Mein Vater

Vater

Angeregt durch einen Beitrag der Kaltmamsell, in dem sie ihre Leser aufforderte, doch mal was über ihre Großeltern zu schreiben, (dass habe ich aber schon vor Jahren getan, hier über Marie, hier über Thérèse)  dachte ich an meinem Vater der 1988 mit nur 52 Jahren verstarb. Heute, mir der größtmöglichen Distanz die kaum noch eine Emotion zulässt, kann ich über ihn schreiben.

Eines gleich vorweg. Vater und ich haben uns nie verstanden. Ich habe ihn zeitweise abgrundtief gehasst. Erst heute verstehe ich warum das so war. Doch brauchte es fast 30 Jahre dazu. Er war ein eingesperrter Freigeist, der es in seinem Leben nur einige wenige Male geschafft hat sich zu befreien. Das und seine Entwurzelung aus seiner Heimat Straßburg führten dazu, dass er in seinen letzten Jahren mehrfach in tiefe Depressionen fiel und letztendlich an einem Gehirntumor verstarb.

Mein Vater hatte keine schöne Kindheit. Großmutter Marie hatte den sehr viel älteren Großvater Camille spät geheiratet und es war nicht die beste Ehe. Marie war nicht dafür gemacht Kinder großzuziehen, zudem hatte sie sich ein Mädchen gewünscht. Als es ein Junge wurde, war die Enttäuschung groß. Die ersten Jahre zog sie meinen Vater wie ein Mädchen an. Auf den frühesten Fotos als Baby trägt er Röckchen und hat lange Haare mit bunten Schleifen. Im Sommer wenn es draußen warm war, ließ sie ihn im Garten allein spielen und band ihn mit einem Fuß an einen längere Schnur die an einem Pflock mitten in der Wiese befestigt war. Marie erzählte es einmal meiner anderen Großmutter Thérèse, die darüber völlig außer sich war. Diese sagte später immer, Marie hätte meinen Vater wie eine Ziege im Garten gehalten.

Der Großvater Camille war ein Arbeiter bei der französischen Bahn der sich über all die Jahre hinweg hochgearbeitet hatte, und er arbeitete in der obersten Verwaltung. Er war streng, sehr streng, und Vater wurde oft und viel verdroschen.Eine Erziehungsmaßnahme die er später auch bei mir anwendete. Doch war er der einzige Halt in seinem Leben, denn Großmutter konnte nichts mit ihm anfangen. Mit 12 Jahren wurde er ins Internat abgeschoben was in gewisser Weise seine Rettung war. Dort kümmerte man sich wenigstens um ihn.

Doch dann brach der zweite Weltkrieg aus. Er musste zurück nach hause. Am Ende des Krieges verstarb Großvater Camille und Marie stand plötzlich alleine da. Er konnte nicht mehr zurück ins Internat da die nötigen Mittel dafür nicht mehr vorhanden waren. Also wurde er von Marie losgeschickt um sich Arbeit zu suchen. Er begann als einfacher Handlanger und machte später den LKW Führerschein um dann mit schwerem Gerät durch ganz Frankreich zu fahren. Damals wurde noch in Frankreich nach Erdöl gebohrt und er fuhr die Bohrtürme an Ort und Stelle.

Das war das erste Mal dass er sich aus allem befreien konnte. Er schwärmte oft von diesen Jahren als LKW Fahrer und heute tut es mir leid dass ich nicht mehr zugehört habe, wenn er davon erzählte. Ich erinnere mich nur bruchstückhaft daran. Ich weiß dass er einen Kollegen hatte, der später im Jägertal ein kleines Hotel übernahm in dem wir einmal Urlaub machten. Ich berichtete im August davon.

Wer die Geschichte meiner Großmutter Marie gelesen hat, weiß wie es dazu kam dass mein Vater in Luxemburg landete und meine Mutter kennenlernte. Mutter war Krankenpflegerin in einem Kranken-und Altersheim, in dem meine Urgroßmutter bzw. seine Großmutter untergebracht war. Vater besuchte sie dort ab und an.

Als meine Mutter ihn zu hause vorstellte, stand er da mit zerrissener Hose und Hemd, was Großmutter Thérèse ein gewaltiger Dorn im Auge war. Damals hatte sie bereits das Konfektionsgeschäft und sie kleidete meinen Vater von oben bis unten neu ein. Irgendwie erfuhr mein Vater da zum ersten Mal was es bedeutet eine Familie zu haben die sich kümmert und für dich da ist.

Meine Eltern fanden beide dann eine Stelle in der neu eröffneten Nylon Fabrik in der ‚alten Heimat‘. Sie als Krankenschwester in der Sanitätstation, er als Wächter am Eingangstor. Es war 1965.

Da die U.S. Firma nach amerikanischem Modell aufgebaut war, die sich weitaus mehr um die Angestellten kümmerte als es in anderen luxemburgischen Großbetrieben der Fall war, gaben sie meinem Vater die Chance eine interne Ausbildung als Chemiker zu machen. Er nahm an und wurde Chemiker der die verschiedenen Nylonproben auf ihre Qualität untersuchte. Es war zudem an der Entwicklung neuer Stoffe beteiligt.

Noch im gleichen Jahr mieteten sie gemeinsam eine Wohnung in der ‚alten Heimat‘ und 1966 kam ich zur Welt.

Die Nylon Fabrik hatte damals von der Gemeinde ein riesiges Areal gekauft. Ein Teilstück davon  wurde mit einem Bauperimeter für Privathäuser und Wohnungen belegt. Dieses Areal wurde in einzelne Parzellen aufgeteilt und an die Arbeiter der Fabrik zu sehr günstigen Preisen weiterverkauft. Meine Eltern kauften sich ein solche Parzelle, auf der sie ein Haus bauten. 1970 zogen wir ein.

Ich kann nicht viele Einzelheiten von der Zeit erzählen, außer dass es wahrscheinlich die glücklichsten Jahre meines Vaters waren. Er war gefordert, konnte sich beweisen und es war eine Aufbruch- und Aufbaustimmung, wie es sie nie wieder danach gab. Es waren die Jahre in denen meine Eltern ihre Liebe für Korsika entdeckten, weil die Hochzeitsreise sie dorthin geführt hatte. Ich sollte noch viele Sommer dort verbringen…

***

Machen wir uns nichts vor. In einer Fabrik zu arbeiten, heißt Schichtdienst schieben. Die Wochen in denen mein Vater Nachtschicht hatte, waren schlimm. Wir mussten uns alle ruhig verhalten, denn er durfte ja nicht geweckt werden. Er schlief meistens bis in den Nachmittag hinein. Danach war er grantig.  Ein Satzkombi die es zu der Zeit, sehr oft zu hören gab, war:
-„Papa?“
-„Lass mich in Ruhe!“

Jetzt im Nachhinein verstehe ich es. Doch er konnte insgesamt nicht gut mit Kindern, weder mit mir oder meinem Bruder, noch mit anderen Kindern. Er kannte es ja selbst nicht anders.

Kinder spielen Streiche, toben rum, sind manchmal laut, und ab und an geht auch etwas zu Bruch oder kaputt. Die ultimative Waffe unserer Mutter war mein Vater. „Warte nur bis er nach Hause kommt!“ Und er schlug zu. Blaue und rote Striemen am Hintern vom Lederriemen waren nichts ungewöhnliches. Ohrfeigen, so fest, dass ich quer durchs Wohnzimmer taumelte auch nicht. Ganz schlimm waren die Tage an denen ich zur Strafe in mein Zimmer geschickt wurde, und Vater spät Abends nach der Schicht mich aus dem Bett zerrte und noch einmal verdrosch.
Es gab Wochen in denen ich mich schon als kleiner Knirps, fragte wann es denn endlich mal einen Tag geben würde an dem ich nicht weinen müsste.

Andererseits war Vater wie ein Kind. Sein Hobby war seine Modelleisenbahn. Keiner nicht einmal meine Mutter durfte sie anfassen. Er begründete dass immer damit, dass er als Kind nicht spielen durfte und eben jetzt seinen Spieltrieb auslebte. Insgesamt bastelte er gerne und werkelte am Haus herum. Es trieb meine Mutter jedoch bisweilen auf die Palme, den er fing tausend Sachen an, brachte aber nie etwas zum Abschluss.

Er gab dem Krieg und dem frühen Tod seines Vaters die Schuld, dass er nie einen anständigen Beruf erlernt hatte. Das wurde ihm 1979 zum Verhängnis. Die Nylonfabrik stellte die Produktion ein und die interne Ausbildung als Chemiker wurde in Luxemburg nicht anerkannt. Er fand eine Stelle bei einer Sicherheitsfirma als Wächter. Diese Firma wurde beauftragt die alten Gebäude der Nylonfabrik zu überwachen. Dort drehte er Tag und Nacht seine Runden über ein Gelände das einsam und verlassen war, jedoch ein Stück seine Geschichte, das aber zusehends verrottete.

Es war auch die Zeit in der zwischen ihm und mir gar nicht mehr funktionierte. Die Lösung dafür war simpel. Ich wurde in ein Internat verfrachtet. Es war eine Drohung die er immer wieder aussprach, bis sie Realität wurde. Doch Mutter hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Vater wollte unbedingt dass ich das Internat komme, in dem auch er gewesen war. Mutter besuchte mit mir das Institut St.Joseph, (das heute Collège Matzenheim heißt). Ich habe noch ganz vage Erinnerungen daran, dass es ein uralter Bau war, in dem die Pater das Regiment führten. Mutter wollte die Schlafsäle sehen, was man ihr aber nicht erlaubte. Das machte sie stutzig und somit war das Internat vom Tisch. Ich kam ins Don Bosco in Luxemburg.

Ab da wurde das Verhältnis zu meinem Vater besser, weil wir uns nur noch an den Wochenenden sahen. Die ewigen Streitereien und Auseinandersetzungen hörten auf. Ich war ja nur noch zu Besuch da. Aber wir hatten uns nichts zu erzählen. Es beschränkte sich auf’s Begrüßen und Auf Wiedersehen sagen. Ich machte auch nicht den geringsten Versuch es anders zu gestalten, denn es klappte einfach nicht. Wir lebten in zwei völlig verschiedenen Welten und keiner von uns beiden machte auch nur den Versuch die Welt des anderen zu verstehen.

Vater wurde krank. Die erste OP war die Entfernung der Gallenblase. Wir sind in den 80ern und es gab noch keine Mikrochirurgie. Dann kam die erste tiefe Depression mit der in die Neuropsychiatrie eingeliefert wurde. Wir sind noch immer in den 80ern und er wurde Eimerweise mit Psychopharmaka vollgepumpt, anstatt nach den Ursachen zu suchen. Es ging ein paar Jahre gut bis die zweite Depression, heftiger als die erste kam. Wir sind immer noch in den 80ern und der Neurologe setzte wieder voll auf Psychopharmaka. Es hatte ja schließlich beim ersten mal auch gut geklappt.

Warum kam keiner auf die Idee ihm eine psychologische Therapie anzubieten? Oder hatte er sie hatte abgelehnt?

Ich hatte derweil meine Lehre als Friseur begonnen, war nicht mehr im Internat und jeden Tag zuhause. Es kam wie es kommen musste. Vater und ich stritten uns, ein Wort gab das andere, bis wieder die ultimative Drohung ausgesprochen wurde. „Du musst dich nicht wundern, wenn eines Tages deine Koffer vor der Tür stehen.“ Doch kam ich ihm dieses Mal zuvor. „Du musst dich nicht bemühen, nächsten Monat ziehe ich sowieso aus“, entgegnete ich eiskalt. „Umso besser!“ war seine Antwort. Ich war 19.

In der Nacht hörte ich meine Mutter im Bett weinen.

Ich zog mit einer Freundin in eine WG und versuchte so gut es ging von alles von meinem Anfangsgehalt aus der Lehre zu finanzieren. Ich verdiente ganze 6600.- Francs pro Monat. (165€) das war damals schon sehr wenig und reichte hinten und vorne nicht. Doch von zuhaue wollte ich keinen Heller.

Ab da beschränkte sich unsere Kommunikation nur noch auf Hallo und Tschüss.

Vater wurde nach der zweiten Depression krankheitshalber in Rente geschickt. Doch sollte er diese nicht lange genießen können. Nach den zwei überstandenen Depressionen folgte dann der Gehirntumor.

Ich werde den ganzen Krankheitsverlauf nicht beschreiben. Ich war ja zu der Zeit nicht mehr zu hause und kenne das alles nur vom Hörensagen. Vater viel eines Tages im Februar ’88 einfach um und hatte etwas wie einen epileptischen Anfall. Als er wieder zu sich kam war sein Sprachzentrum gestört und man konnte nur noch raten war er sagen wollte. Bis Oktober 1988 schnitt man ihm drei mal die Schädeldecke auf und er wurde anschließend bestrahlt.

Anfang September 1988 hatte ich eine Reise nach Cannes in Frankreich geplant. Ich war gerade mit meiner Lehre fertig geworden und hatte mir insgeheim vorgenommen mir dort eine Arbeit zu suchen und nicht mehr zurück zu kommen. Ich wollte raus aus Luxemburg. Am Tag vor meiner Abreise fuhr ich zu meinem Elternhaus um Lebewohl zusagen.

Vater saß am Tisch wie ein kleines in sich zusammen gesunkenes Häufchen Elend. Als ich ihm Aufwiedesehen sagte, hatte er Tränen in den Augen. Er drückte mich ganz fest. „…Ppass…auf…dich!“ sagte mit unterdrückter Stimme. „Werd ich machen.“ sagt ich leise und strich ihm über dem Kopf. Es war eine Szene mich sehr verstörte.  Er musste da schon gewusst haben dass er mich nie wiedersehen würde, denn drei Wochen später verstarb er.

Was ich erst im Nachhinein erfahren habe war, dass meine Mutter zu dem Zeitpunkt schon lange wusste dass mit ihm zu Ende gehen würde, es aber niemandem erzählt hatte. Ich habe es ihr lange zum Vorwurf gemacht, denn sonst wäre ich wahrscheinlich geblieben.

Letztendlich ist er für mich immer ein großes Rätsel gewesen, das ich nie so ganz begriffen habe. Aber eines weiß ich mit Sicherheit. Er hat meine Mutter abgöttisch geliebt. Wenn er ihr Geschenke machte, zählte kein Preis und keine roten Zahlen auf dem Konto.

Den Tag des Begräbnisses könnt ihr bei Großmutter Marie nachlesen.

Wenn ich anfangs sagte dass es keine Emotionen mehr in mir weckt dann stimmt das nicht ganz. Ich habe volle drei Tage gebraucht um diesen Text zu schreiben.

Nachtrag: Ich hatte schon mal vor zwei Jahren angefangen etwas über ihn zu schreiben aber in in dieser Ausführlichkeit. Es war am Vatertag.

† Johnny Hallyday †

© Wikipedia

Es fing damit an an dass ich gestern morgen auf dem Weg ins benachbarte Ausland Radio hörte, und erfuhr dass Johnny Hallyday gestorben ist. In Frankreich wurde es ein nationaler Trauertag. Meine Mutter war heimlich verknallt in ihn. Und meinem Vater war es nur recht denn er, als Franzose, mochte ihn genau so. Er war das Idol einer ganzen Nation, aber irgendwie fühlte er sich nie unerreichbar an, im Gegenteil, er fühlte sich an wie ein Kumpel, dem man auf Augenhöhe begegnen konnte, wenn man ihm denn einmal begegnen würde. Ich weiß noch dass ich vor etlichen Jahren an einem Film arbeitete, in der wir in einer Szene einen Johnny Hallyday Imitator hatten. Seltsamerweise stelle sich bei ihm genau das gleich Gefühl ein. Johnny war ein Rockstar, vermittelte aber nie dieses Unerreichbare, das man von anderen Stars kennt. Er sang länger als ich alt bin und war Phänomen, das es so nicht noch einmal geben wird.

Ich mochte seine Balladen sehr. Ein Lied schwirrte mir dabei den ganzen Tag durch den Kopf. Quelque chose de Tennessee

Und wer ein ganzes Konzert von ihm sehen mag, auf YouTube fand ich eines seiner letzten Konzerte vom 16. März 2016 in voller Länge. Er war mit seinen damals 73 Jahren immer noch sehr fit und hatte immer noch diese Powerstimme.  Adieu, Johnny.

Kennt noch jemand Michel Oliver?

Er war der Lieblings Fernsehkoch meiner Mutter Anfang der 80er. Als ich vor kurzem über alte französische Kochsendungen berichtete, erwähnte ich in den Kommentaren auch Michel Oliver. Meine Mutter hatte von ihm die weltbeste Béarnaise und die weltbesten Waffeln. Beim Ausräumen des Hauses meiner Eltern fand ich die Niederschrift meiner Mutter nicht wieder. Also machte ich mich auf die Suche nach einem Kochbuch von Oliver. Und siehe da:

Bei Amazon.fr wurde ich fündig! Und beide Rezepte sind drin!!!! Wenn sie demnächst zum Einsatz kommen gibt es Bilder und das Rezept, versprochen! (Ich sollte mir vielleicht ein Waffeleisen zulegen…)

In folgendem Video bereitet Oliver eine Neujahrs „Glückstorte“ zu, die unglaublich mächtig und für Anfang der 80er Jahre ungewöhnlich hoch  ist.

Fotos einer Woche

Da wäre zum Beispiel Freitag Abend, der erste Schnee über der Stadt.

Ich muss wohl nicht sagen dass ich nicht ‚amused‘ bin. Es wird mir die Arbeit und das hin und her fahren erschweren.

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Ich denke dass ich es jetzt langsam offiziell machen kann. Es gibt eine neue Bar in Luxemburg von der ich schon einmal kurz berichtet hatte im Rahmen einer anderen Veranstaltung. Damals sah es noch aus wie eine Baustelle.

Jetzt nicht mehr.

Das Rooftop befindet sich im Vorort Dommeldange auf dem Gelände des Habitare im vorderen Gebäude auf dem 2. Stockwerk.

Als ich gestern Abend aus der Probe kam war ich sehr müde weil ich den ganzen Tag gefahren war nach Trier und Saarbrücken eigentlich keine Gesellschaft mehr haben wollte. Doch irgend etwas zog mich dann doch ins Rooftop und ich sollte es nicht bereuen.

Die Küche ist seit ein paar Tagen endlich fertig und man kann dort auch speisen. Ich hatte Raclette seit langem mal wieder. Es waren ebenfalls ein paar Bekannte da und es wurde ein lustiger Abend.

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Wohnungsupdate: Bis auf die kleine Ottomane und die beiden Hocker in der Küche, sind jetzt alle bestellten Möbel da. Uff.  Und da ich keine richtige große Einweihungsparty mache, sondern die Bekannten und Freunde tröpfchenweise einlade, weil ich durch die neue Küche endlich wieder richtig Freude am Kochen habe, sind so im Durchschnitt einmal Woche Gäste da.

Letzten Sonntag waren die J. und die N. hier. Ich machte seit ewigen Zeiten mal wieder Coq au Vin nach dem Rezept von Simon Hopkinson, das für mich das Beste überhaupt ist. Es gibt ja viele die sich darüber streiten ob man Rotwein oder Weißwein nehmen soll. Ich persönlich bevorzuge Weißwein, wegen der Säure, die meiner Meinung nach das Fleisch noch zarter macht. Hopkinson löst das noch eleganter indem er Pinot Noir nimmt, ein Weißwein der aber eine Weile auf der Meische lag und somit die rote Farbe der Traubenhaut annimmt, obwohl der Saft an sich ja weiß ist.   Das Rezept von Simon Hopkinson gibt es hier.

Als Mitbringsel hatten die die J. und die N. unabgesprochen das gleiche mitgebracht. Tee.

Den Earl Grey von TWG (rosa Dose) kannte ich gar nicht. Im Gegensatz zu anderen Earl Grey’s ist hier nicht nur Bergamotte drin, sondern noch ein paar andere Zitrusfrüchte. Er erinnerte mich sehr an den Countess Grey von F&M der ja einer meiner absoluten Lieblinge ist. Mariage Frères (schwarze Dose) kannte ich vom Namen her. Der De-Stress Tea ist auf grüner Tee Basis und riecht schon mal hervorragend. Ich werde berichten wenn ich die erste Kanne aufgebrüht habe.

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Gestern Abend war das Ballett du Trocadero de Monté Carlo wieder im Großen Theater zu Gast. Sie waren schon mal vor drei Jahren an Silvester hier. Ich hatte sie aber damals verpasst.  Es ist nicht, wie man annehmen könnte, eine klassische Truppe aus Monté Carlo sondern aus New York. Das besondere daran ist, dass es nur Männer sind. Auch sämtliche Frauenparts werden von ihnen übernommen. Spitzentanz ist für alle kein Problem und technisch sind alle auf dem höchsten tänzerischen Niveau das man sich in klassischen Ballett vorstellen kann. Doch gerade dadurch können sie sich jede Menge Eigenheiten und Comic erlauben. Ich habe euch hier ein paar YouTube’s rausgesucht. Den strebenden Schwan habe ich gestern Abend gesehen.

Was die nächsten Wochen wichtig wird

An dem Projekt arbeite ich schon seit dem Spätsommer. Rumpelstilzchen. Und in den drei nächsten Wochen geht das Stück in heiße Phase, denn am 15. Dezember ist Premiere. Es ist mit das Größte was ich seit langem gemacht habe. Der Trailer kam gestern raus. Es wird wohlgemerkt KEIN Stück für Kleinkinder. Vom Großen Theater her ist es ab 10 Jahren empfohlen, meine Empfehlung wäre ab 12.

Wer Karten haben möchte: Hier geht’s zum Online Verkauf. Die Ticket Links stehen neben den Spieldaten.

Die letzten Tage: HDG , Wohnung und Paganini am Cello

Nein, den gewohnten Rhythmus in dem ich sonst blogge ist zur Zeit einfach nicht machbar. Ich bewundere andere Blogger wie Anke Gröner oder die Kaltmamsell, die das, komme was wolle, jeden Tag tun. Habs versucht, geht nicht. Deshalb gibt es Zusammenfassungen.

HDG. Eine Abkürzung die mir gestern Abend Kopfzerbrechen bereitete, weil ich nicht dahinter kam, für was sie steht. Als es mir dann einfiel, schämte ich mich. Ich war seit längerer Zeit mal wieder bei Aline und Clovisse im Hotel. Ich hatte mich spontan angemeldet, bekam jedoch sofort einen Tisch. Ich hatte schon einmal über das Hotel berichtet. Die Gerichte waren ausgezeichnet, wie immer. Ich saß an einem Tisch mit Blick auf die Bar, (Foto oben) als mir die drei kleinen Kakteen mit den Buchstaben auffielen. Die Initialen der beiden konnten es nicht sein. Die der drei Kellner vielleicht? Ich wollte schon fragen, als endlich de Groschen fiel. ‚Hostellerie du Grünewald’…

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Langsam fängt das Wohnzimmer an gemütlich zu werden. Gestern kamen zwei neue Zimmerpflanzen hinzu. Das Bild an der Wand links, kam letzte Woche.

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André Mergenthaler ist einer der bekanntesten Musiker aus Luxemburg, der schlichtweg in ALLEN Musikrichtungen zu hause ist. Sei es Klassik, Jazz, oder wie hier, knallharte Techno. Am Samstag fand ich ihn im Mercury als er zusammen mit Resident DJ dabei war, die Bude zu sprengen. Wenn André spielt ist er wie weggetreten und geht voll und ganz auf in seiner Musik. Paganini am Cello.

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Spruch der Woche:

Blogger unter sich

Manchmal treffe ich Arbeitskollegen, Bekannte und Freunde die weit weg wohnen, öfter im Jahr als die vor der eigenen Haustür. Geht eigentlich jedem so. Gestern lösten wir den Vorsatz ein uns dieses Jahr endlich kennenzulernen. So gerade haben wir es noch geschafft für dieses Jahr.

Blogger

Anouck.co ist Bloggerin in Luxemburg, schreibt auf Englisch und bloggt über alles was sie interessiert. Das sind Reisen, Makeup, Mode und, so wie ich, Restaurants. Zudem macht sie sehr gute Fotos. Ich ging mit ihr in mein zweites Esszimmer, das Annexe, das sie noch nicht kannte.

Wir sprachen über alles mögliche und auch über den Umstand wie man nach außen ihn auf Menschen wirkt, die einen nur über das Blog kennen und in wie fern sich das Bild von dem tatsächlichen Bild unterscheidet. Es war hochinteressant, da es eine Frage ist die mich seit meinen Bloggeranfängen beschäftigt. Wie gläsern will ich sein? Was gehört ins Blog und was nicht?

Wir aßen ein vorzügliches Mal. Da Anouck Vegetarier ist, war das Annexe genau richtig, denn sie haben den nebst den traditionellen Gerichten auch immer ein paar vegetarische Gerichte, was für klassische französische Restaurants bei weitem nicht immer der Fall ist.

Da wieder ein paar Gerichte auf der Karte gewechselt haben, probierte ich natürlich die neuen Sachen.

Da wäre die neue Veggie Vorspeise. zusammen hatten wir Blumenkohl Waffeln mit Pastinaken Confit

Anouck hatte ein Gemüse Curry mit Wildreis

Ich hatte ein Magret vom Lamm mit Morchelsoße und Auberginen Caviar. Der absolute Knaller.

Es war wie immer hervorragend lecker.

Schuhe, Klamotten & Co.

Und wenn wir schon, wie im Beitrag davor, uns mit Schönheit beschäftigen, dann lasst uns doch mal ein bisschen über die eigene Schönheit sinnieren. Das eigene Aussehen, das jeden von uns Tag für Tag beschäftigt und mit dem jeder so seine Probleme hat.

Ab und an erwähne ich Frau Modeste, die ich sehr regelmäßig lese, weil sie so verdammt gut schreiben kann, und noch gewaltigere Schachtelsätze produziert als ich. Sie fing vor kurzem wieder mit Journal Blogging an und stellte sich die Frage wann sie eigentlich diese tollen Schuhe mit 11 cm Absatz tragen soll die sie erworben hat.

Das erinnert mich an eine Zeit in der das Problem bei mir andersherum gelagert war. Es war Mitte der 80er und ich war in der Friseurlehre. Ich ging täglich zur Arbeit und war immer von Kopf bis Fuß zurechtgemacht, als wenn ich abends ausgehen würde. Es war noch zu einer Zeit in der man sich zum Weggehen richtig zurecht machte, von den Haarspitzen bis zu den Zehnnägel musste alles stimmen. Es geschah nicht aus einem Zwang heraus sondern weil ich das wollte, weil ich mir ein androgenes Image verpasst hatte, mit dem ich herumspielte und mal mehr mal weniger ausbaute.

David Bowie, Boy George und Grace Jones  und Duran Duran waren meine Vorbilder, meine Idole. Nicht so sehr ihre Musik (mit Ausnahme von Grace Jones deren Musik ich heute noch liebe) wie ihr Aussehen. Wenn ich dann zu einem größeren Event eingeladen war, konnte ich im Prinzip von der Arbeit aus direkt ohne großes Umziehen dorthin. Letztendlich wusste ich nie was ich bei diesen Gelegenheiten wirklich anziehen sollte, denn ausschweifender ging es kaum, oder ich wäre zum Kunstwerk mutiert.

Ihr glaubt mir nicht?

 Klamotten

 Klamotten

So oder so ähnlich sah ich jeden Tag aus. Das hieß aber auch mich jeden Tag selbst und meine Extravaganz auszuhalten und zu meinem Look, der sich sehr von der Masse abhob, zu stehen.

30 Jahre später bin ich ruhiger geworden. Und doch ziehe ich noch immer das an was mir Spaß macht, selbst wenn es sich von der Masse abhebt. Und das sogenannte „Aufbrezeln“ habe ich nicht verlernt.

 

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Wenn Schönheit andere Wege geht

Heute reden wir mal über Schönheit und wie relativ der Begriff eigentlich ist.

Da ich mich ja tagtäglich damit beschäftige und mich regelmäßig informiere was es neues gibt, (und es gibt viel,… seeeehr viel) stoße ich auch bisweilen auf sehr seltsame Trends und bizarre Schönheitsideale. Nein, ich meine nicht irgendwelche Urvölker die tellergroße Lippen haben, sondern von Trends die in der modernen zivilisierten Welt entstehen.

Die beste Fundgrube für diese Dinge ist natürlich Instagram.  Vor eine Weile entdeckte ich dort eine neue gewagte Augenbrauen Form. Die wellige Augenbraue. Das geht natürlich nur mit sehr dünnen und feinen Härchen die sich in die wellige Form legen lassen. Der Trend wird sich aber nicht durchsetzen, denn eine Braue zu einer Welle geformt sieht aus, als ob man beständig Angst hat oder verzweifelt ist.

Schönheit

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Noch seltsamer ist dieser Trend; Nasenhaarverlängerung. (Obwohl ich inzwischen glaube, dass es ein Halloween Scherz war.)

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Noch viel seltsamer ist dieser neue Lippen Trend aus Thailand. Er nennt sich Krachap und geht eigentlich in die entgegensetzte Richtung dessen was man sonst in der westlichen Welt für schön hält. Die Lippen werden nicht aufgespritzt damit sie voller wirken, sondern auf eine ganz spezielle Art verkleinert.  Vor allem die Oberlippe wird in eine Art wellige ‚Herzform‘ verkleinert und wieder zusammengenäht. Die OP ist nicht ganz ungefährlich und es muss oft nachgebessert werden.

Interessanterweise fand ich darüber sehr viele Fotos und Beispiele, und dem Bartschatten nach, gibt auch sehr viele Männer die diese Prozedur über sich ergehen zu lassen. Wer mehr darüber wissen will schaut bei Dr. Apple auf Instgram vorbei.

Ein Schwank aus dem Leben, Verstauchungen und Cognac

Mir ist heute so nach „Schwank aus dem Leben“ zumute.

Hatte ich schon mal berichtet, dass ich mal eine Kinosendung im Radio moderierte? Es war in den Jahren 1995 und 1996. Es war zu einer Zeit in der das Monopol von RTL fiel. Plötzlich gab es einen Piratensender mit wesentlich besserer Musik. Und es stellte sich immer häufiger die Frage warum Luxemburg nur einen deutschen RTL Sender hat und stundenweise einen RTL Sender mit luxemburgischen Programm. Dann wurde das Gesetz gestimmt dass neue Frequenzen im UKW Bereich freigegeben werden für regionale und lokale Sender. Zudem sollte ein weiterer nationaler Sender kommen. Und plötzlich wurde die Radiolandschaft um einiges bunter als zuvor.

Die lokale Frequenz die für meine alte Heimatstadt vorgesehen war, wurde geordert und es wurde ein kleines Studio eingerichtet. Jeden Donnerstag Abend hatte ich eine Stunde lang Kinosendung. Ich hatte sogar von den Kinobetreibern einen Presseausweis bekommen, auf den ich mächtig stolz war, weil ich mir damit jeden Film für lau ansehen konnte und ich konnte damit auch zu Pressevorführungen. Kurze Zeit später ging es dann auch mit Cannes und den Filmfestspielen los…

Es war eine Übergangszeit in der ich noch immer, aber nicht mehr so richtig, meinen Beruf als Friseur ausübte und aber auch schon versuchte meine ersten Aufträge im Theater an Land zu ziehen.

Es war auch eine Zeit in der ich Kinokritiken am laufenden Meter produzierte. Es machte richtig Spaß und es war Gehirntraining pur.

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Ich hatte ja schon erzählt dass ich mich letzte Woche einmal quer über die Straße legte und mir dabei kräftigst den Fuß verstauchte. Nun gestern in der Nacht verstauchte ich mir die rechte Hand. Während ich schlief. Im Bett. Ich kann mich schemenhaft daran erinnern, dass ich kurz wegen einem stechenden Schmerz erwachte, dann aber wieder einschlief. Am Morgen dann tat die Hand höllisch weh.  Da das Gel das ich mit für den Fuß aus der Apotheke besorgt hatte, plötzlich unauffindbar war, plagte ich mich den ganzen Tag mit den stechenden Schmerz. Gestern Abend fand ich es dann…

Was will mir das Universum mit diesen Verstauchungen mitteilen?

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Es war für gestern gewaltiges Schmuddelwetter angesagt und das ist leider eine Prognose bei der sich die Meteorologen nie irren.  Ich hatte in Erwägung gezogen mit dem Wagen zur Abendprobe zu fahren, entschied mich dann aber doch dagegen. Fazit: Ich hatte mich richtig entschieden, denn die Stadt war so verstopft mit Autos und die Tiefgarage am Theater war mehr als proppenvoll.

Als ich dann später am Abend nach hause schlenderte (es regnete Gott sei Dank nicht mehr) fand ich diese Flasche Cognac in einem Schaufenster:

Zu Anfang dachte ich, das Preisschild wäre ein Fehler. Aber nein, die Flasche Louis XIII von Rémy Martin kostet tatsächlich 2200€. Dem Preis nach müsste er ja dann zu Zeiten von Louis XIII destilliert worden sein. Wieder falsch. Er ist „nur“ 100 Jahre alt. Und wenn man sich dann auf der Seite von Rémy Martin umsieht, ist es nicht mal die teuerste. Vermute ich zumindest, denn es gibt noch weitere  Tropfen die noch höher in den Himmel gelobt werden. Preise werden aber keine genannt.

 

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