Fressen, Kunst und Puderquaste

Lange Nachdenken & keine Sommerfrische

Der Montag wurde von einem nicht blogbaren Ereignis überschattet. Doch so wie ich das jetzt, in diesem Moment empfinde, wird sich dieses Ereignis sich nicht wiederholen und somit ist es auch nicht im Detail erwähnenswert.

Von einer anderen Begebenheit kann ich jedoch berichten. Ich lernte einen jungen Mann kennen, der sich mit einem sehr typischen luxemburger Namen vorstellte. Im Verlauf der Unterhaltung gestand er mir, dass er von seinem Vater her arabischer Abstammung ist, jedoch vor ein paar Jahren seinen arabischen Vornamen in einen französischen Vornamen umändern ließ und den luxemburger Familienname seiner Mutter annahm.

Er hätte früher nur Probleme gehabt mit seinem Vornamen, wäre gehänselt worden und in seiner Jugend dadurch sehr aggressiv gewesen. Er wäre nie ernst genommen worden. Und immer wenn er sich irgendwo mit seinem Namen vorstellte für eine Arbeitsstelle konnte er sicher sein dass sie ihn ablehnten. Als er dann den anderen Namen und Vornamen annahm, hörte das alles auf.

Ich war sehr betroffen und bedrückt als ich das hörte. Was sagt das über unsere ach so ‚offene‘ luxemburger Gesellschaft aus? Ich dachte noch lange darüber nach, auch über mein eigenes Tun und Handeln.

***

Am Dienstag war ich recht früh wach und werkelte ein wenig zuhause herum bis es Zeit war zum Theater zu fahren.

Hier werde ich nun nicht weiter erwähnen wo ich war und an was ich arbeite. Nur so viel. Es liegt sehr viel im Argen und es wird alles andere als ein Ausflug in die Sommerfrische.

Als ich die Probe verließ wollte ich nicht sofort nachhause, ich wollte ‚Comfort Food‘. Ich ging zu dem kleinen chinesischen Restaurant meines Vertrauens, dem Chinese King. Ich erwähne es nicht immer wenn ich hingehe oder mit etwas von dort mit nach hause nehme. In der ‚Lindenstraße‘ ist es der Grieche, bei mir ist es der Chinese.

Ich hatte die 308. eine Spezialität des Chefs, die ich noch nie probiert hatte und sehr lecker ist.

Zum Nachtisch hatte ich gebackene Bananen.

Das Restaurant war spärlich besucht, was mir recht war, denn allein schon ob der ‚Situation‘ die über unser allen Köpfen schwebt, wollte ich auch keine Menschen sehen.

Ungewöhnlich früh zu Bett.

5 Kommentare

  1. renée

    zuerst wollte ich nichts zu deinem eintrag sagen, aber nun denke ich, warum nicht. ich denke tatsächlich, dass europa an sich doch sehr offen gegenüber ausländern und andersdenkende ist und wenn dieser mann gehänselt wurde, war es nur, weil er anders war. ich selbst wurde auch angegriffen, wegen meiner aussergewöhnlichen haare damals. das ist so bei kindern, leider, wohl ein problem der erziehung.
    und es gibt auch den umgekehrten weg, man muss es einmal aussprechen dürfen. ich kaufte in deutschland bei einem türken einen gebrauchtwagen und wurde in jeder hinsicht betrogen und belogen.
    als ich in grevenmacher lebte, gab es eine afrikanische frau, die nie grüsste und mich immer argwöhnich ansah. als ich dann dreadlocks hatte, erhellte sich ihr gesicht und sie war nett wie nie zuvor. das ist doch auch eine art rassissmus, oder?!
    und zu einem türken werde ich nie wieder hingehen und ein auto kaufen, nicht, weil ich türken nicht mag ( im gegenteil, oft hat man mir einen türkischen tee gratis eingeschenkt und ich hatte auch schon schöne gespräche mit türkischen menschen ), aber weil ich glaube, dass diese “geschäfts”- leute eine ganz andere kulturelle und gesellschaftliche einstellung haben. der typ wollte nur geld machen und so wenig wie möglich investieren.
    ich hätte noch einige solcher beispiele zu nennen. ich nehme die menschen so, wie sie sich im leben geben und ob luxemburger/deutscher oder türke oder afrikaner, ich habe keine angst, meine ehrliche meinung über sie zu äussern…!

  2. Kaltmamsell

    Ich erkenne ein Muster, @renée: Beim Geschäft mit einem Türken führen Sie sein Benehmen darauf zurück, dass er Türke ist (und nicht etwa ein unverschämter, gemeiner Mensch), bei der afrikanischen Frau darauf, dass sie Afrikanerin ist (was noch dazu kein Herkunftsland ist, auch keine Herkunftskultur, sondern ein riesiger, sehr diverser Herkunftskontinent).
    Ist Ihnen das bewusst? Der Mann, von dem Joël schreibt, kann recht gut belegen, dass er wegen seiner erkennbaren Herkunft diskriminiert wurde, in Ihrem Fall sehe ich statt dessen Zuschreibungen.
    Mir fällt auch auf, wie wichtig es Ihnen ist zu erwähnen, Sie hätten “keine angst, meine ehrliche meinung” zu äußern – die habe ich auch nicht, habe das aber noch nie im Leben in einen Kommentar geschrieben.

    • renée

      frau kaltmamsell, es waren nur beispiele und erfahrungen, die ich gemacht habe. es wird wohl so rüberkommen, dass ich rassistisch bin oder dergleichen, aber dem ist nicht so und vielleicht habe ich mich nicht gut ausgedrückt. und weder in luxemburg noch in deutschland sagt man kaum etwas, wenn es sich um ein unrecht handelt, das ein flüchtling oder ein ausländer ( ich bin auch ausländerin in deutschland ) begangen hat, weil man angst hat, als rassistisch abgestempelt zu werden, was mir in etwa auch mit ihnen eben passiert. und daher die aussage! die deutschen sind halt ganz genau und streng im grossen und ganzen in ihrem geschäftswesen und vor allem nehmen sie mich auch als frau ernst. und deshalb würde ich nicht gerne die erfahrung, die ich gemacht habe, nocheinmal machen… und was den mann betrifft, der mit joël gesprochen hat, da kann ich ihnen nur sagen, sie hören nur die eine seite. bei uns arbeiten zahlreiche leute türkischer, portugisiescher und italienischer abstammung und sind nie wegen ihrer herkunft abgewiesen worden!

      • renée

        und was die schwarze frau angeht ( ach, ist es nicht egal, ob man afrikaner sagt oder schwarze, mein gott…! zu mir darf man auch europäer sagen ), das war nicht ein einzelfall. ich wurde von vielen schwarzen leuten angesprochen und bedrängt, nur wegen der dreadlocks, ich nannte die frau, weil ihr verhalten so extrem war…. d.h. ich bitte sie! nicht, dass ich etwas gegen schwarze menschen hätte, sondern wollte ich nur ausdrücken, dass rassismus nicht einseitig ist.

  3. Kaltmamsell

    Sie haben eine andere Definition von Rassismus, renée, als ich und die Lehrmeinung: Bei Unrecht gegenüber einer dominanten Bevölkerungsgruppe, die in der Machtposition sitzt, kann man nicht von Rassismus sprechen (durchaus aber von Unrecht).
    Und ich hatte lediglich darauf hingewiesen, dass Sie Ihre beiden Erzählungen auf die Herkunft Ihres Gegenübers reduziert hatten.

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