Fressen, Kunst und Puderquaste

Das Parfum

Nein, es geht nicht um den weltbekannten Roman von Patrick Süskind (obwohl, eigentlich schon, aber dazu komme ich später) sondern um meinen Spleen mit Düften. Ich habe schon mehrfach über die Jahre hinweg drüber geschrieben und auch ab und zu neu erworbene Düfte vorgestellt. Und bevor jemand fragt, nein, ich bin nicht gesponsert. Es ist mein Spleen, mein Hobby und es kommt mich bisweilen teuer zu stehen.

Ein paar Dinge sollte ich vorausschicken. Ich mache grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Herren- und Damendüften. Moderne Parfümeure machen das schon lange nicht mehr. Auch hier soll Gendergerechtigkeit gelebt werden.

2017 hatte ich mal über mein ersten Erfahrungen mit Parfüm geschrieben. Als ich 2013 in die ganz kleine Wohnung zog, gab ich die Leidenschaft ein wenig auf, denn zum Sammeln von Parümflaschen war kein Platz. Außerdem gefiel mir nichts mehr wirklich, was die gängigen Parfümerien anboten. Alles roch frisch oder blumig und hielt nicht lange. Inzwischen habe ich aber neue Welten von Düften entdeckt, die einen Schritt weitergehen und etwas ‚riskieren‘, was ich sehr spannend finde. Der ganz neue Duft den ich erst vor ein paar Tagen kaufte ist so einer, aber mehr dazu weiter unten. Fangen wir mal mit einer der ältesten Flaschen an die ich habe:

Diese Flasche Marc Jacobs hatte ich mir im KaDeWe gekauft als ich noch mit dem S. in Berlin zusammen war. Es war zu einer unbeschwerten Zeit in der noch sehr vieles anders war und ich auch sehr viel naiver. Besonders an dem Duft war,dass er sehr nach Kokosnuss roch, für Männer zu der Zeit eher unkonventionell. Ich glaube nicht dass es ihn noch gibt.

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Maître Parfumeur et Gantier – Parfum d’Habit. ich habe die Serie von einem kleinen Pariser Parfümeur nie wieder anderweitig gefunden, als in dem winzig kleinen Parfümladen in der rue Louvigny hier in der Stadt. Den kleinen Laden der nur exclusive Düfte hatte, gibt es schon lange nicht mehr. Er erinnert mich ein wenig an einen Duft den meine Tante Gritty sehr mochte und der in den 70ern und 80ern sehr in Mode war. White Linnen von Estée Lauder.

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Auch Gaïac von Martine Micallef, eine der seltenen Frauen unter den Parfümeuren, entdeckte ich in der rue Louvigny. Sehr holzig und leicht süß. Micallef ist auch eine winzig kleine Marke die ich später noch einmal in Düsseldorf fand, aber nirgendwo sonst.

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Wer schon länger mitliest weiß, dass ich so manchen Duft von Fragonard habe. Suivez-moi und Beau Gosse sind zwei davon, die ich immer wieder benutze, wenn auch in letzter Zeit weniger. Die Flasche Emilie nehme ich gar nicht, es sei denn ab und an um auf ein Handtuch zu sprühen das im Badezimmer hängt. Emilie war nicht nur der Vorname meiner Mutter sondern auch ihr Duft. Das oben war die letzte Flasche die sie noch selbst in Südfrankreich gekauft hatte, lange bevor sie krank wurde. Ebenfalls von Fragonard sind die folgenden drei Stück, Encens-Fève Tonka, Poivre und Immortelle:

Alles Düfte die ich nicht mehr so oft nehme nur gelegentlich. Wenn sie leer sind werde ich sie aber nicht mehr nachkaufen.

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Encre Noir von Lalique ist einer der seltenen Düfte, bei der die Marke eigentlich für ein Glashersteller steht und nicht für einen Modeschöpfer. Es war ein Geschenk von meinem Ex. Ich Er hatte sich gemerkt, dass ich den Duft sehr schön fand, als wir einmal beide in einer Parfümerie in Münster waren. Das war dann schon ok. Aber grundsätzlich ist Parfüm als Überraschungsgeschenk keine Option. Das geht nämlich in 90% der Fälle schief.

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Wenn ich die Liebe zu Düften von jemandem geerbt haben soll, dann ist das eindeutig Tante Gritty. Von ihr wußte ich dass es auch Parfüm in fester Form gibt. Estée Lauder gab jedes Jahr zu Weihnachten immer wieder wunderschöne kleine Metalldosen heraus mit einem Duft in fester Form. Daran erinnerte ich mich bei meinem Ersten Besuch in Australien als diese beiden kleinen Dosen fand mit zwei Herrendüften eines ganz winzig kleinen Herstellers der auf einem Markt in St.Kilda. Benutzen tue ich sie nicht wirklich, aber es sind halt schöne Andenken.

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Baraonda von Nasomato hatte ich bei Ludwig Beck in München entdeckt. Ein Duft den ich oft mit auf Reisen nehme, weil die Flasche klein ist und es nur zwei winziger Spritzer bedarf, denn er ist hoch konzentriert.

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Komm en wir zu den baskischen Düften. Grenouille hat sich in den letzten Jahren zu meinem Lieblingsduft für den Sommer entwickelt. Grenouille (Frosch auf deutsch) ist abgeleitet von Familennamen der Hauptfigur von Roman Das Parfum. Oui mais il a aimé, mochte ich anfänglich sehr, es war aber letztendlich ein Fehlkauf. Ich wollte etwas lederig holziges haben, aber er hat auch eine Duftnöte die mir Kopfschmerzen bereitet.

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Das ist eine Rarität die es nicht mehr gibt und das ist sehr schade. Gelle Fra war ein Duft der vom Naturpark Uwersauer in Leben gerufen wurde. Der Mann der das Parfum erfand ist, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, verstorben. Ich hatte vor etlichen Jahren eine der letzten Flaschen ergattert zu einem sehr guten Preis. Es ist eher ein Cologne als ein richtiges Parfum. Viele grüne Kräuter sind die Hauptnote. Ich gehe sehr sparsam damit um.

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Under the Lemon Tree von Margiela hatte ich vor der Panedmie in Sydney gefunden. Sehr zitronig und sehr frisch. Ich mag es immer wenn es draußen sehr heiß ist und die schwereren Düfte mich zum umkippen bringen würden. Die Flasche ist bereits ein Nachkauf hier in Luxemburg, denn die Galerie Lafayette hat ihn im Programm.

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Viele der großen Marken haben inzwischen exklusive Serien die man nicht überall bekommt. Guerlain macht da keine Ausnahme. Cuir Intense und Oud Essentiel sind zwei Stück aus eine Serie von fünf oder sechs Stück. Cuir Intense wurde in den letzten Jahren einer meiner gängigen Winterdüfte auf den ich immer wieder zurückkomme und den ich ich bis jetzt auch nicht genug gerochen habe.

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Ja, die Flasche Fille en Aiguille von Serge Lutens befindet sich noch in der Verpackung. Inzwischen hat das Logo geändert und die Verpackung auch. Den Duft gibt es auch noch immer aber es ist aufgestiegen in der Liga und es gibt ihn nur noch in Paris in ihrem Hauptgeschäft. Alle andern bekommen ihn nicht mehr. Er ist weihrauchig was ich sehr mag. Wenn ich sie irgendwann öffnen werde, muss ich einen Ausflug nach Paris planen, um Nachschub zu kaufen.

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Kommen wir noch einmal zu den geschenkten Parfüms. Zadig & Voltaire ist eine Kleidermarke die auch Düfte herstellt die es aber nur in den Geschäften selbst zu kaufen gibt. Bei Sephora und Co. habe ich ihn noch nie gesehen. Er erinnert mich sehr an die Düfte ich in den 80ern hatte. Eher schwer und vor allem süßlich. Nicht mehr so mein Ding.

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Diptique ist eine von den Marken die man die Reihe der etwas bekannteren Marken einreihen kann, jedoch sind sie nicht überall verfügbar. Volutes mochte ich eine Zeit lang, aber nie so als dass ich die Nase darin versenken hätte können. L‘eau des Hespérides hatte ich mir zugelegt weil ich einen Ersatz zu dem oben beschriebenen Grenouille suchte. Er ist ihm ähnlich aber preislich in einer sehr viel höheren Liga angesiedelt.

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Kommen wir zu den extremen Düften die sich an Gerüchen orientieren die für manche eher im Gestank angesiedelt sind. Ein Beispiel wäre Nagellack oder Klebstoff. Wieder andere inspirieren sich an starken Gerüchen aus der Natur wie zum Beispiel Kuhmist oder Meische von Obst.

Ich kannte den italienischen Künstler Filippo Sorcinelli überhaupt nicht. Seine neue Serie Sex wagt es in andere Richtungen zu gehen. Slightly Bitch zum Beispiel riecht sehr stark nach Leder mit einem Hauch von Nagellack. Wenn ich ihn dann länger auf der Haut habe, wird er sehr weich und dunkel und erinnert mich an eine holzgetäfelte Cigarillo Bar mit großen Ledersesseln. Das ist meine letzte Erungenschaft und einer der extremen Düfte, die neue Richtungen wagen die mich sehr reizen, weitere zu probieren. Ein anderes Parfum aus der gleichen Serie, das ich aber nicht gekauft habe, geht noch einen Schritt weiter. Cyber Sex riecht wie ein parfümiertes und verschwitztes T-shirt nach einer durchtanzten Nacht.

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In der gleichen Kategorie der Extremdüfte ist Orto Parisi mit dem Duft Stercus. Wer Latein versteht weiß sofort was damit gemeint ist. Stercus ist ein Sammelbegriff für Mist, Abfall, im heftigsten Sinne sogar für Fäkalien. Er ist ein Hochkonzentrat von ich nur ein Spritzer brauche.

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Einer fehlt noch der mir im Nachhinein einfiel. Er befindet sich im Rucksack mit dem Schwimmzeug. Cacharel pour Homme. Ein Duft der mich durch meine ganze Ausbildung in den 80ern begleitete. Er riecht nicht mehr so wie damals. Das merkte ich sofort als ich die Flasche nach dem Kauf öffnete. Im Laden probiert hatte ich ihn nicht. Sie haben ihn angepasst und er ist weitaus weniger stark, was sehr schade ist.

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So, ich hoffe euch raucht der Kopf nicht vor Lauter Duft. Ich habe zwei Tage lang immer wieder daran geschrieben. Aber vielleicht inspiriert es ja jemanden auch mal über Parfüms zu schreiben und was sie auslösen. Erinnerungen die mit Gerüchen verbunden sind (und das ist erwiesen) sind um ein mehrfaches stärker, als z.B mit Geräuschen oder Musik.

10 Kommentare

  1. Hans-Georg

    Ui, das ist wahrlich viel, was da an Flakons bei dir steht. Und alles sind Ausnahmedüfte, die es sicher nicht in der üblichen Parfümeriekette zu kaufen gibt. Es ist ja so, dass man eher einen Zufallstreffer landen muss, denn alles “durchzuprobieren” geht ja überhaupt nicht. Es macht auch keinen Sinn, einen Duft zu kaufen, den man bei jemanden anderen wahrgenommen hat. Bei einem selbst kann das ganz anders riechen.
    Ich benutze derzeit nur einen einzigen Duft, und zwar Sport von Dior Homme, auch eher ein Standardprodukt. Ich habe immer den Eindruck, dass die Intensität nachlässt je älter das Duftwässerchen ist.
    Wir gehen demnächst wieder auf Kreuzfahrt. Vielleicht schau ich dort mal in der Parfümerie, ob ich was entdecke, das mir und meinem Mann gefällt. Denn der Partner muss mich auch auch noch riechen können und wollen.

    • Joël

      „Es macht auch keinen Sinn, einen Duft zu kaufen, den man bei jemanden anderen wahrgenommen hat. Bei einem selbst kann das ganz anders riechen.“

      Ja und nein. Es hängt ja weitgehend davon ab wo du es hinsprühst. Die meisten Parfümeure empfehlen es nicht mehr auf die Haut direkt zu sprühen, sondern auf dem Hinterkopf und auf die Bekleidung. Damit umgeht man dass der Duft „dreht“.

      • Hans-Georg

        Die Tochter eines ehemaligen Chefs von mir hatte sich bei der Lufthansa als Flugbegleiterin beworben. Bei den vorbereitenden Kursen wurde ihr beigebracht, wie man mit den Düften umgeht: In die Luft sprühen und dann unter der Duftwolke hindurchgehen.

  2. ingrid

    danke für die düfte. mag ich auch sehr. und dass erinnerungen über düfte ungefiltert das emotionale erreichen, ist spürbar.
    micallef gibt es im parfümerieversand. ich habe 2 düfte.

  3. caterina

    Mein Forever-Liebling ist leider nicht mehr erhältlich, das war Black Cashmere von Donna Karan. Umwerfend. Warm, kuschelig, eben wie schwarzer Kaschmir… Dann mag ich ich Jicky von Guerlain. Und für den Sommer, wenn es heiß ist, das Eau Dynamisante von Clarins.
    Parfumkauf ist so schwierig! So viele der allgemein erhältlichen Parfums riechen auf meiner Haut nach Schmierseife…..

  4. kaltmamsell

    Vielen Dank für die Ausführlichkeit, ich finde das hochspannend.
    (Mal sehen, ob ich mich Parfums nochmal annähere. Seit einiger Zeit fühle ich mich mit allem, was über das flüchtigste Eau de cologne hinausgeht, richtiggehend verkleidet.)

  5. FrauC

    Vielen Dank für den Einblick in diese große Sammlung! Bei mir gehen Düfte mit Lebensphasen einher. Ich habe üblicherweise einen, den ich häufig benutze – den oder keinen. Irgendwann stelle ich dann fest, dass er unbenutzt herumsteht, weil ich ihn nicht mehr mag – generell oder nur an mir. Dann wird es Zeit für einen neuen.
    Und was Geschenke angeht, stimme ich dir voll und ganz zu. Leider habe ich ein Geschenk, das ich nicht mochte, an meine Tochter weitergegeben. Die war gerade in der Experimentierphase, wo man sich in große Duftwolken hüllt. Da “durfte” ich den ungeliebten Duft dann dauernd riechen!

  6. Sonny

    Vielen Dank für diesen überaus interessanten Beitrag! (interessanter als so manches Influencer-Video zu demselben Thema auf u-tube o. Ä. !)
    Und vielen Dank auch an Tante Gritty dafür, dass sie Ihnen die Leidenschaft vererbt hat. Die Dame muß einen guten Geschmack gehabt habe: das White Linen mochte ich bereits als Jugendliche. (lang ist’s her, ich besitze es momentan nicht)
    LG😉

    • Joël

      Ich weiß nicht ob des ihn noch gibt. Das wäre zu überprüfen.

      • Sonny

        Laut der Website von Estée Lauder wird es wohl demnächst wieder erhältlich sein.

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