Fressen, Kunst und Puderquaste

Die Montagsfrage 3

wet transparent misted window with question mark
Photo by Julia Filirovska on Pexels.com

Jeden Montag stelle ich eine Frage, die ihr in eurem Blog beantworten könnt. An welchem Tag der Woche ihr das macht bleibt euch überlassen. Am Ende des Postings sammelt Mr. Linky die Einträge aus eurem und aus anderen Blogs.

Heute könnt ihr einen Schwank aus eurem Leben erzählen.

Was war das schlimmste Wetterereignis das du hautnah miterlebt hast?

Es muss in Ende der 80er gewesen sein.
Es war am Wochenende. Ich war noch im Internat und es muss an einem Samstag gewesen sein, denn ich sollte zurück in die alte Heimat ins elterliche Heim.
Es war zu einer Zeit da die Busse spärlich von der Hauptstadt in den Osten des Landes fuhren, ganz besonders am Wochenende. Ich stand ewig lange an der Bushaltestelle und der Bus kam und kam nicht. Da es dort keinen Unterstand gab, stand ich mitten im Wind und im Regen und war bis auf die Haut nass. Ich lief zurück zum Haus der Großmutter, die am Samstag das Geschäft früher schloss als sonst. Sie erklärte sich bereit mich die 35 km zu fahren. Der Sturm war am Tag davor angekündigt worden, doch er sollte erst richtig während der Nacht zuschlagen. Aber wie so oft mit solchen Wettereignissen war der Sturm um ein paar Stunden früher dran. Dass wir überhaupt los fuhren, war meinem Vater geschuldet, denn ich hätte auch bei Grußmutter übernachten können, doch mein Vater, stumpf und stur wie er war, duldete das nicht.

Also fuhren wir los und es klappte eigentlich recht gut. Die Sturmböen schüttelten das den Kleinwagen ab und an ein wenig durch. Als wir dann auf der Höhe des letzten Hofes ankamen, bevor die Straße durch ein Waldstück hinunter in den Ort führt, hatte der Sturm seine Maximalkraft erreicht und es war beängstigend. Doch wir waren froh dass wir es bis dorthin schon geschafft hatten.

Und dann passierte es. Keine fünfzig Meter vor uns krachte ein entwurzelter Baum in die Straße und verfehlte so just das Hinterteil eines Lasters der vor uns fuhr. Da Großmutter sehr langsam fuhr konnten wir gut abbremsen. Doch wir waren leichenblass. Ich hatte als erster die Fassung gewonnen und meinte, dass es besser wäre kehrt zu machen und ein paar Meter davor eine Seitenstraße über ein Nachbardorf zu nehmen, was wir dann auch taten. Der Weg war auch weniger stürmisch weil er durch viele Hügel geschützter war. Als wir angekommen waren, erzählte Großmutter was passiert war. Meine Mutter schalt meinen Vater aus, was daran so schlimm gewesen wäre, wenn ich eine Nacht bei Großmutter übernachtete hätte. Großmutter blieb bis spät am Abend bis der Sturm sich beruhigt hatte.

Am Tag danach konnte man vom elterlichen Haus aus eine gewaltige Schneise auf dem gegenüberliegenden Berg erkennen, die der Sturm durch den Wald gerissen hatte. Die Bäume waren umgekippt wie Streichhölzer. Diese Schäden waren noch über Jahrzehnte sichtbar.

***

Unten könnt ihr eure Antwort eintragen. Mister Linky kann nur Englisch und kennt daher keine ü, ä und ö oder gar é, ê und è. Auch mein ë von Joël mag er nicht. Schreibt entweder Umlaute wie ae ue oder oe und lasst sämtliche Hütchen und Häkchen weg. Wenn ihr es doch tut bildet er nur ein blankes Feld ab.

4 Kommentare

  1. caterina

    Mein schlimmstes Wettererlebnis ist schon rund 40 Jahre her. Das war ein kapitales Gewitter im Gebirge, ganz hinten drinnen im Talschluss, knapp unter dem Gipfel, beim Abstieg. Keine Bäume, nichts, das höher war als wir. Und damals trug man noch Kniebundhosen mit Metallschließe, Rucksäcke mit Metallschließen, Bergstücke aus Metall… Es war unheimlich. Wir haben uns alle flach hingelegt, Rucksäcke und Bergstücke weit weg von uns und haben gewertet, bis es vorbei war. Der Donner kam von allen Seiten, samt Echo, die Blitze sausten nur so über den Himmel und wir sind bis auf die Haut nass geworden. Aber Gott sei Dank ist uns allen nichts passiert.

  2. Trulla

    Am schlimmsten war die Flutkatastrophe im Februar 1962 in Hamburg und Umgebung, von der wohl jeder schon mal gehört hat. Ich war 17 Jahre alt, wohnte in Hafennähe und habe wie nie zuvor und nie danach (Überschwemmung des Fischmarkts ist beinah jedes Jahr ein gewohntes Bild) überflutete Straßenzüge, in denen man hätte Boot fahren können und vollgelaufene Kellerräume gesehen. Aber das war natürlich gar nichts im Vergleich zu dem, was Mitschülerinnen erlebten, die auf der anderen Elbseite in Altenwerder und Moorwerder wohnend, um ihr Leben und das ihrer Angehörigen kämpften. Eine auf dem Dach ihres Hauses, bis sie dort von Rettern abgeholt wurden. Eine andere, die zusammen mit ihrem Vieh, das die Familie mühevoll in die oberste Etage ihres Hauses verbracht hatten, die Nacht verbrachte. Glücklicherweise überlebten beide Mädchen mit ihren Familien, verloren aber in der Folge für immer das Zuhause. Wir Mitschülerinnen erfuhren von diesem Drama erst viel später, weil sie lange fehlten.
    Ich selbst war zwar keinen Moment in Gefahr, aber die Bilder haben sich tief eingeprägt. Erst in der dritten Nacht der Sturmtage traute ich mich zusammen mit einem Freund durch die Straßen zu gehen, um zu fotografieren.
    Das war meine erste Erfahrung, die Macht der Natur nicht zu unterschätzen.
    Später habe ich zusammen mit meinem Mann auf einer Reise durch Jugoslawien eine Nacht mit Blitzen und markerschütterndem Donner direkt über uns erlebt – so heftig, dass die Erde unter uns bebte. Ich hatte Angst, nicht heil da raus zu kommen, rechnete mit Blitzeinschlag oder Zusammenbruch der Hütte. An Schlaf war überhaupt nicht zu denken. Aber am nächsten Morgen waren nicht nur wir sondern auch die Natur erschöpft und es herrschte eine ungeheure Stille.
    Ich fühlte, was ich auch heute in der Pandemie empfinde: eine Art von Ausgeliefertsein gegenüber etwas Größerem.
    Da werde ich demütig, aber ohne religiösen, esoterischen oder sonstwie spirituellen Hintergrund.

  3. Die M.

    Bei mir war es „nur“ der Orkan Lothar 1999. Seitdem ist mir bewusst, dass man bei Unwetter von Bäumen erschlagen werden kann.

    Zweiter Platz: Ein Blitzeinschlag mit Loch im Dach im Haus meiner WG, aber ohne Verletzte. Das Geräusch war unglaublich laut und ich hatte zunächst nicht verstanden, was passiert war.

    Die M.

    • Die M.

      P.S. Für meine Mitbewohnerin war es der zweite Blitzeinschlag ihres Lebens…

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