voranmeldung ist in diesen Zeiten ja ein Ding der Unmöglichkeit, doch ich versuchte mein Glück. Und ich hatte Glück.

Ich hatte das gesamte Lokal für mich allein, während die Terrasse brechend voll war.

Oricchette mit Zucchini und Salsicchia. Schmeckte vorzüglich. Dazu ein Glas Riesling. Anschließend bekam ich einen freigewordenen Platz draußen und genoss ein wenig die Livemusik. Sie hatten, wie fast jeden Samstag Abend, den brasilianischen Musiker mit seiner Gitarre da. Ich schrieb derweil den Großteil dieses Postings vor.

Dann erzählte mir die Bedienung dass die alte Köchin F. wieder da wäre und zur Zeit den Koch, der in Urlaub ist, ersetzen würde. Aha!, dachte ich. Darum schmeckte die Pasta heute so lecker. Ich schaute kurz in die Küche rein. Großes Hallo! Sie versprach mir für Montag mein Lieblingsrezept von ihr zu kochen. Saltimbocca a la Romana.

Gegen 23:00 fuhr ich nach hause.

***

Zur Fortsetzung des Programms schalten wir um zu Chocolate Cacao. In der heutigen Folge gibt es kleine Schokoladen Igel Eclair.

1 Kommentar

  1. Regina

    Da zu sein für jemanden, das ist das wohl das Beste, was man tun kann.
    Vergänglichkeit tut furchtbar weh, und trotzdem geht alles andere einfach weiter als wäre nichts geschehen.
    Seit bald einem Jahr ist für mich alles anders, der Krebs hat entschieden, nicht wir, nicht er, nicht ich.
    Ich konnte für ihn da sein, bis zum letzten Augenblick. Nun sind liebe Freunde für mich da, mehr liebe Freunde als ich wusste.
    Trotzdem möchte ich manchmal rausschreien

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