Fasten – Tag 2 – Entlastungstag

Sitze an meinem pikfeinen Schreibtisch. Es regnet. Seit gestern Abend nachdem ich hier vor der abseits gelegnen Villa noch ein wenig im Garten gelesen habe, regnet es ununterbrochen. Der Entlastungstag ist der Tag der eigentlichen Aufnahme und der Therapieplanung. Ich bin gespannt und habe zugleich Bammel.

Mein Frühstück bestand aus aus Obst. Um 10:00 habe ich eine Hausführung durch alle Gebäude, damit ich mich später zurecht finde, dem seltsamerweise ist hier alles nur sehr spärlich beschildert.

Den Rest erzähle ich später.

Fasten – Tag 1 – Ankommen

Nachdem ich heute morgen noch schnell mit links ein Fotoshooting absolvierte, fuhr ich los. 400 km.

Die Strecke fuhr sich prächtig, vor allem das Teilstück durch Frankreich über Maut Autobahnen. Viel habe ich noch nicht von Überlingen gesehen weil ich ziemlich müde war und einfach nur auf mein Zimmer wollte. Die Klinik ist eine relativ großer Komplex bestehend aus mehreren Gebäuden. Ich habe ein Zimmer in einer älteren Villa etwas abseits von allem was mich aber nicht stört, im Gegenteil.
Jetzt verstehe ich auch warum die ganze Kur so teuer ist. Es ist hier alles so ziemlich vom Feinsten. Ich bekam das Gepäck auf’s Zimmer gebracht, die Möbel im Zimmer sind alle sehr edel. Man wird sehr zuvorkommend und hochherrschaftlich behandelt.

Heute wurde noch nicht gefastet, es gab ein leichtes Abendessen, bestehend aus einem Spinatsalat der ziemlich lecker war und einer Art Kartoffel Lasagne die mir nicht besonders schmeckte.

Eine Sache ist besonders blendend. Das WLAN ist super.
Ich kann meine Radiosender hören ohne irgendwelche Störungen.

Fasten

Im November oder Dezember letzten Jahres sah ich eine Reportage über das Fasten. Nicht das Fasten im religiösen Sinne, sondern das Fasten als Heilmethode.
Wer die letzte Zeit hier mitgelesen hat wird mitbekommen haben, dass meine Familie binnen kurzer Zeit um zwei Mitglieder geschrumpft ist. Daher auch die langen Aussetzer zwischen den Postings weil ich einfach nicht in der Lage war über irgendwas zu schreiben und sei es nur das Wetter. Mein Leben ist schon schwierig genug allein von Berufswegen, doch wenn das familiäre Umfeld, auf das man sich immer verlassen konnte, plötzlich weg ist, wird es richtig schwer. Ganz zu schweigen von der Trauer, der Enttäuschung, der Wut bisweilen und innerlichen unendlichen Einsamkeit.
Versteht mich nicht falsch, ich habe einen recht großen Freundeskreis der mich unterstützt so gut wie es geht und sie sind mir die Liebsten die ich zur Zeit habe, doch können sie nicht das ersetzen was ich verloren habe.

Ich habe somit beschlossen mich einer 21 -tägigen Fastenkur zu unterziehen in einer Klinik in Überlingen am Bodensee.

Am Montag geht es los und hoffe dass ich einerseits zur Ruhe komme, wieder zu mir finde und andererseits versuchen werde, wieder jeden Tag zu schreiben, so wie ganz am Anfang als mit Bloggen anfing, vor über 10 Jahren im Januar 2004.

R.I.P.

Ihren letzten Geburtstag hatte ich organisiert, mit allen Freunden und Bekannten und sie war richtig glücklich darüber.
„… und dann wird richtig gefeiert!“, sagte sie noch vor kurzem zu einer Bekannten, die sie nach ihrem 100. Geburtstag nächstes Jahr fragte.
Doch ihr kleiner gebrechlicher Körper entschied anders…

Äddi Bomi.

Zum Vatertag, zum Männertag.

Vor sehr sehr langer Zeit bestellte ich mal für einen runden Geburtstag, eine Champagnerflasche dort mit Gravur. Als das Teil an dann ankam war ich sehr enttäuscht, weil das Ding potthässlich aussah. Der Beschenkte freute sich oder ließ es sich nicht anmerken was für ein Mist ich gekauft hatte. Nun ja.
Der gleiche Geschenkshop schickt mir IMMER noch Newslatters so wie jetzt zum baldigen deutschen Vatertag. Im Luxemburg wir er später im Jahr gefeiert. Wenn ich sehe was die als Geschenkvorschläge machen, die halten Männer und Väter für wurstfressende grölende Saufköppe.
Aber seht selbst.

Schnaps-Wurst Kräuterlikör – 20 ml

Bierflasche im Bierglas – 400 ml
Nostalgisches Barschild aus Blech mit Vorname
Aufblasbare Bierkühler als Bierkrug
Feierabendhammer – Bieröffner mit Gravur
Schnapsglas Stiefel Transparent – 40 ml
Flaschenöffner mit bedrucktem Holzgriff *Männertag*
Auchentoshan Whisky Geschenkset mit 2 Gläsern und 3 Whiskys

Die einzigen beiden Geschenke für den Papi die nicht zum Saufen waren, waren für die Wurst:
Schneidebrett aus Glas Tablet Pad 40 x 30 cm
3-teiliges Grillset mit gravierten Koffer

Und das war alles was die in der Newsletter für Väter und Männer anzubieten hatten. Wurstfressen und Biertrinken.
Wenn wir in den Achtzigern wären und ich hieße Al Bundy, wäre ein Geschenk schöner als das andere…

Ich glaube, nein ich glaube nicht nur, ich bin fest überzeugt davon dass ich die Newsletter des Geschenkeshops  abbestellen werde.

Nachruf auf eine Freundin 2

Das Wochenende verbrachte ich mit Freunden vor dem Fernseher mit ESC gucken. Mein Lieblingslied, das nicht gewonnen hat sondern auf Platz zwei landete, war die Niederlande mit The Common Linetts und Calm after the Storm.
Ein Lied dessen Text mich umhaute, weil er genau auf diese zwiespältige Situation passt in der ich ich befinde.
Sie war eine gute Freundin und tolle Arbeitskollegin über lange Jahre bis sie dem Alkohol ganz verfiel.
Es zerstörte alles.

Driving in a fast lane
Counting boundary marker signs

The empty seat beside me
Keeps you on my mind

Living in a heartache
There is something I pursue

I can keep on chasing
What I can be for you

Oooo skies are black and blue
Thinking about you
Here in the calm after the storm

Tears on a highway
Water in my eyes
This rain ain’t gonna change us
So I used to cry

I can say I’m sorry
But I don’t wanna lie
I just wanna know if staying
Is better than goodbye

Oooo skies are black and blue
Thinking about you
Here in the calm after the story

Oooo after all that we’ve been through
There ain’t nothin’ new
Here in the calm after the storm

Baby I can find you
Down this broken line
Maybe you can find me
I guess we’ll know in time

Oooo skies are black and blue
Thinking about you
Here in the calm after the storm

There ain’t nothing new
Here in the calm after the storm

Nachruf auf eine Freundin

Gestern Morgen erreichte mich die Nachricht dass sie gestorben ist.

Ich hatte hier mal in einer Jahresbilanz erwähnt dass ich Leute aus meinem Leben entfernt habe.  Sie war diejenige die ich definitiv nicht mehr sehen wollte, mit der ich keinen Kontakt mehr haben wollte, die mir die Seele fraß.

Ich lernte sie 1995 kennen im ersten Kulturjahr von Luxemburg. Ich fand damals eine kleine Notiz in der Zeitung in der sie im Kasemattentheater Schauspielkurse anbot, für jedes Alter. Ich war zur der Zeit sehr unglücklich, hatte mich beruflich verrannt und war auf der Suche nach mir selbst. Die Schauspielkurse waren für mich wie eine Offenbarung. Mir wurde klar wo ich in meinem Leben falsch abgebogen war. Schnell wurde mir aber auch klar dass ich, wenn ich in jungen Jahren mit Schauspiel begonnen hätte, denn Beruf hätte ergreifen können, es jedoch jetzt zu spät war. Doch das Theater sollte meine Zukunft werden.

Sie wurde eine meiner besten Freundinnen. Sie führte mich in die Profi Theaterwelt ein und ich wusste meine Chance zu nutzen. Es war eine schöne Zeit. Ich wurde als Inspizient eingesetzt, fuhr während der Vorstellungen das Beleuchtungsprogramm und war, wenn nötig, als als Friseur tätig.

Sie war meine Eintrittskarte in die Welt in der ich immer sein wollte.

Mit den Jahren trennten und kreuzten sich unsere Wege in diversen Projekten und Theatern. Sie war eine die beste deutschsprachige Schauspielerinnen die Luxemburg aufzuweisen hatte.

Vor ein paar Jahren wurde sie geschieden. Die Ehe sei zerrüttet und man munkelte dass sie an der Flasche hing. Sie rappelte sich auf und ergriff wieder ihren ersten erlernten Beruf als Lehrerin, den sie zwar gelernt aber nie richtig ausgeübt hatte. 2008 stand sie zum letzten mal auf der Bühne. Doch sie beklagte sich dass es ihr zu viel sei. Schauspielerei und Unterricht an der Schule könnte sie nicht miteinander vereinbaren.

Unsere Freundschaft fing an auf wackeligen Beinen zu stehen und ihre Alkoholsucht machte ihr immer mehr zu schaffen. Ich habe sie damals nie richtig darauf angesprochen weil sie es gut zu verbergen wusste und sie jeglichen Vorwurf dieser Art energisch von sich wies. Doch mit den Jahren, wurde sie immer unzuverlässiger. Wenn sie mich anrief lallte sie oft etwas zusammen am Hörer was unverständlich war. Es war fast wie Telefonterror, denn sie rief zu den unmöglichsten Uhrzeiten an.

Irgendwann letztes Jahr, als auch über meine Familie dunkle Wolken zogen und mir klar wurde dass meine Mutter bald nicht mehr sein würde, schrieb ich ihr einen Brief in dem ich ihr die Freundschaft offiziell kündigte. Ich dachte dass es ihr ein Schock versetzen würde und sie endlich eine Entziehungskur machen würde.

Sie rief mich ein paar Tage später an und sagte mir nur dass sie meinen Brief „verstanden“ hätte. Doch es änderte sich nichts. Sie rief nach wie vor zu unmöglichen Zeiten an und lallte mir auf den Anrufbeantworter da ich nicht mehr abhob. Ab und an hob ich doch ab und sie erzählte mir dass sie nun in ambulanter Behandlung sei, was ich ihr nur halbherzig glaubte.

Gestern rief eine Bekannte an und sagte mir dass sie gestorben sei. Man hätte sie leblos in ihrer Wohnung gefunden. Sie wäre unglücklich gestürzt.

Hin und her gerissen zwischen Trauer, Wut und Enttäuschung, sitze ich nun hier und gedenke der Frau die mir so sehr geholfen hat und für die ich nichts tun konnte.

Tschüss C.
Ich hoffe dort wo du bist hast du es besser und bist von deinen Dämonen befreit.

Romananfänge

Oh, ja. Davon habe ich so einige. Gezählt habe ich sie nie, und manche davon sind im Nirvana zusammen mit allen PC und Laptops die ich schon in meinem Leben besaß, verschwunden.

Manchmal findet sich einer wieder auf irgendeiner uralten Backup CD. Einer der es geschafft jede Neuerung der Speichermedien zu überleben. So fiel mir eben einer auf der mir so fremd vorkam als hätte ich ihn nie selbst geschrieben. Es war der Anfang eines Krimis.

Heute nach unzähligen Jahren des Bloggens und anderer Schreibtätigkeiten, kann ich Romananfänge mal kurz eben aus den Ärmel schütteln, ohne lange zu überlegen.

Wie man das macht, fragt ihr?

Ganz einfach: hier ist einer.

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Edna stieg aus dem Auto. Sie betrachtete das kleine Wochenendhaus auf der anderen Straßenseite. Sie holte tief Luft und ließ noch einmal ihren ganzen Plan Revue passieren. Sie musste jetzt einen klaren Kopf behalten und ja nichts vergessen. Es würde alles sehr schnell gehen. In weniger als zwei Minuten würde sie wieder ins Auto steigen und wegfahren. Doch dann kamen ihr wieder, wie so oft in den letzten beiden Tagen, die Zweifel in die Quere. War es wirklich das Richtige? Ja, es war das einzig Richitge. Alternativen gab es keine.
Sie ging zu Haustür und klopfte. Es dauerte eine Weile bis sie ein Geräusch von innen hörte. Edna klopfte noch einmal, diesmal eine Idee heftiger. Sie merkte wie ihre Handflächen feucht wurden. Jetzt keinen Fehler machen, dachte sie.
Die Tür ging auf. Edna fasste in ihre Jackentasche und zog den Revolver hervor…
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Geschmacklose Schaufenster

In der lockeren Reihe die ich bereits zu Weihnachten angefangen habe, zeige ich Schaufenster die an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten sind.
Heute: Ein Herrenschneider.
Was man auf dem Bild nicht sieht, die Anzüge in grau und kakifarben sind nicht aufgbügelt und haben den Flair von Sträflingskleidung. Ein Freundin von mir ging soweit zu behaupten es sei KZ Kleidung.
Der Knaller ist aber der meiner Meinung nach echte ausgestopfte Leopardenkopf.
Merke: Taxidermie Kunst im Schaufenster ist nicht umsatzfördernd.

Brücken

Wenn Ich die letzte Zeit wenig hier schreibe, dann hat das damit zu tun, dass ich anderweitig zur Zeit mehr schreibe.
Was das genau ist kann ich erst sagen wenn es fertig ist.

Ich wanderte gestern zum ersten Mal in diesem Jahr durch das Petrustal.

Ich ging diesmal einen anderen weg hinunter und entdeckte das hier. Gemeinschaftsgärten. Eine sehr schöne Idee. Das Schild steht schon mal da. Jetzt müssen Taten folgen.

Es haben sich ein paar Dinge verändert. Die zweite blaue Brücke steht inzwischen fertig und ist kurz davor den Pont Adolph abzulösen, die dann während zwei Jahren eine Rundumrenovierung erhält.

Als ich näher an die blaue Brücke kam kribbelte es mir in den Fingern die Leiter im Mast hochzusteigen. Aber vom Kribbeln bis in die Tat umsetzen ist ein weiter Weg, abgesehen davon dass es streng verboten ist.

Ich finde immer wieder neue kleine lauschige Plätzchen so wie diesen hier.

Eine weitere Neuerung ist dieses Outdoorfitness Gehege, das mit allen Foltermaschinen bestückt ist die man auch im Fitnesscenter findet. Mit dem Unterschied, dass sie hier gratis zur Verfügung stehen.

Über das Tal hinweg führt noch eine weitere Brücke; die Passerelle, weitaus weniger schön als die andere.

Als ich näher kam gefror mir das Blut in den Adern. Am Fuß der Brücke lagen Blumenkränze noch recht frisch…
Wie verzweifelt muss ein Mensch sein…furchtbar.

Whatsin & Whatsout: Whatsapp

Für alle die, die meine Telefonnummer haben; ich habe die Whatsapp rausgeschmissen und mir stattdessen Telegram installiert. Sie ist kostenlos, im Aufbau genau wie die Whatsapp jedoch mit der Zusatzfunktion eines Secret Chat. Hauptsache sie gehört NICHT Faceook! Die wissen eh schon genug über mich. Sie müssen nicht auch noch meine ganzen Text Messages lesen.

Mal schnell eben

Ab und an passiert es, dass ich Jobs bekomme die von heute auf morgen bewältigen muss. Meistens gilt es für jemand einzuspringen. Das ist bisweilen sehr spannend wenn die ganzen Maskenarbeit nicht vorab sauber dokumentiert wurde.

So auch gestern. Ich sollte eine Oper übernehmen von einer Kollegin die inzwischen nach Berlin gezogen ist. Ohne der Kollegin etwas unterstellen zu wollen, hatte sie nichts, rein gar nichts dokumentiert, kein Ablauf, keine Umzüge.  Die einzigen Anhaltspunkte die ich hatte, waren ein Video und eine Reihe Fotos von der Aufführung. Wenn die Show nicht allzu aufwendig ist klappt das ganz gut sich den Ablauf hinter der Bühne neu zusammenzureimen. Jedoch kannte ich keinen der Sänger.

Und so fuhr ich gestern Nachmittag mit einem etwas flauen Gefühl im Magen zum Spielort. Die Spielstätte selbst ist alles andere als ideal für Opern und ich null Ahnung von nichts. Sie hatten keinen Inspizient, keine Ankleider oder Requisiteure.

Doch es kappte alles erstaunlich gut. Das ganze Ensemble war sehr nett. Und wie es scheint war meine Maske besser als die von der Kollegin davor…

Beim Griechen

Noch nie hatte ich so viele rückwärts gewandte Gedanken wie die letzten Tage. So wie jetzt eben beim Griechen. Ich hatte Lust auf Griechisch was selten vorkommt. Ich hatte Lust auf Hammel (Aber auf Hammelfleisch habe ich immer Lust. Von mir aus könnte das Schein restlos gestrichen und durch Hammel ersetzt werden.)

Das Restaurant war spärlich besetzt. Außer mir waren nur drei andere Tische besetzt. Zwei Männer etwas weiter weg sprachen eine Sprache die ich nicht zuordnen konnte. Etwas näher an meinem Tisch saß ein Paar das luxemburgisch sprach. „Nein“, sage sie, „Ich habe wirklich große Angst vor dem Meer. Ich geh da nicht rein.“  Und als ob es Klick gemacht hätte fühlte ich mich 26 Jahre zurück versetzt, als ich in Cannes in Urlaub bei einem Cousin meiner Mutter war. Es war Anfang Oktober und es war warm, das Wetter wunderschön. Ich wanderte durch die Stadt deren kleinste Gassen ich längst schon alle erkundet hatte. Ich ging ins Kino. Es lief Le Grand Bleu (Im Rausch der Tiefe) ein Film den ich in diesem Urlaub dreimal gesehen hatte. Ich kam aus Saal, ging hinunter zum Strand, setzte mich auf einen Steg (ich glaube es war er vom Carlton) und schaute aufs Meer hinaus. Ich wollte in Fluten springen, ich wollte Delfine sehen. Eintauchen in dieses tiefe dunkle Blau das mir so gar nicht kalt vorkam. Es war einer der größten Sehnsuchtsmomente den ich je verspürt habe. Und immer wenn ich den Film später noch einmal sah, war dieses Gefühl wieder so gegenwärtig wie damals.

Und der Mensch heißt Mensch

Ich lese täglich Blogs, dabei sollte ich selbst ein wenig mehr schreiben.

Es ist inzwischen Februar und ich bin in einer transitorischen Phase die selber nicht verstehe. Tage kommen und gehen. Die Zeit heilt Wunden und wird es richten. Der Alltag nimmt seinen Lauf. Die Arbeit hat mich fest im Griff.

Und doch ist da eine Leere, ein leerer Raum ohne Luft und Licht, ein Nichts. Ein Raum der nicht mehr besetzt ist…

Und der Mensch heißt Mensch
Weil er erinnert, weil er kämpft
Weil er hofft und liebt
Weil er mitfühlt und vergibt
Und weil er lacht, und weil er lebt, Du fehlst
Herbert Grönemeyer

Das Restaurant

…über das ich berichten werde, werde ich ganz bewusst nicht namentlich nennen.

Ich kann mich noch verschwommen an das erste mal erinnern als ich dort war. Es war in den Achtzigern und es war Mai. Die Oktave der Muttergottes Wallfahrt hatte begonnen. Tante G. arbeitete für eine Wohlfahrtsorganisation. Das Jahr über war sie zuständig für die Kleiderausgabe an Bedürftige. Während der Oktave gibt es den sogenannten „Märtchen“. Tante G. hatte dort einen Stand ins Leben gerufen, der vor allem Rosenkränze und Götzenbilder verkaufte. Der Stand ging gut, und brachte der Organisation einen ordentlichen Batzen Geld ein. Während der Mittagspause ging Tante G. jeden Tag in dieses Restaurant essen.
Ich begleitete sie manchmal dorthin. Das Gerichte waren alle durchweg sehr französisch, mal von ein paar Luxemburger Spezialitäten abgesehen. Es ging zu wie in einem Taubenschlag. Es war mit die beste Brasserie in der Stadt.

Im Sommer letzten Jahres saß ich ein paar mal dort, weil sie eine schöne große Terrasse haben. Jetzt im Winter ist sie weggeräumt und ich nahm drinnen Platz, seit ewigen Zeiten wieder, eigentlich seit damals. Die Deko hat sich nicht verändert. Es sind noch immer die alten Holzverbtäfelungen, doch etwas heller gestrichen als früher. Die Tischanordnung ist immer noch die Gleiche. Ich nahm dort Platz wo ich früher immer mit Tante G. gesessen hatte. Es waren wenige Tische besetzt. Die Bedienungen sind alle schon fast im Rentenalter. Sehr freundlich sehr zuvorkommend, fast schon so wie man es nicht mehr gewohnt ist. Hier ist nichts locker-leger-loungig. Die Karte hat quasi noch die gleichen Brasserie Gerichte wie damals. Ich aß den Fischteller mit fünf verschiedenen Sorten Fisch in einer kleinen feinen würzigen Sahne Soße mit Reis dazu. Es schmeckte sehr gut.

Ich fühlte mich zurück in eine andere Zeit versetzt. Ich dachte an damals. Ich weiß noch, dass ich mich an einem Tag mit Tante G. dort verabredet hatte für Mittags, nachdem ich morgens ein Examen abgelegt hatte. Ich hatte die ganze Nacht dafür vor den Büchern gesessen mit viel Kaffee und hatte nicht eine Minute geschlafen. Das Erste das ich bestellte war ein Cognac den ich auf einen Schlag hinunter kippte. Der Kellner sah mich verdutzt an, sagte aber nichts und Tante G. staunte, weil sie mich noch nie so angespannt gesehen hatte.

Die Kellnerin die mich bediente, sagte mir irgendwann im Vertrauen dass das Restaurant im Herbst dieses Jahres definitiv die Tore schließen würde. Die Betreiber hätten keine Lust mehr. Und damit schließt auch ein weiteres Kapitel meiner Erinnerungen die Tore und eine Ära geht zu Ende.

21 Tage vegan

Ich habe die letzten Tage mit großer Spannung das Blog esskultur.at verfolgt. Katharina Seiser Journalistin und Kochbuchautorin unterzog sich dem Selbstversuch 3 Wochen lang vegan zu ernähren.

Sie schrieb jeden Tag genau auf was sie zu welchen Mahlzeiten gegessen hat und ihre Erkenntnisse dazu. Selten habe ich in ein Blog gelesen bei dem ich so viele Wörter googlen musste, weil ich sie nicht kannte. Zimtweichseln z.B. oder Pomeranzen. Am meisten jedoch hat mich ihr Schreibstil begeistert. Ich habe noch nie jemand gelesen der mit so viel Freude und Inbrunst über Essen schreibt. Sie hat mit vieles bestätigt und in Worte gefasst was ich auch über veganes Essen denke.
Einer der schönsten Sätze schreibt sie an ihrem ersten Tag nach der Vegan Zeit:

[…und ich bin dir, mama, bis heute dankbar, dass du mich lassen hast, nicht gedrängt hast, […] diese erlebnisse, bis heute im hirn, im herzen und am gaumen eingebrannt, machen mich zu der, die ich (auch beruflich) geworden bin….]

Das können die wenigsten von sich behaupten, denn die meisten Traumata als Kind hat man in Bezug auf Essen. Jeder kann sich noch an ein Suppenkaspar Ereignis erinnern…

Gestern Abend

…ereignete sich dieser tragische Unfall.

Keine Stunde später war alles weggeräumt. Ich kam an der Kreuzung vorbei und wartete an der anderen Straßenseite. Dass die Ampel schief stand, war nicht so sehr der Auslöser für folgendes Foto, als die einsame weiße Rose die neben dem Pfosten stand. Zu dem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht dass der Fußgänger verstorben war.

2014

Ich erinnere mich an Silvester 2000. Ich wanderte gemeinsam mit einer Freundin, die heute nur jemand ist denn ich einmal kannte, durch meine alte Heimat und stand irgendwann vor der Basilika. Die große Glocke, die nur zu Weihnachten, Ostern und Silvester geläutet wird, gab ihren tiefen dunklen Klang von sich und übertönte alles anderen Glocken. Überall ballerte und knallte Feuerwerk. Wir standen auf dem Vorplatz der Kirche der fast menschenleer war und hatten eine Flasche Champagner, zwei Gläser und begossen das neue Jahr.
Es war schön.
Es war ein Neuanfang.
Ein Neuanfang nach einem bitteren Verlust.
Sieben Monate davor starb mein Bruder in einem tragischen Unfall.
Mit ihm verschwand eine letzter Funken Hoffnung auf eine andere Zukunft.

2014 habe ich Silvester mit meiner ‚besseren Hälfte‘ M. unter Fremden verbracht.
Menschen die ich nicht kannte und auch nach dem feuchtfröhlichen Abend nicht besser kannte.
Ich fühlte mich einsam.
Kurz nach Mitternacht erinnerte ich mich an eine alte Freundin aus meiner Zeit in Berlin, die ich immer in der Silvesternacht anrief um ihr ein Frohes Neues zu wünschen. Es war so eine Art Ritual das ich über viele Jahre beibehielt. Irgendwann rief ich nicht mehr an…
Sie hob ab und quietsche vor Vergnügen. Es war ein solches Glücksgefühl ihr Stimme zu hören dass mir fast die Tränen kamen.

Irgendwann so gegen 4 Uhr morgens als schon so manche die etwas seltsame Party verlassen hatten, ertrug ich die Einsamkeit nicht mehr und schreib entgegen aller Gewohnheiten etwas auf Facebook:

My dearest friends.
Normally i don’t write on facebook.
But tonight I feel quite lonely amongst some strangers with my beloved one and far away from home.
Although I had a great evening with a lot of laughs and great moments…
2013 was professionally a very good year but privately and emotionaly it was a big mess.
My mother died beginning of November. She was the last close member of my family I had. Now they’re all gone.

I want to thank all my friends who stood by my side in the darkest hours of my life. I never thought i had so many of them, supporting me when everything was tumbling down.
Thank you all so much. Love you all.
2014 is gonna be a great year!!!!
Love & kisses

Das was bleibt

Seit anderthalb Jahren ist Tante Gritty nun im Pflegeheim. Sie hat Alzheimer. Ich habe ihre Vormundschaft übernommen. „Ach, wo kommst du denn jetzt her?“, fragt sie mich wenn ich sie besuche. Und dann erzählt sie mir Geschichten die entfernte Jahrzehnte nahtlos mit der Gegenwart verbinden, von Leuten die längst verstorben sind, die sie vorhin noch sah. Es gibt kein gestern, kein heute, kein morgen. Alles ist eins, alles ist jetzt.

Sie weiß nicht dass meine Mutter, ihre Schwester Anfang November gestorben ist. Sie fragt auch nicht nach ihr. Ich habe beschlossen, es ihr nicht zu sagen. Sie waren Geschwister, aber Freunde waren sie nicht.

Ihre Wohnung ist unbewohnt. Seitdem sie im Pflegeheim ist, hatte ich noch nicht dem Mut sie zu räumen. Gestern war ich seit Wochen wieder dort um nach dem rechten zu sehen. Ich ging durch die Räume angefüllt mit Erinnerungen. Ihre Erinnerungen. Zum Teil auch meine Erinnerungen.  Fotos von Familienfeiern, an denen es ihr gut ging. Ein Foto wo sie neben ihrem lange verstorbenen Mann steht und die Hochzeitstorte anschneidet.  Eine Vase die sie Südfrankreich gekauft hatte.  Tausend kleine Einzelteile die ihre Geschichte haben.

Es ist das was bleibt.

Zwei Realitäten

Als ich diesen Beitrag vor zweit Tagen im Kopf zu erarbeiten begann, war der erste Gedanke den Tag des Begräbnisses meiner Mutter zu beschreiben, so objektiv und emotionslos wie nur irgend möglich. Doch nachdem ich das Interview von Sybille Berg sah in der Serie Freitag am Donnerstag, verschwommen die Grenzen zwischen Objektivität und Subjektivität und ich ließ es bleiben.

Ich lebe in zwei Realitäten.
Die eine in der ich Trauer und Schmerz über den Verlust kaum noch ertrage, in der ich emotional immer leerer werde, die Müdigkeit mir vorkommt wie ein warmes Meer in dem ich zu gern ertrinken würde, doch schwimme oben ich wie ein Fettfleck.
Die andere in der ich, wie heute, einen Tag lang über die Stände der Walfer Büchertage schlendere und ungezählte Küsschen austeile bis mir die Lippen wehtun, da die gesamte Kunst- und Kulturgesellschaft vertreten mit der ich tagtäglich zu tun habe. Wenn ich dann urplötzlich an meine Mutter denke ist sie weit, weit weg, wie jemand den ich irgendwann mal kannte.
Dann klingelt das Handy, und es rufen Bekannte und Fremde an um mir ihre Beileidsbekundungen persönlich in einem Gespräch mitzuteilen und ich bin mit einem mal total überfordert…
Das passierte mir heute mehr als einmal.

Und jetzt sitze ich hier am PC, schreibe, lasse mich von Lounge Radio berieseln und bin leer… so leer.