Fressen, Kunst und Puderquaste

Les Temps Difficiles*

Und wieder sitze ich vor einer weißen Makse (NEIN! nicht Stoffmaske sondern Textmaske!!!) die mich kirre macht, weil ich nicht weiß mit was ich sie füllen soll.
Ich schrieb am Montag Nachmittag folgendes ins Blog der Kaltmamsell.

Oh ja.
Ich kann nur bestätigen dass es eine schwierige Zeit für Tagebuchblogger ist. Es passiert nichts, Die sozialen Kontakte sind minimal. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen; in Restaurants speisen, geht schon seit langem nicht mehr. Mir fehlt das fröhliche Beisammensein mit Freunden und Bekannten in einem Restaurant oder einer Bar. Selbst wenn wir uns ab und an draußen treffen, es ist nicht das gleiche, weil wir immer das gleiche Thema der Pandemie durchkauen, was ich als Gesprächsthema so unendlich satt habe.

Eigenzitat

Und diesem Sinne streichen wir den Sonntag, der nichts hergab außer Trübsinn, den ich mir aber selbst einhandelt hatte.
Ich hatte am Morgen alles in aller Ruhe weggebloggt, als ich mich frohen Mutes noch einmal an einen Text setzte, der mich zugegeben einiges an Kraft kostet, weil er halt sehr persönlich ist, aber ich war überzeugt dass ich mindestens eine oder zwei Stunden daran arbeiten könnte. Denkste!
Als so fing ich an in der Wohnung herumzuwurschteln und räumte die Weihnachtskarten weg, die am alle Küchenschrank hingen. In der Kiste in der ich sie sammele fiel mir dann eine Karte in die Hand, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte und ich schaute hinein wer sie geschrieben hat. Es war meine Mutter. Sie hatte mir finanziell ein wenig unter die Arme gegriffen weil ich einen neuen mobilen Schminkspiegel haben wollte, dieser eine aber horrend teuer war. Die Schrift war klein, gekritzelt und schlecht leserlich. Es war die letzte Karte die ich von ihr bekam, danach konnte sie wegen der Krankheit nicht mehr schrieben. Das versetzte mir einen solchen Stich, dass ich für den Rest des Tages nicht mehr zu gebrauchen war. Versteht mich nicht falsch, ich bin kein zart besaitetes Etwas. Und wenn ich irgendeine Aufgabe, Termin oder Arbeit gehabt hätte, hätte ich mich gut ablenken können.
Ich kochte mir Abend ein feudales Boeuf Bourgignon mit einem feudalen Gratin Dauphinois, kippte eine feudale Flasche Wein hinterher, legte mich ins Bett und schnarchte.

***

Der Montag fing mit strahlendem Sonnenschein an. Ich bekam einen Anruf der meine ganze Planung der Woche ein wenig über den Haufen schmiss. Aber eine Mail später löste sich alles in Wohlgefallen auf. Uff.

Am Nachmittag einige Besorgungen unter anderem in verschiedenen Geschäften in der Innenstadt, denn hier ist ja seit heute wieder der Einzelhandel geöffnet. Die Sonne schien und es waren erfreulicherweise sehr wenige Menschen unterwegs.
Am Abend schaute ich mir eine Arte Reportage über den Mont St.Michel an, den ich auch irgendwann mal besichtigen möchte.

***

Bei uns werden grundsätzlich keine Päckchen irgendwo an der Haustür abgestellt, wenn man nicht zuhause ist. Der Paketdienst nimmt sie wieder mit. Das ist nicht überall so und in Pandemie Zeiten wo noch mehr Pakete zugestellt werden als üblich gibt es einen Trend die Päckchen einfach an fremden Haustüren zu klauen. Marc Rober beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Problem und hat eine Falle gebaut. Die Glitterbombe. Gute Unterhaltung.

* Harte Zeiten. So hieß u.a. die Tageszeitung aus dem Film Delikatessen. (das wahrscheinlich aber von der Novelle von Charles Dickes Hard Times abgeleitet war)

3 Kommentare

  1. Trulla

    Der genannte französische Film Delikatessen erinnert mich an die Groteske „Dänische Delikatessen“, in dem Superstar Mads Mikkelsen sich in grandioser Weise hässlich und trottelig zeigt. Ein Vergnügen, wenn man (wie ich) diese Art skandinavischen Humors mag.
    Wir müssen uns alle sehr abmühen, mit dem Corona Blues, der mal mehr, mal weniger stark zu schaffen macht, umzugehen und da ist, glaube ich, fast alles erlaubt, die Stimmung aufzuhellen. Nur nicht unterkriegen lassen!

    Auch wenn nicht viel passiert, sind die Blogeinträge ein ermutigendes Lebenszeichen. Als Leserin fühle ich mich virtuell „meinen Bloggern“, wenn auch einseitig, menschlich verbunden. Und das finde ich derzeit wichtiger denn je.

  2. Croco

    Diese plötzlichen Erinnerungen können einen völlig aus der Bahn werden. Ich kenne das auch. Am Sonntag habe ich die Dankeskarte für die Beileidsbekundungen entworfen und bestellt. Seither kann icn wieder kaum schlafen.
    Ja, es manchmal mühsam, jeden Tag was zu bloggen. Und doch verhindert es, dass ein Tag ist wie der andere. Ich übe mich im genau Hinschauen. Das werde ich aus dieser Zeit mitnehmen.
    Das Video ist so lustig! Was für ein Aufwand. Wenn man aber genau hin sieht, landet die Kiste immer bei armen Leuten.

    • Joël

      Oh ja, das mit den Dankeskarten war auch bei mir schlimm.

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