Tag der Extreme

Mitten in der Nacht durch einen Albtraum hochgeschreckt, in dem drei verfilzte dreckige Gestalten in meine Wohnung einbrechen wollten durch die Balkonfenster, in die sie gewaltige Möbelstücke schmissen…
Es ist schon seltsam wie der Kopf bisweilen auf länger anhaltenden Stress im Alltag reagiert.

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Ein klein wenig traurig war ich, als ich vorgestern von Charles Aznavour’s Tod hörte. Er war einer der Lieblingssänger meines Vaters.  Als Kind mochte ich Aznavour nicht, wie so ziemlich alles was mein Vater hörte und tat, aber das ist eine andere Geschichte…
Erst sehr viel später als mein Vater schon längst verstorben war, lernte ich den J. kennen der eine Bar besaß.  Ab und zu an Wochenenden arbeitete ich in der Bar als Aushilfe. Es war in 90ern und Luxemburg entdeckte wie man mit den Öffnungszeiten die Sperrstunde umgehen und deren Hüter ein wenig foppen kann. Es hatten sich einige Lokale darauf spezialisiert um 1 Uhr wie gewohnt zu schließen und dann ab 3:30 Uhr Nachts wieder zu öffnen und alle Nachtschwärmer der Clubs aufzufangen, die um 3 Uhr schlossen.  Er war absolut nicht ohne Risiko und wenn die Polizei dahinter gekommen wäre und dem Lokalbesitzer pro unzulässigem Gast ein Strafzettel ausgestellt hätte, wäre es sehr teuer geworden….
Der J. , der die Bar hatte, hörte oft Morgens beim Aufräumen Charles Aznavour. Damals fing ich an, mir die Texte genauer anzuhören und es war schon sehr berührend was er sang.

Adieu Charles.

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Während dem morgendlichen Bloggen und Internet lesen, schien es mir kühler als sonst. Ich stelle mit Schrecken fest dass die Heizung im Keller heiß war aber die Heizkörper im dritten Stock nicht. Mit der Pumpe scheint etwas nicht in Ordnung zu sein.

Ich rief den Pannendienst an um mir einen Termin erst am DRAUFFOLGENDEN Tag geben zu lassen. Mist….

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Am späten Nachmittag, war die Gedenkfeier für den B. ,von dem ich schon vor ein paar Tagen schrieb.
Ich hätte eigentlich zur Probe gemusst, doch ich hatte angekündigt dass ich später käme.
Ich kramte in einer Schublade umher weil ich einigermaßen sicher was, dass ich doch noch ein paar Beileidskarten auf Vorrat hätte. Doch ich ich hatte keine mehr. Stattdessen stieß ich auch die rote Geldbörse meiner Mutter.

Es war die Geldbörse die sie bis zum Schluss bei sich trug, mit Fotos von mir und meinem Bruder und einer winzig kleinen Silbermedaille der Muttergottes von Lourdes, dem Wallfahrtsort den sie, so lange es einigermaßen ging, mehrfach besucht hatte…
Heute weiß ich dass ich sie es aus schierer Verzweiflung tat, weil sie wusste dass es medizinisch keine Rettung für sie geben würde…
Mich überfiel eine Woge der Trauer und des Vermissens wie schon lange nicht mehr.

Die Gedenkfeier von B. haute mich dementsprechend mehr um als ich dachte. Es war kein Gottesdienst im eigentlichen Sinne den es waren keine Kirchenlieder, sondern vor allem Lieder von Jaques Brel. Wahrscheinlich ging mir die ganze Feier auch deshalb so besonders nah. Als sie dann Somewhere over the Rainbow des längst verstorbenen Israel Kamakawiwoʻole spielten, war es aus…
Ich ließ den Tränen freien Lauf.

Anschließend wurde ich wieder jäh in die harte Realität einer Probe zurück katapultiert und es fiel mir sehr schwer.  Ich kürzte die Probe so gut wie irgend möglich ab, weil ich nur noch weg wollte. Da es zuhause aber kalt war, entschied ich mich für das Lokal in dem ich mich immer wohl fühle, in dem ich mindestens einmal pro Woche bin; das Annexe.
Und siehe da, es half ein wenig.

Und irgendwo über dem Regenbogen fing die Sonne wieder an, an ganz kleines bisschen zu scheinen…

Ich kenne sie nur zu gut diese extremen Tage an denen alles und nichts zusammenpasst.
Gut dass es sie nicht all zu häufig gibt.

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