Fressen, Kunst und Puderquaste

Eine Bestattung

Es gibt in meiner Familie einen despektierlichen Spruch darüber, dass Geschmäcker verschieden sind.

Deen een geet gär mat begruewen, deen aneren ësst gär Quetschentaart.

Ich gehöre definitiv zu Letzteren. Und doch musste ich gestern an einer Bestattung teilnehmen. Ich sage absichtlich Bestattung und nicht Begräbnis da er nicht unter die Erde gebracht wurde. “Er” ist der Cousin meiner Mutter. Wir alle waren schon seit langem darauf gefasst dass er sterben würde, da er krank war, somit war es für niemanden eine Riesenschock als er Anfang der Woche verstarb.

Sein Wunsch war es eingeäschert zu werden und seine Asche sollte verstreut werden. Die Bestattungsfeier fand also im Krematorium statt. Es ist ein modernes recht nüchternes Gebäude in rotem Backstein. Gleich neben dem Gebäude befindet sich ein Garten, der den Namen Garten der Erinnerung trägt. Wir wurden alle zu Anfang in eine Art Salon gebeten in dem wir warten sollten bis alle anwesend wären.  Dieser Moment war etwas unangenehm, da der Raum etwas sehr Kühles hat, fast Kaltes. Als dann alle da waren, wurden wir zu den eigentlichen Raum geleitet in dem die Urne stand. Der Cousin war bereits eingeäschert worden und die Urne stand in der Mitte des Raumes in einem kleinem Schrein. Der Raum ist groß, hell und die breite Seite des Raumes zu der wir alle hin saßen, ist eine riesengroße Glaswand die den Blick auf den Garten freigibt.  Man schaut also während der Gedenkfeier hinaus in die Natur auf große alte Bäume und Sträucher und auf die Wiese auf der die Asche verstreut werden wird.
Und obwohl alles sehr traurig war, fühlte ich mich wohl in diesem hellen offenen Raum und der Blick in diesen Garten stimmte mich sehr tröstlich. Kein Vergleich zu einer dunklen Kirche oder Kapelle in der man von allen möglichen Heiligen und Unheiligen erdrückt wird, wie die Trauer die man verspürt.

Mir war es seit jeher egal was mit mir passieren würde wenn ich nicht mehr bin, da ich das eh nicht mitkriege. Jetzt denke ich, dass es schön wäre ich würde eingeäschert werden und in dem Garten liegen.
Es ist schön dort…

2 Kommentare

  1. Herr D.

    Mir war es auch lange egal. Bis ich hiervon hörte: Friedwald

  2. Joël

    Oh!
    Das gibt es bei uns leider nicht, es wäre aber eine sehr schöne Idee, und Wert dass man darüber nachdenkt es hier auch einzuführen.

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