Weiher & Gedanken

Der Morgen fing erfreulicherweise ohne Kopfschmerzen an. Ich war wieder am See, beziehungsweise am Baggerweiher, suchte mir aber dieses Mal eine andere Stelle um hinein zu steigen. Ich umwanderte ihn dieses Mal komplett, um zu sehen, ob man auch noch in anderen Ecken ins Wasser gehen kann. Ich hätte das noch nie getan. Aber die Ecke, wo ich mich da niederließ, war sehr geräuschvoll. Dort schepperte der kleine Kahn durchs Wasser und holte die Algen heraus, und diese Maschine macht einen Höllenkrach. Nach einer Weile ging ich zurück an die gewohnte Stelle und schwamm eine große Runde. Es war heute sehr Menschenleer zu meiner Freude.

Ich nahm noch einmal den Mittagstisch im Chalet mit. Ein Bauernsalat mit pochiertem Ei und viel drumherum.

Danach fuhr ich nach Hause und bediente ein paarmal die Waschmaschine, damit morgen allerhand trocken ist für Meisterin Proper. Zudem kommt sie sehr früh.

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Ich las heute in mehreren Blogs, denen ich regelmäßig folge, die Feststellung, dass wir die erste Hälfte des Jahres hinter uns haben. Die einen wundern sich darüber, wie schnell das ging, die andern schreiben sie hätten es „geschafft“. Letzteres ist ein seltsames Konzept für mich. Klar, es hängt davon ab, in welchen Lebensumständen man gerade steckt, aber es kommt mir so vor, als ob man die Zeit abarbeitet, und das ist etwas, was ich nicht nachvollziehen kann. Man arbeitet seine Zeit doch nicht ab, was bleibt einem dann noch? Es hört sich an, als ob die Zeit eine Pflicht, eine To Do Liste oder eine Last wäre. Doch was, wenn das eigentliche Ziel das Hier und Jetzt ist? Der Satz ignoriert den Moment und reduziert die Zeit auf ein Mittel zum Zweck. Wofür? Was ist in der zweiten Jahreshälfte? Was muss man da abarbeiten?

Versteht mich nicht falsch, ich habe Projekte, die ich abzuarbeiten habe, die manchmal schwierig, manchmal leicht von der Hand gehen. Manchmal kommen sie mir elend lang vor, manchmal gehen sie zu schnell vorbei. Doch ich sage nie, dass ich die Zeit abarbeite oder geschafft habe. Ich habe das Projekt geschafft. Wenn ich das mit der Zeit täte, käme ich mir fremdbestimmt vor. Es gibt einen Satz im Stoizismus: „Konzentriere dich auf das, was du kontrollieren kannst – den gegenwärtigen Moment.“ Ja klar, bei mir klappt das auch nicht immer, vor allem dann, wenn ich gerade mich mit schwerwiegenden oder komplizierten Dingen beschäftigen muss. Den gegenwärtigen Moment als solches zu empfinden ist gar nicht so einfach. Aber jetzt zum Beispiel, der Moment in dem ich das hier schreibe, ist so ein Moment, den ich sehr bewusst erlebe.

Wenn ihr Lust habt zu philosophieren, schreibt doch mal, wie ihr darüber denkt.

4 Kommentare zu „Weiher & Gedanken

  1. Ich teile Deine Befremdung. Wenn ich froh bin, dass die erste Jahreshälfte geschafft ist, freue ich mich dann auch, wenn das Jahr vorbei ist? Das klingt ja schon fast so, als würde man auf die eigene Grablegung hinarbeiten.

    Oder sind die Menschen so erleichtert, dass sie „bis hier hin“ überlebt haben?
    So wie ein Soldat im Krieg um jeden Tag ist, den er noch miterleben darf?

  2. Ich kann’s verstehen, dass es Zeiten gibt, bei denen man froh ist, wenn sie vorbei sind. Irgendwann, mit Abstand, blickt man hoffentlich zurück und weiß es zu schätzen, was man gelernt hat und dass man es überlebt hat. Das aber als „die Zeit ist eine To-Do Liste“ anzusehen finde ich etwas reduktiv und ich weiß ja nicht, welche Leid Leute gerade erleben. Manchmal ist das Leben halt so beschissen, dass man tatsächlich die Zeit gerne überspringen würde.

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