Fressen, Kunst und Puderquaste

Ein Ausflug nach Metz & Zone of Interest im Kino

Vielen lieben Dank für all die Glückwünsche zum Bloggergeburtstag. Ich habe mich sehr darüber gefreut.

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Am Dienstag blieb ich sehr häuslich.

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Den Mittwoch dann musste ich früher raus wegen einem Fernsehtermin in Metz im Centre Pompidou. Auf dem Programm standen zwei Ausstellungen. eine über Lacan, wenn Kunst auf Psychoanalyse trifft. Und eine etwas ältere Ausstellung Bonne Chance, die ich auch schon hier gezeigt hatte, aber weil sie halt recht spektakulär ist, wollte ich sie auch fürs Fernsehen haben.

Sehr interessant war, dass es auf den beiden Fotos oben so aussah, als ob ich wie ein Geist auf der Couch eines Psychiaters sitze. Die Ausstellung von und über den Psychoanalisten Lacan ist intensiv und sehr vollgepackt. Es gibt über 300 Kunstwerke zu sehen und wenn man alles intensiv studieren möchte, würde man sehr viele Stunden damit verbringen.

Um so schöner und luftiget die andere Ausstellung bei der ich sehr froh war sie noch einmal zu sehen.

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Am Abend ging ich ins Kino mit der D.

Auf dem Programm: The Zone of Interest.

Ich kam mit sehr gespaltenen Gefühlen aus dem Film. Ich verstand schon warum der den Grand Prix in Cannes gewonnen hatte und warum er der Anwärter auf ein paar Oscars ist.

Der Film versucht künstlerisch immer wieder Momente einzufügen, die einem das Grauen bewusst werden lassen, zeigt sie aber nie explizit. Im Gegenteil, es spielt mit dem Trick dass das Ungezeigte umso schlimmer beim Zuschauer wirkt. Durch den ganzen Film hindurch hört man ein dumpfes Brummen der Verbrennungsöfen, das man Tag und Nacht auf dem Anwesen der Familie immer mitschwingt. Auch alle Protagonisten tun so, als ob das völlig normal wäre, was da auf der anderen Seite der Lagermauer passiert und haben ein gutes, luxuriöses Leben. Nur ab und an blitzt bei manchen etwas auf, das erahnen lässt dass sie ein Gewissen haben.

Man kann eigentlich nur sehr wenig über die Handlung erzählen, denn sie ist fast banal. Doch aus dieser Banalität eines Familienlebens heraus erwächst für den Zuschauer das, was er nie sieht, nur gelegentlich hört und das auch nur von weit entfernt und mitunter leicht verfremdet.

Ich kann verstehen warum der Film als Meisterwerk gepriesen wird und doch frage ich mich ob das reicht. Ich weiß es nicht. Es wäre schön wenn ein paar meiner Leser ihn sich ansehen würden und mir ihre Meinung kundtun, denn sehenswert ist er allemal.

3 Kommentare

  1. Sabine B.

    Ich habe viel über den Film Zone of Interest gehört und kann verstehen, dass er als Meisterwerk angesehen wird, ich vermute, zu Recht. Ich werde ihn mir, glaube ich, nicht ansehen (können). Ich besuchte im Dezember 2006 Auschwitz-Birkenau und genau dieses Nebeneinander von Schönem und Ur-Bösem dort vor Ort, das im Film gezeigt wird, fand ich Jahrzehnte später auch vor und es war verstörend. Der Ort selber richtig hübsch, wäre da nicht Lager 1. Das 3km entfernte Birkenau, gross und weit und mit vielen namensgebenden Bäumen, fast idyllisch, wären da nicht genau das Tor des Todes und die Bahnschienen, die ins Vernichtungslager führen. Wäre da nicht das Wissen um die furchtbaren Greueltaten.

    • Joël

      Aber gemau das Explizite, also dass was Sie binnen der Lagermauern gesehen haben, fehlt ja im Film. Das sieht man nie. Und weil ich das auch nie gesehen habe, kann ich nicht abschätzen ob es nötig ist oder nicht. Darum stellte ich ja die Frage ob das was man im Film davon mitbekommt, reicht oder nicht.

      • Sabine B.

        Und ich glaube, dass man das Explizite im Fall Auschwitz nicht sehen muss, da wir alle wissen, Bilder davon gesehen haben, was dort Millionen von Juden, Sinti und Roma, angetan wurde. Dies nicht zu zeigen, sondern nur anzudeuten, es ist immer gegenwärtig in Form von einem Soundtrack, empfinde ich als fast genauso schlimm. Die Fantasie, der Geist, machen sich dann immer selbständig und füllen das nicht Gezeigte oder Gesagte mit Grauen aus. Mich würde auch interessieren, wie andere diesen Film wahrnehmen, ob es reicht.

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