Fasten – Tag 10

Da mir am Tag davor ja etwas langweilig war peppte ich mir diesen Tag etwas auf einer Fahrt nach Konstanz. Ich nahm gleiche Fähre wie das letzte Mal. Konstanz an sich ist eine schöne Stadt doch weil ich mir keinen rechten Plan zurechtgelegt hatte, ließ ich folglich ein wenig planlos herum. Das Sealife wollte ich mir nicht antun, allein schon die aggressive Werbung dafür lässt mich davor zurückschrecken.

Impressionant fand ich die riesige Statue am Eingang des Hafens.

Erstaunt las ich bei Wikipedia dass die Statue ziemlich neu ist und es der gleiche Künstler ist der auch den Springbrunnen in Überlingen herstellte. (Den ich noch ablichten muss.)

Zeitig zum Abendmahl war ich dann wieder in der Klinik.

Fasten – Tag 9

Habe am Abend etwas mehr an Essen gedacht als sonst. Ich habe mich wirklich nach was Handfestem gesehnt. Etwas mit mehr Geschmack als Suppe die nur nach reiner Suppe schmeckt und kein einziges Kräutlein enthält. Man hatte mir aber auch prophezeit dass ich am neunten oder zehnten Tag einen kleinen Einbruch in der Motivierung erleiden könnte.
Tja, schon passiert.

Ich habe mir heute morgen aber, etwas zur Motivation gekauft. Ein neues Hemd und eine neue Hose, die beide eine Kleidergröße kleiner sind. Das Hemd passt schon, aber die Hose zwickt noch kräftig im Bund. Bis ich hier weg bin MUSS sie passen.

Da mir heute wie gestern etwas langweilig war, habe ich beschlossen morgen einen Ausflug nach Konstanz zu machen mit der Fähre. Ich werde also wieder einen Tag blau machen. Ohne zu sündigen. Versprochen.

Fasten – Tag 8

Die schöne Abwechslung von gestern ließ den heutigen Tag ein wenig langweilig erscheinen obwohl er es nicht war. 2 Stunden schwimmen mit einer zusätzlichen halben Stunde Wassergymnastik waren heute die Ausbeute, was das Sportliche angeht. (Wer mich persönlich kennt, weiß dass ich total unsportlich bin und nicht die geringste Ambitionen habe eine Olympiade anzutreten.) Der Rest ist Wandern.

Heute zum ersten Mal in meinem Leben ein Psychotherapie Stunde gehabt. Die Stunde hat mir so viel gebracht wie selten ein Gespräch zuvor.

Den Roman von Robert Galbraith „Der Ruf des Kuckucks“ ausgelesen. Sehr schön und der Schluss sehr unerwartet. Ich habe mir daraufhin den Roman von Joanne K. Rowling (den Robert Galbraith ist ein Pseudonym von ihr) „Ein plötzlicher Todesfall“ gekauft.

Alles andere was ich an Lesestoff mitgeschleppt habe muss jetzt warten.

Fasten – Tag 7

Es ist schon komisch aber heute fängt das Fasten an ein Selbstläufer zu werden, sagt man. Da ich eine lange Tour zur Insel Mainau vorgesehen hatte, kam es mir auch die ersten Stunden so vor.

Ich fuhr von Überlingen aus mit dem ersten Schiff zur Mainau hinüber. Lustigerweise war ich der erste Gast der die Insel betrat.
Wenn man jemandem erklären soll warum diese Insel so toll ist, wird es schwer. Man muss sich schon für Pflanzen, Tiere und Natur im Allgemeinen interessieren, sonst ist ein Besuch überflüssig. Es ist ein großer Wanderpark mit traumhaften Anlagen. Es sind aber auch Sammlungen von Pflanzen, zum Beispiel Rosen. Buschrosen, Kletterrosen,… ich habe die Sorten nicht gezählt und ich mag mich verschätzen aber um die 200 sind es bestimmt. Es ist ein Sehr schön angelegter Schmetterlingsgarten. Es ist ein riesiges Palmenhaus. Es sind sie Mammutbäume.

Ich war bis in dem späten Nachmittag dort. Eine schöne Abwechslung zum Kuralltag.

Fasten – Tag 6

Der Tag fing zum Heulen an.
Es regnete nicht nur es goss wie aus Eimern. Ich hatte mit vorgenommen dass ich die morgendliche Wandertour mitmachen wollte, doch als bei dem Wetter ließ ich es bleiben. Eine Stunde später begab ich mich zum alltäglichen Gesundheits-Check und gegen 9 Uhr in eine Kneip Anwendung. Es war etwas was ich unbedingt einmal ausprobieren wollte. Dieses heiß / kalt Abbrausen brachte mich derart auf Touren dass ich nicht mehr länger rumsitzen wollte, sondern musste etwas TUN. Spazieren bei dem elenden Wetter war keine Option, also entschied ich mich eine Spritztour durch die Gegend mit dem Auto zu machen.
Ich entdeckte ohne dass ich auf eine Karte gesehen hätte, ein prunkvolles Gebäude das ganz allein mitten in der Landschaft steht und man weiß nicht so recht was das soll. Ich bog von der Hauptstraße ab merkte bald, dass es eine ziemliche Attraktion ist weil gleich neben dem Gebäude ein großer Parkplatz sich mich Wagen füllte.

Kolster Birnau

Die Kirche im Mittelteil kann man besichtigen. Die überschwängliche barocke Einrichtung ist kaum zu übertreffen. Leider konnte ich sie nicht ablichten da es verboten war. Doch wenn ich allein gewesen wäre hätte ich es getan.

Die Rückfahrt würde eine Bewährungsprobe der härteren Art. Durch eine Umleitung musste ich durch eine Handwerks- und Handelszone fahren. Bei einem der Supermärkte befand sich ein Hähnchengrillstand. Der Duft von gebratenem Geflügel verbreitete sich Wageninnenraum und ich war kurz davor beizudrehen und mir ein halbes Hähnchen zu kaufen.
Solche Versuchungen gibt es jeden Tag und es kostet mich unglaubliche Überwindung ihnen nicht nachzugeben.
Vom sogenannten Selbstläufer Effekt spüre ich noch nichts.

Fasten – Tag 5

Ich sitze in meinem Zimmer in der Klinik das übrigens einen exzellenten WLAN Anschluss hat und soll über den gestrigen Tag schreiben. Draußen schüttet es was der Himmel hergibt…

Gestern war zum ersten Mal die Sonne zu sehen und ich war so guter Dinge wie schon lange nicht mehr.
Zweite Sprechstunde mit meinem Arzt. Meine Blutwerte sind fast alle ok.
Ein Bummel durch Überlingen mit einer Tasse Tee im Café Aran.
Ein Stunde Schwimmen.
Mittags ein Glas frischen Apfelsaft.
Nach dem Leberwickel, noch mal ein Tee.
Dann, weil das Wetter so schön war, nochmal eine Stunde Schwimmen, in der ich voll in die Stunde Wassergymnastik reinplatzte. Ich machte mit und es war sehr lustig zumal die Übungen recht leicht waren.

Kurbekanntschaften:
Es ist erstaunlich wie viele verschiedene Nationen hier vertreten sind. Der größte Anteil machen französisch sprechende Gäste aus.
Als ich vor ein paar Tagen die Hausführung machte, fragte mich die Gästebetreuerin ob es für oh wäre bei der französischen Tour mitzumachen. Ich musste lustigerweise mehrfach übersetzen da das Vokabular der Dame doch recht spärlich war. Dabei lernte ich zwei Damen aus Besancon kennen. Wir nahmen die letzten Tage immer zusammen unsere Mahlzeiten ein, (wenn man das als Mahlzeiten beschreiben kann)und somit spreche ich hier mehr Französisch als ich je gedacht hätte
Eine Tischnachbarin ist aus Soest und Lehrerin für Kunst an der Grundschule. Mit der habe ich bis jetzt den besten Draht.

Ich erwischte mich mehrfach beim Gedanken an Essen. An kleine köstliche Dinge, sowie…. lassen wir das. Meinem Arzt zufolge sollte sich das ab dem vierten Fastentag geben. Und dann würde es zum Selbstläufer werden.

Fasten – Tag 4

Das Wetter ist echt zum Heulen, es tat meiner gehobenen Stimmung aber keinen Abbruch. Ist das bereits die Euphorie Phase?
-Eine Einführung über Buchinger und das Haus mitgemacht.
-Etwas später dann eine Aromatherapie Massage, die richtig gut war und obwohl ich einen Anti-Stress-Gute-Nacht Duft gewählt hatte war ich nach der Massage in Hochform.
Der Einlauf und die Leberwickel werde ich nicht mehr erwähnen, sie gehören zum täglichen Programm.

Der Nachmittag kündigte sich trockener an und wagte den zweiten Versuch Überlingen zu erkunden.
Überlingen scheint, von dem was ich am vierten Tag sah, ein sehr hübsches Städtchen zu sein. Mit vielen Boutiquen und malerischen Plätzen. Eine kleine Tour durch Innenstadt ließ mich an dem Kaffee vorbei laufen, das mir auch gestern schon ins Auge stach. Dieses Mal jedoch ging ich hinein bestellte mir eine Tasse Tee. Seltsamerweise hatten all die Leckereien nicht die geringste Wirkung auf mich. Jedoch besann sich dass Wetter eines anderen und es fing an wieder zu regnen als ich aus dem Kaffeehaus kam (und wenn ich Regen sage, dann meine ich keinen Niesel- oder Sprühregen, sondern so richtig mit Eimern) und so wurde aus der längeren Wanderung am Bodensee nichts.

Fasten – Tag 3 – Abführtag

Heute ist der erste richtige Fastentag. Es sollte heute morgen mit Glaubsaltz beginnen, aber da ich gestern schon wahnsinnige Kopfschmerzen hatte, riet man mir es mit einem Einlauf zu tun, da Glaubersalz die Kopfschmerzen verstärkt. Einläufe werde ich drei Stück bekommen, heute, morgen und übermorgen. Ganz angenehm ist es nicht aber jetzt nicht soooo schlimm, wie von manchen gesagt wird.

So schlecht wie ich mich gestern fühlte so gut es mir heute. Die Kopfschmerzen sind weg, obwohl ich immer noch ein ganz leichtes Wummern (anders kann ich es nicht beschreiben) im Kopf habe.
Die Leberwickel die ich nun jeden Tag bekomme sind auch sehr angenehm, obwohl, da ich liegen muss etwas langweilig. Irgendwie fahre ich im Kopf immer noch mit dem Tempo das ich sonst gewöhnt bin, aber das wird vielleicht noch ein paar Tage dauern bis ich runter komme.

Ich war schwimmen. Die Kurklinik besitzt ein beheiztes Schwimmbad außen das zu jeder Jahreszeit benutzt werden kann. Man schwimmt durch Wasserdampfschwaden in angenehm warmen Wasser bei Regen und Wind.

Ich habe eine kleine Wanderung durch Überlingen gemacht, die aber nicht viel Spaß machte da es beständig regnete. Ich hätte mich auch in Kaffee setzen können, aber die Versuchung wäre zu groß gewesen.

Fasten – Tag 2 – Entlastungstag

Sitze an meinem pikfeinen Schreibtisch. Es regnet. Seit gestern Abend nachdem ich hier vor der abseits gelegnen Villa noch ein wenig im Garten gelesen habe, regnet es ununterbrochen. Der Entlastungstag ist der Tag der eigentlichen Aufnahme und der Therapieplanung. Ich bin gespannt und habe zugleich Bammel.

Mein Frühstück bestand aus aus Obst. Um 10:00 habe ich eine Hausführung durch alle Gebäude, damit ich mich später zurecht finde, dem seltsamerweise ist hier alles nur sehr spärlich beschildert.

Den Rest erzähle ich später.

Fasten – Tag 1 – Ankommen

Nachdem ich heute morgen noch schnell mit links ein Fotoshooting absolvierte, fuhr ich los. 400 km.

Die Strecke fuhr sich prächtig, vor allem das Teilstück durch Frankreich über Maut Autobahnen. Viel habe ich noch nicht von Überlingen gesehen weil ich ziemlich müde war und einfach nur auf mein Zimmer wollte. Die Klinik ist eine relativ großer Komplex bestehend aus mehreren Gebäuden. Ich habe ein Zimmer in einer älteren Villa etwas abseits von allem was mich aber nicht stört, im Gegenteil.
Jetzt verstehe ich auch warum die ganze Kur so teuer ist. Es ist hier alles so ziemlich vom Feinsten. Ich bekam das Gepäck auf’s Zimmer gebracht, die Möbel im Zimmer sind alle sehr edel. Man wird sehr zuvorkommend und hochherrschaftlich behandelt.

Heute wurde noch nicht gefastet, es gab ein leichtes Abendessen, bestehend aus einem Spinatsalat der ziemlich lecker war und einer Art Kartoffel Lasagne die mir nicht besonders schmeckte.

Eine Sache ist besonders blendend. Das WLAN ist super.
Ich kann meine Radiosender hören ohne irgendwelche Störungen.

Fasten

Im November oder Dezember letzten Jahres sah ich eine Reportage über das Fasten. Nicht das Fasten im religiösen Sinne, sondern das Fasten als Heilmethode.
Wer die letzte Zeit hier mitgelesen hat wird mitbekommen haben, dass meine Familie binnen kurzer Zeit um zwei Mitglieder geschrumpft ist. Daher auch die langen Aussetzer zwischen den Postings weil ich einfach nicht in der Lage war über irgendwas zu schreiben und sei es nur das Wetter. Mein Leben ist schon schwierig genug allein von Berufswegen, doch wenn das familiäre Umfeld, auf das man sich immer verlassen konnte, plötzlich weg ist, wird es richtig schwer. Ganz zu schweigen von der Trauer, der Enttäuschung, der Wut bisweilen und innerlichen unendlichen Einsamkeit.
Versteht mich nicht falsch, ich habe einen recht großen Freundeskreis der mich unterstützt so gut wie es geht und sie sind mir die Liebsten die ich zur Zeit habe, doch können sie nicht das ersetzen was ich verloren habe.

Ich habe somit beschlossen mich einer 21 -tägigen Fastenkur zu unterziehen in einer Klinik in Überlingen am Bodensee.

Am Montag geht es los und hoffe dass ich einerseits zur Ruhe komme, wieder zu mir finde und andererseits versuchen werde, wieder jeden Tag zu schreiben, so wie ganz am Anfang als mit Bloggen anfing, vor über 10 Jahren im Januar 2004.

R.I.P.

Ihren letzten Geburtstag hatte ich organisiert, mit allen Freunden und Bekannten und sie war richtig glücklich darüber.
„… und dann wird richtig gefeiert!“, sagte sie noch vor kurzem zu einer Bekannten, die sie nach ihrem 100. Geburtstag nächstes Jahr fragte.
Doch ihr kleiner gebrechlicher Körper entschied anders…

Äddi Bomi.

Zum Vatertag, zum Männertag.

Vor sehr sehr langer Zeit bestellte ich mal für einen runden Geburtstag, eine Champagnerflasche dort mit Gravur. Als das Teil an dann ankam war ich sehr enttäuscht, weil das Ding potthässlich aussah. Der Beschenkte freute sich oder ließ es sich nicht anmerken was für ein Mist ich gekauft hatte. Nun ja.
Der gleiche Geschenkshop schickt mir IMMER noch Newslatters so wie jetzt zum baldigen deutschen Vatertag. Im Luxemburg wir er später im Jahr gefeiert. Wenn ich sehe was die als Geschenkvorschläge machen, die halten Männer und Väter für wurstfressende grölende Saufköppe.
Aber seht selbst.

Schnaps-Wurst Kräuterlikör – 20 ml

Bierflasche im Bierglas – 400 ml
Nostalgisches Barschild aus Blech mit Vorname
Aufblasbare Bierkühler als Bierkrug
Feierabendhammer – Bieröffner mit Gravur
Schnapsglas Stiefel Transparent – 40 ml
Flaschenöffner mit bedrucktem Holzgriff *Männertag*
Auchentoshan Whisky Geschenkset mit 2 Gläsern und 3 Whiskys

Die einzigen beiden Geschenke für den Papi die nicht zum Saufen waren, waren für die Wurst:
Schneidebrett aus Glas Tablet Pad 40 x 30 cm
3-teiliges Grillset mit gravierten Koffer

Und das war alles was die in der Newsletter für Väter und Männer anzubieten hatten. Wurstfressen und Biertrinken.
Wenn wir in den Achtzigern wären und ich hieße Al Bundy, wäre ein Geschenk schöner als das andere…

Ich glaube, nein ich glaube nicht nur, ich bin fest überzeugt davon dass ich die Newsletter des Geschenkeshops  abbestellen werde.

Nachruf auf eine Freundin 2

Das Wochenende verbrachte ich mit Freunden vor dem Fernseher mit ESC gucken. Mein Lieblingslied, das nicht gewonnen hat sondern auf Platz zwei landete, war die Niederlande mit The Common Linetts und Calm after the Storm.
Ein Lied dessen Text mich umhaute, weil er genau auf diese zwiespältige Situation passt in der ich ich befinde.
Sie war eine gute Freundin und tolle Arbeitskollegin über lange Jahre bis sie dem Alkohol ganz verfiel.
Es zerstörte alles.

Driving in a fast lane
Counting boundary marker signs

The empty seat beside me
Keeps you on my mind

Living in a heartache
There is something I pursue

I can keep on chasing
What I can be for you

Oooo skies are black and blue
Thinking about you
Here in the calm after the storm

Tears on a highway
Water in my eyes
This rain ain’t gonna change us
So I used to cry

I can say I’m sorry
But I don’t wanna lie
I just wanna know if staying
Is better than goodbye

Oooo skies are black and blue
Thinking about you
Here in the calm after the story

Oooo after all that we’ve been through
There ain’t nothin’ new
Here in the calm after the storm

Baby I can find you
Down this broken line
Maybe you can find me
I guess we’ll know in time

Oooo skies are black and blue
Thinking about you
Here in the calm after the storm

There ain’t nothing new
Here in the calm after the storm

Nachruf auf eine Freundin

Gestern Morgen erreichte mich die Nachricht dass sie gestorben ist.

Ich hatte hier mal in einer Jahresbilanz erwähnt dass ich Leute aus meinem Leben entfernt habe.  Sie war diejenige die ich definitiv nicht mehr sehen wollte, mit der ich keinen Kontakt mehr haben wollte, die mir die Seele fraß.

Ich lernte sie 1995 kennen im ersten Kulturjahr von Luxemburg. Ich fand damals eine kleine Notiz in der Zeitung in der sie im Kasemattentheater Schauspielkurse anbot, für jedes Alter. Ich war zur der Zeit sehr unglücklich, hatte mich beruflich verrannt und war auf der Suche nach mir selbst. Die Schauspielkurse waren für mich wie eine Offenbarung. Mir wurde klar wo ich in meinem Leben falsch abgebogen war. Schnell wurde mir aber auch klar dass ich, wenn ich in jungen Jahren mit Schauspiel begonnen hätte, denn Beruf hätte ergreifen können, es jedoch jetzt zu spät war. Doch das Theater sollte meine Zukunft werden.

Sie wurde eine meiner besten Freundinnen. Sie führte mich in die Profi Theaterwelt ein und ich wusste meine Chance zu nutzen. Es war eine schöne Zeit. Ich wurde als Inspizient eingesetzt, fuhr während der Vorstellungen das Beleuchtungsprogramm und war, wenn nötig, als als Friseur tätig.

Sie war meine Eintrittskarte in die Welt in der ich immer sein wollte.

Mit den Jahren trennten und kreuzten sich unsere Wege in diversen Projekten und Theatern. Sie war eine die beste deutschsprachige Schauspielerinnen die Luxemburg aufzuweisen hatte.

Vor ein paar Jahren wurde sie geschieden. Die Ehe sei zerrüttet und man munkelte dass sie an der Flasche hing. Sie rappelte sich auf und ergriff wieder ihren ersten erlernten Beruf als Lehrerin, den sie zwar gelernt aber nie richtig ausgeübt hatte. 2008 stand sie zum letzten mal auf der Bühne. Doch sie beklagte sich dass es ihr zu viel sei. Schauspielerei und Unterricht an der Schule könnte sie nicht miteinander vereinbaren.

Unsere Freundschaft fing an auf wackeligen Beinen zu stehen und ihre Alkoholsucht machte ihr immer mehr zu schaffen. Ich habe sie damals nie richtig darauf angesprochen weil sie es gut zu verbergen wusste und sie jeglichen Vorwurf dieser Art energisch von sich wies. Doch mit den Jahren, wurde sie immer unzuverlässiger. Wenn sie mich anrief lallte sie oft etwas zusammen am Hörer was unverständlich war. Es war fast wie Telefonterror, denn sie rief zu den unmöglichsten Uhrzeiten an.

Irgendwann letztes Jahr, als auch über meine Familie dunkle Wolken zogen und mir klar wurde dass meine Mutter bald nicht mehr sein würde, schrieb ich ihr einen Brief in dem ich ihr die Freundschaft offiziell kündigte. Ich dachte dass es ihr ein Schock versetzen würde und sie endlich eine Entziehungskur machen würde.

Sie rief mich ein paar Tage später an und sagte mir nur dass sie meinen Brief „verstanden“ hätte. Doch es änderte sich nichts. Sie rief nach wie vor zu unmöglichen Zeiten an und lallte mir auf den Anrufbeantworter da ich nicht mehr abhob. Ab und an hob ich doch ab und sie erzählte mir dass sie nun in ambulanter Behandlung sei, was ich ihr nur halbherzig glaubte.

Gestern rief eine Bekannte an und sagte mir dass sie gestorben sei. Man hätte sie leblos in ihrer Wohnung gefunden. Sie wäre unglücklich gestürzt.

Hin und her gerissen zwischen Trauer, Wut und Enttäuschung, sitze ich nun hier und gedenke der Frau die mir so sehr geholfen hat und für die ich nichts tun konnte.

Tschüss C.
Ich hoffe dort wo du bist hast du es besser und bist von deinen Dämonen befreit.

Romananfänge

Oh, ja. Davon habe ich so einige. Gezählt habe ich sie nie, und manche davon sind im Nirvana zusammen mit allen PC und Laptops die ich schon in meinem Leben besaß, verschwunden.

Manchmal findet sich einer wieder auf irgendeiner uralten Backup CD. Einer der es geschafft jede Neuerung der Speichermedien zu überleben. So fiel mir eben einer auf der mir so fremd vorkam als hätte ich ihn nie selbst geschrieben. Es war der Anfang eines Krimis.

Heute nach unzähligen Jahren des Bloggens und anderer Schreibtätigkeiten, kann ich Romananfänge mal kurz eben aus den Ärmel schütteln, ohne lange zu überlegen.

Wie man das macht, fragt ihr?

Ganz einfach: hier ist einer.

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Edna stieg aus dem Auto. Sie betrachtete das kleine Wochenendhaus auf der anderen Straßenseite. Sie holte tief Luft und ließ noch einmal ihren ganzen Plan Revue passieren. Sie musste jetzt einen klaren Kopf behalten und ja nichts vergessen. Es würde alles sehr schnell gehen. In weniger als zwei Minuten würde sie wieder ins Auto steigen und wegfahren. Doch dann kamen ihr wieder, wie so oft in den letzten beiden Tagen, die Zweifel in die Quere. War es wirklich das Richtige? Ja, es war das einzig Richitge. Alternativen gab es keine.
Sie ging zu Haustür und klopfte. Es dauerte eine Weile bis sie ein Geräusch von innen hörte. Edna klopfte noch einmal, diesmal eine Idee heftiger. Sie merkte wie ihre Handflächen feucht wurden. Jetzt keinen Fehler machen, dachte sie.
Die Tür ging auf. Edna fasste in ihre Jackentasche und zog den Revolver hervor…
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Geschmacklose Schaufenster

In der lockeren Reihe die ich bereits zu Weihnachten angefangen habe, zeige ich Schaufenster die an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten sind.
Heute: Ein Herrenschneider.
Was man auf dem Bild nicht sieht, die Anzüge in grau und kakifarben sind nicht aufgbügelt und haben den Flair von Sträflingskleidung. Ein Freundin von mir ging soweit zu behaupten es sei KZ Kleidung.
Der Knaller ist aber der meiner Meinung nach echte ausgestopfte Leopardenkopf.
Merke: Taxidermie Kunst im Schaufenster ist nicht umsatzfördernd.

Brücken

Wenn Ich die letzte Zeit wenig hier schreibe, dann hat das damit zu tun, dass ich anderweitig zur Zeit mehr schreibe.
Was das genau ist kann ich erst sagen wenn es fertig ist.

Ich wanderte gestern zum ersten Mal in diesem Jahr durch das Petrustal.

Ich ging diesmal einen anderen weg hinunter und entdeckte das hier. Gemeinschaftsgärten. Eine sehr schöne Idee. Das Schild steht schon mal da. Jetzt müssen Taten folgen.

Es haben sich ein paar Dinge verändert. Die zweite blaue Brücke steht inzwischen fertig und ist kurz davor den Pont Adolph abzulösen, die dann während zwei Jahren eine Rundumrenovierung erhält.

Als ich näher an die blaue Brücke kam kribbelte es mir in den Fingern die Leiter im Mast hochzusteigen. Aber vom Kribbeln bis in die Tat umsetzen ist ein weiter Weg, abgesehen davon dass es streng verboten ist.

Ich finde immer wieder neue kleine lauschige Plätzchen so wie diesen hier.

Eine weitere Neuerung ist dieses Outdoorfitness Gehege, das mit allen Foltermaschinen bestückt ist die man auch im Fitnesscenter findet. Mit dem Unterschied, dass sie hier gratis zur Verfügung stehen.

Über das Tal hinweg führt noch eine weitere Brücke; die Passerelle, weitaus weniger schön als die andere.

Als ich näher kam gefror mir das Blut in den Adern. Am Fuß der Brücke lagen Blumenkränze noch recht frisch…
Wie verzweifelt muss ein Mensch sein…furchtbar.

Whatsin & Whatsout: Whatsapp

Für alle die, die meine Telefonnummer haben; ich habe die Whatsapp rausgeschmissen und mir stattdessen Telegram installiert. Sie ist kostenlos, im Aufbau genau wie die Whatsapp jedoch mit der Zusatzfunktion eines Secret Chat. Hauptsache sie gehört NICHT Faceook! Die wissen eh schon genug über mich. Sie müssen nicht auch noch meine ganzen Text Messages lesen.

Mal schnell eben

Ab und an passiert es, dass ich Jobs bekomme die von heute auf morgen bewältigen muss. Meistens gilt es für jemand einzuspringen. Das ist bisweilen sehr spannend wenn die ganzen Maskenarbeit nicht vorab sauber dokumentiert wurde.

So auch gestern. Ich sollte eine Oper übernehmen von einer Kollegin die inzwischen nach Berlin gezogen ist. Ohne der Kollegin etwas unterstellen zu wollen, hatte sie nichts, rein gar nichts dokumentiert, kein Ablauf, keine Umzüge.  Die einzigen Anhaltspunkte die ich hatte, waren ein Video und eine Reihe Fotos von der Aufführung. Wenn die Show nicht allzu aufwendig ist klappt das ganz gut sich den Ablauf hinter der Bühne neu zusammenzureimen. Jedoch kannte ich keinen der Sänger.

Und so fuhr ich gestern Nachmittag mit einem etwas flauen Gefühl im Magen zum Spielort. Die Spielstätte selbst ist alles andere als ideal für Opern und ich null Ahnung von nichts. Sie hatten keinen Inspizient, keine Ankleider oder Requisiteure.

Doch es kappte alles erstaunlich gut. Das ganze Ensemble war sehr nett. Und wie es scheint war meine Maske besser als die von der Kollegin davor…

Beim Griechen

Noch nie hatte ich so viele rückwärts gewandte Gedanken wie die letzten Tage. So wie jetzt eben beim Griechen. Ich hatte Lust auf Griechisch was selten vorkommt. Ich hatte Lust auf Hammel (Aber auf Hammelfleisch habe ich immer Lust. Von mir aus könnte das Schein restlos gestrichen und durch Hammel ersetzt werden.)

Das Restaurant war spärlich besetzt. Außer mir waren nur drei andere Tische besetzt. Zwei Männer etwas weiter weg sprachen eine Sprache die ich nicht zuordnen konnte. Etwas näher an meinem Tisch saß ein Paar das luxemburgisch sprach. „Nein“, sage sie, „Ich habe wirklich große Angst vor dem Meer. Ich geh da nicht rein.“  Und als ob es Klick gemacht hätte fühlte ich mich 26 Jahre zurück versetzt, als ich in Cannes in Urlaub bei einem Cousin meiner Mutter war. Es war Anfang Oktober und es war warm, das Wetter wunderschön. Ich wanderte durch die Stadt deren kleinste Gassen ich längst schon alle erkundet hatte. Ich ging ins Kino. Es lief Le Grand Bleu (Im Rausch der Tiefe) ein Film den ich in diesem Urlaub dreimal gesehen hatte. Ich kam aus Saal, ging hinunter zum Strand, setzte mich auf einen Steg (ich glaube es war er vom Carlton) und schaute aufs Meer hinaus. Ich wollte in Fluten springen, ich wollte Delfine sehen. Eintauchen in dieses tiefe dunkle Blau das mir so gar nicht kalt vorkam. Es war einer der größten Sehnsuchtsmomente den ich je verspürt habe. Und immer wenn ich den Film später noch einmal sah, war dieses Gefühl wieder so gegenwärtig wie damals.

Und der Mensch heißt Mensch

Ich lese täglich Blogs, dabei sollte ich selbst ein wenig mehr schreiben.

Es ist inzwischen Februar und ich bin in einer transitorischen Phase die selber nicht verstehe. Tage kommen und gehen. Die Zeit heilt Wunden und wird es richten. Der Alltag nimmt seinen Lauf. Die Arbeit hat mich fest im Griff.

Und doch ist da eine Leere, ein leerer Raum ohne Luft und Licht, ein Nichts. Ein Raum der nicht mehr besetzt ist…

Und der Mensch heißt Mensch
Weil er erinnert, weil er kämpft
Weil er hofft und liebt
Weil er mitfühlt und vergibt
Und weil er lacht, und weil er lebt, Du fehlst
Herbert Grönemeyer

Das Restaurant

…über das ich berichten werde, werde ich ganz bewusst nicht namentlich nennen.

Ich kann mich noch verschwommen an das erste mal erinnern als ich dort war. Es war in den Achtzigern und es war Mai. Die Oktave der Muttergottes Wallfahrt hatte begonnen. Tante G. arbeitete für eine Wohlfahrtsorganisation. Das Jahr über war sie zuständig für die Kleiderausgabe an Bedürftige. Während der Oktave gibt es den sogenannten „Märtchen“. Tante G. hatte dort einen Stand ins Leben gerufen, der vor allem Rosenkränze und Götzenbilder verkaufte. Der Stand ging gut, und brachte der Organisation einen ordentlichen Batzen Geld ein. Während der Mittagspause ging Tante G. jeden Tag in dieses Restaurant essen.
Ich begleitete sie manchmal dorthin. Das Gerichte waren alle durchweg sehr französisch, mal von ein paar Luxemburger Spezialitäten abgesehen. Es ging zu wie in einem Taubenschlag. Es war mit die beste Brasserie in der Stadt.

Im Sommer letzten Jahres saß ich ein paar mal dort, weil sie eine schöne große Terrasse haben. Jetzt im Winter ist sie weggeräumt und ich nahm drinnen Platz, seit ewigen Zeiten wieder, eigentlich seit damals. Die Deko hat sich nicht verändert. Es sind noch immer die alten Holzverbtäfelungen, doch etwas heller gestrichen als früher. Die Tischanordnung ist immer noch die Gleiche. Ich nahm dort Platz wo ich früher immer mit Tante G. gesessen hatte. Es waren wenige Tische besetzt. Die Bedienungen sind alle schon fast im Rentenalter. Sehr freundlich sehr zuvorkommend, fast schon so wie man es nicht mehr gewohnt ist. Hier ist nichts locker-leger-loungig. Die Karte hat quasi noch die gleichen Brasserie Gerichte wie damals. Ich aß den Fischteller mit fünf verschiedenen Sorten Fisch in einer kleinen feinen würzigen Sahne Soße mit Reis dazu. Es schmeckte sehr gut.

Ich fühlte mich zurück in eine andere Zeit versetzt. Ich dachte an damals. Ich weiß noch, dass ich mich an einem Tag mit Tante G. dort verabredet hatte für Mittags, nachdem ich morgens ein Examen abgelegt hatte. Ich hatte die ganze Nacht dafür vor den Büchern gesessen mit viel Kaffee und hatte nicht eine Minute geschlafen. Das Erste das ich bestellte war ein Cognac den ich auf einen Schlag hinunter kippte. Der Kellner sah mich verdutzt an, sagte aber nichts und Tante G. staunte, weil sie mich noch nie so angespannt gesehen hatte.

Die Kellnerin die mich bediente, sagte mir irgendwann im Vertrauen dass das Restaurant im Herbst dieses Jahres definitiv die Tore schließen würde. Die Betreiber hätten keine Lust mehr. Und damit schließt auch ein weiteres Kapitel meiner Erinnerungen die Tore und eine Ära geht zu Ende.