Fressen, Kunst und Puderquaste

Amber

Alles begann damit dass ich heute Nachmittag nach der Probe noch in einem Einkaufszentrum war. Manchmal überkommt es mich nämlich und ich mutiere zu Schnäppchenjäger. Die Ausbeute war eine Kiste mit 200 Teelichtern für 7 Euro.
Als ich dann zuhause war und mir eine DVD aus der Serie Prime Suspect anschaute, testete ich eines der Teelichter in der Duftlampe. Als ich die kleine Holzkiste mit den Duftölen hervor holte, fiel mir ein Fläschchen in die Hand das ich schon lange nicht mehr benutzt hatte. Es war aus klarem Glas mit einem schlichten einfachen weißen Schraubverschluss und einer Etikette auf der nichts weiter stand wie Amber. Und als ich sie aufschraubte und sie kurz unter die Nase hielt um zu prüfen ob das Öl nicht ranzig sei und dann Tropfen für Tropfen das Öl in die Lampe goss, kam alles wieder.

Ich hatte diese Flasche irgendwann auf der Schobermesse gekauft. Das war als ich noch in meiner allerersten Wohnung war. Und bei jedem Tropfen wurde das Bild immer klarer. Es war eine kleine Dachwohnung im dritten Stock. Ich sah das große eingebaute Wandregal aus Spanplatten mit einer ekligen dunkelbraunen Farbe. Ich sah den einzigen riesigen Heizkörper der für die ganze Wohnung reichen sollte, es aber nie tat, weil er nie richtig warm wurde. Ich sah das winzig kleine Fenster in der Wohnstube das nie genügend Licht brachte und ich auch tagsüber das elektrische Licht brennen lassen musste. Ich sah die rappelige Lamellentür zum Schlafzimmer, die man nur sehr bedacht auf und zu machen konnte da sie sonst in ihre Bestandteile gefallen wäre. Ich sah den kleinen runden Tisch vom Flohmarkt mit seinen rappeligen vier Stühlen auf de ich so stolz war da es meine allererste selbst gekaufte Einrichtung war. Ich sah das Badezimmer mit seinen Silberfischchen, die ich nie richtig los wurde. Ich sah den Schrank in einem eiskalten staubigen Hinterzimmer in dem die Motten hausten, so dass ich anschließend jede Menge Klamotten wegwerfen musste. Ich sah die ganze Wohnung mit all ihren Unannehmlichkeiten und ihrer spottbilligen Miete von grade mal 200 Euro was das einzig positive daran war. Doch war es meine erste Wohnung und ich hätte um nichts in der Welt mit jemandem tauschen wollen. Ich habe 4 Jahre dort gelebt.

2 Kommentare

  1. Herr D.

    Das kommt mir sehr bekannt vor! 😀

  2. Helmut

    Wirklich anrührend, diese Geschichte. Weiter so!
    Und vielen Dank für den Tip betreffend den Eurener Hof vor zirka zwei Wochen: ich habe dort vorzüglich und dabei preiswert gegessen – und die Bedienung war nicht nur jung und hübsch, sondern auch noch super effizient!

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