Riten und Bräuche

Ich arbeite zur Zeit an einem Open Air Theaterstück, dessen Hauptfigur, der Comicheld Superjhemp ist. Das ganze läuft in Kehlen etwas außerhalb des Dorfes auf einem Platz der „op Schéimerech“ heißt.
Die Bühne sieht so aus:

Ein riesiges Schiff aus Gummireifen. Doch die Bühne birgt ein kleines Geheimnis.

Als die Leute des Dorfes sich zusammen taten um 2000 das erste Mal ein Open Air Theaterstück zu produzieren, war die Aufregung groß. Es war sehr viel Geld im Spiel, da eine große Tribüne ausgeliehen werden musste, nebst einem großen Zelt für Getränke und Speisen, und und und…
Die Eintrittsgelder mussten alle Unkosten decken. Doch was wenn das Wetter nicht mitspielen würde? Da stiftete eine ältere Frau aus dem Dorf eine Muttergottes Statue. Sie würde helfen und dafür sorgen dass es nicht regnen würde.
Und in der Tat, seit 2000 alle zwei Jahre spielt der inzwischen eingetragene Verein ein Stück auf dem offenen Feld und es hat, gestern mit eingerechnet, nur während vier Vorstellungen ein bisschen genieselt. Die Statue wird immer im Bühnenbild irgendwo unauffällig eingebaut.

Wenn ich schwach werde

Als ich neulich in Berlin weilte, entbrannte eine zugegeben leicht alkoholisierte Diskussion darüber warum ich nicht (mehr) bei Facebook bin. Ich ließ mich fast dazu überreden den Datensammel- und Zeitverschwendungsclub wieder beizutreten.
Denn ausnahmslos alle die mit mir am Tisch saßen, hatten ein Facebook Profil.
Ich erspare euch den Inhalt der Diskussion. Den könnt ihr euch lebhaft mit allen pro und contras vorstellen.

Aber wenn ich je nochmal schwach werden sollte, werde ich mir das ansehen und dann hoffentlich geheilt sein.

Zu Besuch bei Frida

Ich habe seit ein paar Tagen nichts geschrieben und das aus einem gutem Grund.
Dem hier:

Ja, ich war vorgestern und gestern in Berlin, ganz spontan.
Ja ich habe die Ausstellung der Frida Khalo Retrospektive gesehen.
Ja ich musste elend lange Schlange stehen.
Ja der Martin Gropius Bau hat ein Problem mit der Luftfeuchtigkeit und ist technisch nicht auf der Höhe.
Ja es gab einen Tumult in der Halle weil der Direktor des Martin Gropuis Bau’s und die Kuratorin der Ausstellung organisatorische Nullen sind.

Aber die Ausstellung ist es Wert dass man sie einmal gesehen hat. Eines der Kunstwerke bescherte mir eine Gänsehaut. Es war eine Gipskorsage die Frida tragen musste wegen ihrem Rückleiden. Sie hat die Korsage mit einem Bild bemalt.

Hinzu kommen sehr viele Fotos und handgeschriebene Briefe, manche davon stammen aus privatem Besitz und waren noch nie öffentlich zu sehen. (Sie hatte übrigens eine sehr schöne Schrift.)
Leider konnte ich in der Ausstellung keine Fotos machen, auch nicht heimlich, denn es patrouillierte einfach zu viel Sicherheitspersonal durch die Säle.

Es bleibt zu hoffen dass man aus all den Unannehmlichkeiten gelernt hat und in Wien wo die gleiche Ausstellung demnächst zu sehen sein wird, die organisatorischen und technischen Abläufe besser im Griff hat.

Nach langen Jahren der Treue

Seit meinem ersten Computer der internetfähing war und seitdem ich Browser bedienen und einstellen kann, hatte ich als Startseite immer Spiegel Online. Grob gerechnet müsste um 1997 gewesen sein.
So fand ich vor einigen Tagen ein in der tiefsten Ecke eines Regals eine Kiste mit Floppydisks wieder die ich aber nicht mehr werde lesen können, da ich schon längst kein Floppylaufwerk mehr habe… Ich schweife ab.
Spiegel Online war jahrelang das beste Portal das mich mit dem wichtigsten des Tages versorgte. Es war bei vielen Auslandsaufenthalten die Seite die ich immer als erstes aufmachte, wenn ich dunklen stickigen Internetcafés saß, weil die Seite mir ein Gefühl von Geborgenheit vermittelte. Egal wo ich auch war, die Seite war immer für mich da.

Doch Spiegel Online ist mit der Zeit immer seichter, trivialer und geschwätziger geworden, bis zu einem Punkt, dass ich es nicht mehr ausgehalten habe.
Auslöser zum Wechsel war ein Bericht über Albert von Monaco und seine Verlobte.
Plötzlich war mir als ob ich bei meiner Großmutter zu Besuch sei und dort wahllos in einer Frau mit Herz blättere. (die nebenbei bemerkt nicht mal eine eigene Internetpräsenz haben, sondern nur eine Vorstellungsseite von der Klambt Verlagsgruppe)

Seit heute ist meine Startseite ein anderes Nachrichtenportal.
Welches verrate ich an dieser Stelle noch nicht, es muss erst eine Probezeit durchlaufen.

Neues ausprobieren

Man nehme:
Ein Tag an dem die Temperatur bis auf 38 Grad steigt.
Ein Abend an dem die Temperatur nur unwesentlich auf 29 Grad zurückgeht.
Eine Nacht in der sich ein gewaltiges Unwetter zusammenbraut.
Eine Uhrzeit (so gegen 1:30 nachts) an der niemand mehr auf den Straßen ist und es mucksmäuschen still ist.

Man warte geduldig auf das Unwetter das sich bereits von weitem her ankündigt. Man schaue den Blitzen im Himmel zu die fast im Sekundentakt immer wieder über den Himmel flimmern und die Nacht zum Tag werden lassen. Man schaue den ersten großen Regentropfen zu wie sie vom Himmel fallen.

Und wenn es dann so richtig schüttet ziehe man sich splitternackt aus und gehe hinaus in den Garten.

Mehr Erfrischung geht nicht…

WM Filmfestival / Finale

Es hat mir Spaß gemacht den Vuvuzelas ein wenig entgegen zu wirken. Ich hoffe euch auch. Wenn ihr alle Filme noch mal sehen wollt, es gibt eine extra Kategorie WM Filmfestival in der alle Filme untergebracht sind.

Zum Abschluss gibt es eine kleine Serie von Alexei Alexeev.

WM Filmfestival 30

Heute:
Lingo Vino von Daniel Texter
Wegen Zeitmangel, Hitzewallungen und weil mein Büro aussieht wie das Schlachtfeld von Verdun, lege ich am vorletzten Tag einen Film vor den ich schon einmal im Blog vorgestellt habe. Lingo Vino habe ich vor über 3 Jahren gedreht in den Weinbergen an der Mosel. Es war und ist bis heute einer meiner schönsten Erfahrungen in der Filmbranche gewesen und das Resultat lässt sich sehen. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit unserem Thierry „National“ van Werveke.

Niki De Saint Phalle

Wetterblogging wäre das Naheliegendste gerade jetzt. Aber da ich diese Beiträge so belanglos finde wenn ich sie in der Zukunft lese, (nichts ist so alt wie das Wetter von gestern) werde ich es nicht tun.

Stattdessen berichte ich euch von meinem heutigen Kurztrip zum Chateau de Malbrouck, das keine zehn Kilometer von Schengen entfernt liegt. Es war zum ersten mal dass ich dort war. Das Schloss ist von grund auf renoviert worden, speziell für größere Kunstausstellungen zeigen zu können. Zur Zeit ist eine große Niki De Saint Phalle Werksausstellung zu sehen.

Die Figur dürfte allen bekannt sein.

Die Künstlerin war ein Zeit lang sehr in Mode, so sehr dass man kleine Replikationen in jedem Souvenir- und Kramladen bekam. Doch Niki De Saint Phalle ist so viel mehr als das. Im Schloss sind Skulpturen und plastische Bilder von ihr zu sehen, die ich bis dato noch nicht kannte. Weitab von den bunten farbigen Nanas sind es Gebilde die ihre Alpträume hervorbrachten. Der Satz „I had a dream“ kommt sehr oft in der Ausstellung vor.

Leider war fotografieren in der Ausstellung verboten. Ich habe das Verbot dann für mich ein wenig anderes ausgelegt und nicht IN der Räumen fotografiert, sondern auf den Festungsmauern außen, IN den Hof hinein, in dem auch ein paar Skulpturen standen.

Hier sind nur zwei der Fotos zu sehen, der Rest davon ist ab morgen nebenan im Photblog zu finden.

Historisches Fundstück

Letztens fand eine Seite in die ich mich sofort verliebte.
Die Archive Seite von Gerd Arntz beinhaltet eine Sammlung an sogenannten Isotypes, kleine grafische Symbole für alles und zu jeder Gelegenheit. Was mich an diesen Isotypes aber ganz besonders fasziniert, ist ihr Alter. Die meisten davon entstanden in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und sind somit fast hundert Jahre alt. Und doch haben viele von ihnen wenig an Aktualität eingebüßt und wären heute noch problemlos einsetzbar. Andere beschreiben Situationen und Dinge die es heute in der Form nicht mehr gibt.

Mich würde es ungemein reizen die Symbole in ein neues Blogtheme einzubauen.

Garen bei Niedrigtemperatur

Das macht man für gewöhnlich mit einer Lammkeule.
Es funktioniert seit ein paar Tagen mit den Außentemperaturen auch mit mir.
Ich dürfte langsam gar sein man kann mich servierfertig machen.
Hat irgendjemand eine Idee was als Beilage zu mir passt?

Kuriosum

Als ich das Foto vom Sparfest einstellte fand ich einen kuriosen Link.

Ich kenne Maischi Tibesart zwar recht gut aber dass sie ein tibetanisches Totenbuch geschrieben hat, war mir neu.
Euch auch?
Bei Amazon.fr  gibt es das Buch für 3,38€.

Wenn man dann etwas nachforscht scheint sie neben der luxemburger Küche ein echtes Faible für den Tibet zu haben. Denn das das Totenbuch ist schon mehrfach unter ihrem Namen veröffentlicht worden, nebst tibetanischen Mandalas.

Alles zu finden in der Liste bei Amazon.fr (und NUR dort!!!)

In einem Schuhkarton

…auf dem Dachboden fand ich ein Foto.
Es war der Tag des Sparfestes des Sparkasse. Jedes Kind im ersten Grundschuljahr in Luxemburg bekam eine Porzellan Spardose und ein Sparbuch mit 100 Francs.
Es war mitten im Winter und die über die Hälfte der Klasse lag mit Erkältung im Bett. Und so mussten wir restlichen acht an dem Tag das Lied singen das wir über Wochen hinweg geprobt hatten.

Ganz links stehe ich. Die Dritte von Links ist auch keine Unbekannte. Es ist Maischi Tibesart, die spätere Fernsehköchin und Buchautorin.

Merken

WM Filmfestival 15

Over The Hill.
So nennt man während den Tag an dem man die Hälfte der Drehzeit eines Films abgeschlossen hat. Für gewöhnlich wird das abends nach Drehschluss mit einem Drink und ein paar Häppchen gefeiert. Je nach Produktion entsteht sogar eine Party daraus.
Heute ist Over The Hill Party beim WM Filmfestival.
Hoch die Tassen!

Heute:
Springtime – A Journey Into Macro Space von Gunther Machu
Sehr schöne Aufnahmen. Und eine viel bessere Bildqualität von Vimeo.

L’Illusionniste

Es fällt mir nicht leicht etwas über den neuen Film von Sylvain Chomet zu schreiben, weil ich ihn beständig mit seinem Meisterwerk „Les Triplettes de Belleville“ vergleiche.
Das Drehbuch zum Film „L’Illusionniste“ stammt aus den Nachlass von Jaques Tati, deren Erben und Verwalter an Chomet herantraten um es ihm als Vorlage für seinen neuen Animationsfilm vorzuschlagen. In allen Filmen von Chomet merkt man dass er eine großer Fan von Tati ist.

L’Illusionniste spielt sich Ende der Fünfziger ab. Tatichef der Magier, hat nicht mehr all zu viel zu verlieren, nachdem er aus dem letzten Theater in Paris hinausgeworfen wurde. Seine Show ist nicht mehr gefragt. Er wandert aus nach London versucht sein Glück dort und landet schließlich auf Umwegen in Schottland in einem kleinen Dorf, wo er seine Vorstellung im Dorfpub gibt. Die noch fast kindliche Hausmagd ist sehr angetan von seinem Können und rät ihm nach Edinburgh zu fahren. Ohne dass Tatichef es möchte begleitet sie ihn…

Der Film ist von Anfang bis Schluss mit einer Melancholie durchzogen, die man auch in den Werken von Tati wiederfindet. Die Hauptfigur ähnelt Jaques Tati sehr. Aber, und das ist der Knackpunkt, die Geschichte an sich verpasst jede Gelegenheit den Zuschauer mit auf diese Reise zu nehmen. Man bleibt außen vor. Es entsteht zu keinem Zeitpunkt diese Magie in der man in den Film eintaucht und sich fallen lässt. Wahrscheinlich liegt es auch am Script selbst, das nicht soviel hergab, wie Chomet erwartet hatte.

Trotzdem ist der Film ein kleines Kunstwerk und man sieht viele der seltsamen überzeichneten Gestalten die man von seinen Filmen davor kennt. Nur kommen sie sehr viel weniger zur Geltung. Es gibt den traurigen Clown, den Bauchredner, die Akrobaten Drillinge, der kleine Hotelbesitzer, die gewaltige Opernsängerin, der besoffene Schotte, die Boyband, je alles Figuren die so viel mehr hergeben würden wenn Chomet sie denn gelassen hätte. Doch die Hauptfiguren sind der Magier und das kleine Mädchen, bei denen der Funke zum Publikum nicht recht hinüberspringen will.

Schade. Aber vielleicht habe ich auch zu viel erwartet nach all der Zeit.