Für die nächsten Tage, das habe ich im Wetterbericht gesehen, ist durchwachsenes Wetter in Luxemburg angesagt. Also gilt es hier am Bodensee nochmal richtig Sonne zu tanken.
Der letzte Tag und der letzte Eintag. Morgen fahre ich nach Hause. Es war eine schöne Zeit hier und weniger heftig als letztes Jahr. Ich habe in den zwei Wochen 8 Kilo abgenommen und bin jetzt auf einer Gewichtszahl die ich vor 16, 17 Jahren hatte. Aber ich muss mich jetzt auch ranhalten, dass ich das Gewicht behalte und es nicht wieder hoch geht. Das Fasten werde ich beibehalten, einmal im Jahr eine richtige Kur und dazwischen immer wieder einen Fastentag einlegen. Für mich, der schon so manches ausprobiert hat, bis dato effektivste Methode und das Gewicht in den Griff zu kriegen und einen klaren Kopf zu bekommen.
Da ich mir ja wieder Kaffee gönne, war ich heute morgen wie gewohnt Café im Rathaus. Es war noch früh und wenige waren unterwegs. Gleich neben dem Café stand einsam schon ein Mann mit einer Drehorgel. Ich wusste nicht die SO up-to-date sind. Aber hört selbst:
Dass es ausgerechnet DAS Lied sein muss, war weniger erfreulich.
Es ist 18:00 Uhr. Ich schreibe heute früher da ich anschließend noch packen will. Den Seeblick am Schreibtisch werde ich vermissen.
Nach dem üblichen Check und dem Frühstück zusammen mit dem M. ins Rathaus auf einen Kaffee. Er schmeckte hervorragend.
Zu Mittag gab es ein Kartoffelbrei mit Gemüse, nachmittags einen Apfel und ein Joghurt und Abends eine Suppe und Reis mit Gemüse. Zusammengerechnet 800 Kalorien. Es war alles in allem so viel dass ich nicht alles schaffte.
Am Nachmittag fuhr ich mit M. ins 20 Minuten entfernte Stetten ein Geschenk für meine Nachbarin kaufen, die während meiner Abwesenheit den Briefkasten leert und nach der Wohnung schaut. Was es genau ist kann ich leider nicht sagen, denn die Nachbarin liest hier mit….
Anschließend lag ich noch eine Weile am Pool rum und genoss eine Bräunugsanwendung 🙂
Ich habe die Biographie der Großfürstin Maria Pawlowna aus. Eine sehr seltsame Frau deren Leben ein Film wert ist. Hochinteressant fand ich aber auch das ganze Umfeld in dem sie im Kreml aufwuchs als Nichte vom letzten Zaren Nikolaus II. Vom Zarenpalast zu Coco Chanel / Gunna Wendt
So sieht es Morgens aus wenn ich erwache bevor die Sonne aufgeht. Dieser Himmel zwischen rosa und blau ohne dass es je lila aussieht…. wunderschön. (Auf den Foto ist es leider nicht so)
Ich hatte es gestern schon angekündigt, Fastenbrechen. So nennt man das Abrechen der Fastentage. Bei Buchinger achten sie sehr auf diesen und die Folgetage, den sogenannten Aufbau, denn sie sind sehr wichtig. Heute morgen hatte ich noch meinen allmorgendlichen Tee mit Honig. Zu Mittag gab es ein warmes Apfelkompott mit etwas Zimt gewürzt. Zu Abend gab es ein deftige Gemüsesuppe mit Kartoffeln. So weit so gut.
Ich hatte für mich aber schon gegen 10 Uhr mit Fastenbrechen begonnen. Ich war im Kaffee im Rathaus und habe mir einen richtigen großen Kaffee bestellt, ohne Zucker, ohne Milch. (Mach ich sonst auch nie in den Kaffee) Herrlich….
Hatte ich diese Gaststätte schon mal gezeigt? Nein? Bitte. Den Namen finde ich klasse.
Ein Foto von vor ein paar Tagen als ich in Meinau war, bin ich noch schuldig. Im Beitrag „Ein Tag in Bildern“ hatte ich am Ende einen Baum gezeigt, der auf dem folgenden Foto auch zu sehen ist. Ganz am Ende der Insel im Hintergrund steht noch ein Bäumchen; das ist das gleiche.
Heute Morgen der letzte Einlauf. Gott sei dank. Anschließend der vorletzte Wechselguss. Übermorgen hab ich noch einen. Nach dem Schwimmen und Mittagssaft machte ich mich fertig zu einer Fahrt ins blaue.
Ich habe noch nichts von ihr erzählt, aber seit ein paar Tagen unterhalte ich mich angeregt mit einer Pariserin der P. Sie ist schon zum dritten mal hier. Und sie hat im Gegensatz zu mir echte Probleme die Kilos los zu werden. Es geht bei ihr sehr langsam. Die letzten beiden Male als sie hier war, hat sie das Gelände der Klinik nicht einmal verlassen, und kennt schlicht und ergreifend gar nichts von der Gegend.
Als ich die P. fragte ob sie mitkommen möchte, sagte sie zu, was mich ehrlich gesagt erstaunte. Pünktlich um halb zwei fuhren wir ab. Ich wusste nicht dass Lindau so weit weg ist, die Fahrt dauerte fast eine Stunde. Das Schlimme daran ist, dass man durch Hagenau durch fahren muss, wo nur 30 km/h erlaubt sind und der Stau praktisch vorprogrammiert ist. Es soll zum Lärmschutz dienen aber zur guten Luft trägt es nicht bei. Wir kamen in Landau an und parkten vor der Brücke die hinüber zur Insel führt. (Ja, Landau ist eine Insel) Mit sehr vielen alten Häusern teilweise aus dem Mittelalter.
Ich habe hier nur eine Häuserwand abgelichtet. Die hier ist von d,er alten Bibliothek.
Was mir in Lindau auffiel, es gibt unglaublich viele Eisdielen oder es kam mir zumindest so vor. Überall leckte und schlabberte jeder ein Eis, sei es im Becher im Glas oder in der Waffel. Vielleicht kommt es auch daher dass ich jetzt beim Fasten, noch mehr darauf achte als vorher. Wir setzen uns ein eines der zahllosen Eiskaffees und tranken einen Tee (was sonst).
Die P. war die ganze Zeit nur am Strahlen und war so ausgelassen wie ich sie nie in der Klinik erlebt habe.
Ich kaufte mir zwei neue Badehosen, eine in giftgrün die andere in dezent schwarz. Als ich dann auf die Uhr sah, erschrak ich ein wenig, denn ich dachte an den Rückweg und dass wir nicht zeitig zurück sein würden für das Abendessen. Unterwegs wurde uns beiden auch ein wenig mulmig, denn die Staus waren echt heftig vor allem in Hagenau. (wenn das einer von Hagenau lesen sollte, bitte ändert da mal was dran) Doch wir schafften es rechtzeitig da zu sein und bekamen unser Süppchen.
Anschließend ging ich noch in die Lehrküche zu einer Kochvorführung. Da ich morgen eh mit dem Fasten aufhöre, und mir das Hungern nicht mehr so schwer fällt, dachte ich, ich könnte mir das antun. Es gab ein paar tolle Tipps für Brotaufstriche die sehr lecker aussahen. Gekostet habe ich sie nicht.
Vor zwei Tagen entdeckte ich einen Laden mit Barfußschuhen. Hä? OK, das muss ich probieren.
Gleich nach den üblichen Ritualen am Morgen ging hin. Sie sehen eigentlich aus wie Strümpfe, aber man kann sie draußen zum laufen tragen. Ich hab mit ein Paar gekauft und bin nun gespannt ob die was taugen. Es gibt sie hier, von Leguano.
Auf der Bushaltestelle wurde ich wieder Zeuge des Alltags der Vianney Bewohner. Ich kam zeitgleich mit einem anderen älteren Mann an der mich höflich grüßte und sich auf die Bank setzte. Ein zweiter Mann kam sehr viel jünger und man merkte gleich dass bei dem etwas nicht stimmt. Er setzte sich ebenfalls auf die Bank weitab von dem älteren Herrn. Der Jüngere zog wortlos eine Packung Tabak aus der Hosentasche und drehte eine Zigarette. Der Ältere betrachtete ihn gar nicht. Als der Jüngere fertig mit drehen war, hielt er dem Alten die Zigarette wortlos hin. Dieser nahm sie ohne zu danken. Das ganze sah sehr bizarr aus da es von Anfang an so schien, als ob beide sich nie davor gesehen hätten. Dabei sind es wahrscheinlich Zimmernachbarn.
Da das Wetter heute ausgesprochen schön war, und ich keine Lust hatte am Pool zu liegen, entschied ich mich für eine offene Cabriotour nach Konstanz. Konstanz war wie üblich gut gefüllt mit Menschen aber ich hatte Glück und fand sofort einen Parkplatz mitten in der Innenstadt.
In Luxemburg kennt man das Traditionshaus Zwick für sehr klassische Herrenbekleidung. Hier gibt es das Gleiche und der Name ist fast identisch:
Ich wollte mir den langen Fahrtweg ein wenig versüßen und so fuhr ich über Meersburg nach Überlingen zurück. Es nimmt nicht sehr viel mehr Zeit in Anspruch. Das schöne daran ist, dass man ein Teil mit einer gewaltigen Fähre über den See fährt.
Das ist das Oberdeck. Dort gibt es eine kleine Imbissstube. Ich wollte mir eine Flasche Wasser kaufen aber es gab keine, weder an der Theke noch im Automaten. Also zog ich mir meiner Schuld völlig bewusst einen Kaffee aus dem Automaten, da es wirklich sonst nichts gab was ohne Kalorien gewesen wäre. Ich nahm zwei, drei Schluck und warf den Becher weg. Der Kaffee schmeckte scheußlich….
Um halb 10: ein Kneip Wechselguß und diesmal nicht nur die untere Hälfte sondern den ganzen Körper. HiiiiHaaa! Da kommt gute Laune auf!
Anschließend nahm ich den Bus und fuhr in den Stadtkern. An der Haltestelle sprach mich eine alte Frau an, die ich noch vage von letzten Jahr kannte. Es fiel mir wieder ein. Sie hatte letztes Jahr einen Streit im Bus angezettelt weil jemand mit dem Handy telefonierte. Doch jetzt war sie sehr nett. Sie fragte mich nach der Uhrzeit und ob ich auch den Bus nehmen würde. Es waren noch genau 2 Minuten bis der Bus kam und er war pünktlich. In diesen 2 Minuten habe ich mehr über sie und das Hospiz erfahren in dem sie wohnt als ich wissen wollte. Am Hintereingang der Buchingerklinik gibt es einen Weg der Spaemann heißt und gleich daneben eine Bank die dem gleichen Mann gewidmet ist. Sie erklärte mir dass sie ihn kannte und er Seelsorger des Viannhy Hospitz (ich hoffe ich schreibe es richtig) war. Immer wenn ich meinen Abendspaziergang mache, komme ich an dem Haupthaus des Hospizes vorbei. Es muss sich um eine erzkatholische Einrichtung handeln, denn an der Hauswand hängt ein gewaltiger Christus und über dem Eingang steht „Haus der Vorsehung“. Neben den Haupthaus gibt es aber auch noch mehrere andere Häuser rundherum die älter aussehen aber nicht auffallen. Dort sah ich auch schon öfter seltsame Gestalten ein und aus gehen. Also nicht nur Senioren sondern auch geistig Behinderte. Sie selbst sei jetzt schon über neun Jahre hier und es gefiele ihr gut. Dann erzählte sie mir noch etwas über das Nachbarhaus und über die Leute die dort wohnen und die sie nicht ausstehen kann. Der Bus kam… Uff.
Es gab einen Tee (was sonst) in Kaffee im Rathaus.
Ein Traubensaft zu Mittag. Anschließend wollte ich schwimmen gehen aber es würde zu kurz werden mit dem Osteopathie Termin um 15:00. Ich weiß nicht wie es anderen geht aber die Osteopatin die ich habe ist richtig gut. In 2 Sitzungen hat sie alles wieder in Ordnung gebracht.
Danach war Lesezeit angesagt, denn draußen konnte man nichts tun. Es regnete.
Der Sonntag ist einer der ruhigsten Tage in der Klinik. Ich wachte später auf als sonst (es war kurz vor 7) und machte mich fertig für den alltäglichen Morgencheck. Blutdruckmessen und Wiegen. Nach der ersten Tasse Tee zog ich mich um und ging schwimmen. Der Morgen versprach sonnig zu werden. Ich lag ein wenig faul herum und und las.
Irgendwann war es Zeit zu Hauptsalon zu gehen und die erste „Mahlzeit“ in Form von einem Glas Saft zu mir zu nehmen. Anschlie0ßend Leberwickel für 30 Minuten und dann wieder an den Pool. Als gegen 3 Uhr die großen dunkle Regenwolken aufzogen, verzog ich mich in mein Zimmer.
Und da bin ich jetzt. Ich habe alle meine Blogs gelesen denen ich regelmäßig folge, und ich werde mich jetzt wieder in die Biographie der gestern erwähnten Großfürstin stürzen. Es wird ein ruhiger Abend werden.
Gestern fragte mich jemand ob ich Hunger verspüren würde. Nein, nicht so richtig. Es ist hier in dieser Klinik in diesem Ambiente mit schöner Landschaft und See, mit all den anderen Kurgästen, die genau das Gleiche tun, eigentlich gar nicht so schwer. Ich weiß dass zu hause viele Leute mir wieder sagen werden, dass sie sich das nicht vorstellen könnten. Allein die Vorstellung dass es nichts Konsistentes zu essen gibt, macht sie kirre. Dabei gibst es ja nicht Nichts. Ich führe mir täglich 250 Kalorien zu. Morgens in Form von Tee mit Honig, Mittags mit einem Saft oder einer Suppe, Nachmittags mit einem Apfelschalentee mit zwei Stück Zitrone und abends mit einer Suppe.
Ich habe mir zudem überlegt ob ich die den Namen der Klinik hier preisgeben soll. Manche von euch werden es erraten haben. Wenn ich schon, wie vor ein paar Tagen, schreibe, dass ich nach der Buchinger Methode faste, und in Überlingen bin, kann ich nur in der Buchinger-Wilhelmi Klinik selber sein. Es gibst hier zwei andere Kliniken die diese Methode auch anbieten, aber über die kann ich nichts sagen.
…und ein bisschen Text. Ich hatte keine Anwendung heute also machte ich blau.
Gegen halb neun ging ich hinunter zum Bootssteg, was eine Stunde zu früh war. Doch wollte ich Überlingen einmal morgens sehen bevor der Rummel los geht.
Das sind die Momente warum ich so gerne hier bin wenn alles noch ganz still ist und der See noch einen leichten Dunstschimmer hat.
Man sieht ein paar Schwäne die das Lied „Alle meine Entchen“ kennen. Gesungen haben sie es nicht aber vorgeführt.
Es blieb noch Zeit für eine Tasse Tee, (was sonst) in meinem Lieblingskaffe im Rathaus.
Als ich zum Steg ging machte ich noch ein mal ein Foto von diesem doch sehr ausgefallenen Brunnen, von dich schon letztes Jahr erzählt habe. Der Bodenseereiter ist eine Sage, und der Künstler Peter Lenk hat sie als Brunnen verewigt.
Der Reiter selbst ist dem hier ansässigen Schriftsteller Martin Walser nachempfunden, was letzterem gar nicht gefiel. Hier der Kopf einmal von nah mit Taube.
Das Boot legte ab. So sieht Überlingen vom Wasser aus.
Wir waren eines der ersten Boote das auf der Insel Meinau ankam. Und somit war es noch sehr ruhig auf der Insel. Ich wanderte fast den gleichen Weg wie vor einem Jahr. Ich besichtigte das Schloss aber dieses mal von innen. Eine kleine Ausstellung von einem Chirurgen, der in seiner Freizeit Bilder malt, wurde ausgestellt. Nun ja…
An das urgemütliche Schlosskaffee grenzt gleich das riesige Palmenhaus.
…und hat aber im Palmenhaus selbst auch ein paar Tische und Stühle stehen. Also gab es einen Tee (was sonst) unter Palmen.
(Den Keks hab ich nicht gegessen) Nebenan in dem kleinen Shop (es gibt mehrere auf der Insel) kaufte ich ein Buch über die Mutter des Grafen Lennart von Bernadotte, der die Insel zu dem gemacht hat was sie heute ist. Sie war die Großfürstin Maria Pawlowna und eine sehr exzentrische Figur. Vom Zarenpalast zu Coco Chanel.
Ich werde nicht viele Bilder der Insel zeigen, auf der Seite der Insel gibt es mehr als genug zu sehen, bei Google findet ihr Millionen Bilder, und vom letzten Jahr sind auch noch ein paar zu sehen. Den versteinerten Baumstamm fand ich genial.
Und die Mammutbäume sind unglaublich.
An einer Stelle dachte ich an meine Eltern, als ich die gewaltigen Akapanthustöpfe sah. Meine Mutter liebte sie und freute sich jedes Jahr aufs neue wenn sie ein paar Blüten hatten. Auf der Terrasse standen 4 gewaltige Kübel, aber mit weniger Blumen als hier.
Als am späten Nachmittag die Insel sich immer mehr füllte mit Menschen verließ ich sie über diese Stege.
Zum Abschluss noch ein Bild von einem Baum. So sieht er nicht besonders aus. Doch er steht so weit außen vor dass man ihn von Überlingen aus sieht. Ich versuche die nächsten Tage ihn von hier abzulichten.
Die gestrige Einweisung der Coaches ließ mich heute morgen mit gewaltigen Muskelkater aufwachen. Also war meine Devise für heute alles etwas langsamer angehen zu lassen. Ich schwamm heute nur einmal und das nur 40 Minuten statt einer Stunde. Ich bekam meinen Wechselguss. Anschließend setzte ich mich in den Stadtpark bis zum Mittag zum lesen.
Da ich, wie gestern erzählt, der A. versprochen hatte ich würde sie schminken, ging ich dann weiter zur Drogerie und sondierte das Terrain was für sie in Frage käme. Nach dem Mittagstisch, gingen die A. und ich zum Friseurtermin und sie war froh dass ich dabei war, da sie kein Wort Englisch oder Deutsch kann, nur französisch und türkisch. Irgendwie war sie sehr gestresst wegen der ganzen Situation und heilfroh dass ich da war. Doch die Situation klärte sich schnell auf, da auch eine türkische Friseuse dort arbeitete. Der Stress löste sich in Luft auf. Nach dem Schminken tranken wir noch eine Tasse Tee (was sonst) und gingen zurück zur Klinik.
Der M. und die A. fuhren anschließend noch nach Konstanz, was ich mir aber nicht mehr antun wollte. Ich legte mich an den Pool. Ich fand neben dem Liegestuhl das hier:
Ein winzig kleiner Wiesenpilz.
Ich las noch ein wenig und ließ den Tag in aller Ruhe ausklingen.
Als ich gestern Nachmittag durch Überlingen ging, schaute ich mir die Leute an. (Ist ja eine Lieblingsbeschäftigung von mir) Durch die Bank weg ist das Publikum sehr bieder. Alle sind unglaublich sportlich angezogen, fahren Fahrrad und haben sehr langweilige Haarschnitte. Stöckelschuhe sind rar, Turnschuhe der absolute Hit. Alle wirken unglaublich gesund, gluten- und laktosefrei. Der Unterschied zwischen Touristen und Einheimischen ist nicht richtig sichtbar. Einheitsbrei. Ich habe mich dem Look gezwungenermaßen ein wenig angepasst, weil es praktischer ist, schon allein wegen der Anwendungen in der Kur. Darum gibt es auch kein Foto von mir.
Heute stand ein persönliches Fitnesscoaching an, das ich mir liebend gern erspart hätte. Doch der Arzt hatte mich dazu gedrängt. Der Coach (der -mit Familienname auch noch wie ein Gericht aus einem Kebap Laden heißt) war sehr nett aber auch sehr bestimmt in seinen Anweisungen. Er zeigte mir ein paar Übungen die sehr harter Tobak waren und die ich so wahrscheinlich nie machen werde. Allein schon der Fitnessraum der eher einer Muckibude ähnelt, schreckte mich ab. Da schwimme ich doch lieber meine zwei Stunden täglich.
Nach dem Leberwickel ein Runde Schwimmen und anschließend in der Sonne liegen und lesen.
Man lernt hier viele wirklich interessante Leute kennen. Die A. zum Beispiel ist hat eine Crêperie bei Beaune in Frankreich. Sie erzählte mir dass sie in 6 Jahren 27 Kilo zugenommen hat. Sie ist hier wegen Erschöpfungszuständen. Ihre Familiengeschichte ist nicht die schönste und doch ist sie eine lebenslustige Frau die schnell Anschluss findet. Inzwischen sitzen wir zu mehreren Abends zusammen und löffeln unser Süppchen. Ich habe der A. etwas versprochen, was ich für gewöhnlich nicht tue. Ich werde sie schminken und ihr ein paar Tipps geben… Meine Gute Tat für diese Woche.
Nach einer sehr unruhigen Nacht mit Rückenschmerzen, (ich hatte gestern dann doch übertrieben mit den 9 km) stand ich auf und mir war gar nicht wohl. Den Einlauf werde ich nicht mehr erwähnen. Ich bekam heute noch einen und morgen noch mal, und dann nur jeden zweiten Tag bis zum Fastenbrechen.
Ich bekam den ersten Wechselguss. Ich wusste ja was auf mich zukommen würde, da ich letztes Jahr schon einmal eine Anwendung dieser Art hatte. Allerdings war man gnädig, es wurden nur die Beine warm und kalt abgebraust. Es brachte meinen Kreislauf derart in Schwung, dass ich anschließend sofort noch eine Runde schwimmen ging. Mein Rücken zahlte es mir anschließend mit kräftigen Schmerzen heim. Selber schuld.
Wettermäßig war der Tag zum vergessen. Es regnete immer wieder mal mehr mal weniger und als ich den Saft zu Mittag getrunken hatte, (mit einer Schmerztablette) und den Leberwickel hinter mir hatte. dachte ich dass ich einen Lesenachmittag einlegen sollte. Doch das Wetter klärte sich langsam auf und beschloss doch noch mal hinunter in der Stadtkern zu gehen. Ich schlenderte lange im Bücherladen herum und fand so einiges was ich noch lesen möchte, u.a. das verschollen geglaubte neue Werk von Harper Lee, Geh hin und stelle einen Werter. Hat das jemand von euch schon gelesen?
Zurück in der Klinik begab ich mich zur meiner ersten Ostheopatie Anwendung. Wer auch immer sagt dass es Humbug sei, der erkläre mir bitteschön warum ich mich jetzt wie ein frischgeschlüfpter Flummiball fühle. Die ganzen heftigen Verspannungen im Nacken sind weg. Die Ostheopatin meinte ich sollte nächste Woche nochmal vorbei kommen, aber dann müsst es für eine Weile gut sein.
Nun habe ich diesen Beitrag mit der Überschrift Hunger betitelt, also sollte ich auch etwas darüber schreiben. Das Hungergefühl ist diesmal nicht so schlimm wie bei der letzten Kur. Meine Gedanken aber kreisen beständig ums Essen und ich hätte schon große Lust dieses oder jenes zu verspeisen was ich so auf meinen Spaziergängen in Überlingen sehe. Doch dann rufe ich mich selber zur Vernunft. Ein anderes Beispiel wäre eine Zeitschrift die heute im Buchladen entdeckte, mit hundert Rezepten was man alles mit Äpfeln anstellen kann. Ich blätterte sie durch und nahm mir vor, da jetzt da die Apfelzeit beginnt mal wieder mehr selbst zu kochen. Zugegeben mir lief das Wasser im Mund zusammen als ich die Fotos sah. Doch ich stellte die Zeitung zurück ging zum nächsten Kaffeehaus und trank einen Kräutertee…
Zudem, und davon bin inzwischen überzeugt, wissen wir verfressene Europäer nicht was richtig Hunger haben bedeutet. Ich glaube unser Körper würde erst nach +/-40 Tagen richtig Alarm schlagen. Und da bin ich mit meinen 10 Fastentagen (oder letztes Jahr 15 Tagen) weit davon entfernt.
So sieht übrigens der Morgentee und der Nachmittagstee aus:
Der Tag begann mit einem Piekser im linken Arm. Blutabnahme. Und es war nicht gerade wenig was sie raus nahm. Für gewöhnlich bekomme ich anschließend Kopfschmerzen. Heute seltsamerweise nicht.
Und jetzt kommt das was die meisten gerne verschweigen. Man beginnt eine Fastenkur nach Buchinger mit einer völligen Darmentleerung. Das macht man normalerweise mit Klaubersalz. Da ich aber wegen dem Kaffeeentzug schon an Kopfschmerzen litt und das Klaubersalz das durch seine entwässernde Wirkung noch verstärkt, bekomme ich drei Tage hintereinander einen Einlauf. Heute war der erste und der unangenehmste. Die nächsten sind einfacher.
Auf dem Speiseplan: Morgens ein Kräutertee mit einem kleinen Schälchen Honig. (Morgen gibt es ein Foto)
Anschließend ging ich schwimmen. Eine Stunde lang zog ich Bahn für Bahn ohne sie zu zählen, denn das Gezähle macht mich blöd, weil ich mich meistens verzähle. Ich schwimme so schnell oder so langsam wie ich gerade Lust habe, ohne Pause, eine Stunde durch.
Anschließend ging ich noch mal kurz ins Zentrum von Überlingen und machte eine Besorgung die ich gestern vergessen hatte.
Auf dem Speiseplan: Mittags ein frischgepresster Saft. Heute war es Ananas.
Anschließend gibt es nach Buchinger einen 20-minütigen Leberwickel. Man liegt auf dem Bett und wird mit einer Wärmflasche auf dem Bauch eingewickelt. Bei der Prozedur stellte ich schon letztes Jahr fest, dass ich höchstens eine Seite im Buch schaffe und schon bin ich weggenickt. Aus den 20 Minuten werden meistens eine Stunde.
Auf dem Speiseplan: Nach den Wickel, einen Apfelschalentee mit einem Stück Zitrone.
Der M. meinte wir sollten uns doch am Nachmittag ins Auto setzen und die Gegend erkunden. Da ich den Bodensee ja vom letzten Jahr ein wenig kenne, schlug ich vor nach Meersburg zu fahren und von dort mit der Fähre nach Konstanz. Gesagt, getan. Wir wanderten ein wenig durch Konstanz und tranken eine Tasse Tee. Der M. kaufte sich noch ein paar Laufschuhue und dann war es auch schon wieder Zeit zurückzufahren. Wir kamen pünktlich zum Abendessen zurück.
Auf dem Speiseplan: eine Tomatensuppe.
Der M. hat so eine Uhr am Handgelenk die alles mögliche misst. Herzschlag, Schrittmesser, Schlaf- und Wachrythmus, Darmblähungen u.s.w. Als wir unsere Suppe löffelten, sagte er mir dass wir für heute über 9 Kilometer gelaufen wären. Meinen Beinen und Füßen nach müssten es die auch sein.
Jetzt sitze ich vor meinem Laptop im Zimmer, schaue über den See und wie es langsam dunkel wird. Und morgen erzähle ich etwas über das Hungergefühl.
Ich wollte das hier gestern Abend noch posten, doch die Kopfschmerzen ließen es nicht zu. Wußtet ihr dass man durch den Kaffeeentzug tierische Kopfschmerzen bekommen kann ? Ich kannte das schon vom letzten Jahr. Und ich hatte deswegen auch extra ein Tablette eingesteckt. Der Schmerz war auch dementsprechend betäubt, aber Schreiben ging dann doch nicht.
Der Entlastungstag beinhaltet nur Obst nur Hafer oder nur Reis. Ich hatte mich für Obst entschieden.
Erster Arzttermin und Therapieplanung. Zugegeben bei mir muss nichts groß therapiert werden. Ein paar Nackenbeschwerden, mehr ist da nicht. Ich habe ein paar Osteopathie Behandlungen verschrieben bekommen. Und ich habe mir Wechselbäder gewünscht.
Der M. ist dann doch so sehr anders als ich. Er ist von Beruf Architekt und kann nur schwer abschalten. Als ich gestern mit ihm durch Überlingen schlenderte sah er alle möglichen seltsamen Dinge an Häusern die ihm nicht gefielen und auf die er mich aufmerksam machte. Vor allem gefiel ihm nicht wie mit manchen alten Häusern umgegangen wird und wie manches daran renoviert oder modernisiert wurde. Ich begann Überlingen mit anderen Augen zu sehen…
Ich kaufte mir eine neue Sporthose im Lederhosen Look.
Die sieht witzig aus wenn da nicht dieser elende Sticker drauf wäre, den ich zu spät bemerkte.
So einfach bekommt man ihn übrigens nicht ab. Er ist in die Hose eingestickt. Ich muss mir da etwas einfallen lassen.
Es ist schön wieder hier zu sein. Ich habe dieses Mal ein Zimmer mit richtigem Seeblick. Werde es morgen ablichten und einstellen. Ich habe dieses mal meine „gute“ Kamera mitgebracht um ein bisschen bessere Fotos zu machen.
Die Fahrt war gruselig. Es stürmte und regnete und ich hatte zwei gewaltige Staus. Ich wollte irgendwann eine Pause machen entschied dann aber doch durch zu fahren. Ich kam dann hier auch etwas durch den Wind an. Ich bin zudem nicht alleine hier ein Freund von mir der M. kam mit. Ich hatte ihm letztes Jahr von meiner Kur erzählt und wie gut ich mich anschließend gefühlt habe. M. meinte das sei genau das richtige für ihn. Er ließ das ganze Jahr über nicht locker und beschwor mich immer wieder ihn ja zu benachrichtigen wann ich fahren würde, er wolle unbedingt mit. Nun ist er hier. Er hat das Zimmer bekommen das ich letztes Jahr hatte.
Beim Abendessen erkannte mich die Ernährungsberaterin wieder. Auch die Empfangsdame erkannte mich. Es war schön vertraute Gesichter wieder zu sehen. Es ist sogar ein schweizer Kurgast hier die ich vom letzten Jahr kenne, mit der ich seitdem ein kleines Geheimnis teile. (was das ist werde ich aber jetzt noch nicht verraten)
Nach dem Essen saß ich noch in dem kleinen Garten hinter der Villa und tat das was ich letztes Jahr dort auch so gerne tat. Lesen in einem Garten der Stille.
Wer genau wissen will wie eine Fastenkur abläuft schaut hier nach. Dort habe ich die ganze Kur vom letzten Jahr beschrieben.
Leider habe ich die Speisen selbst nicht abgelichtet. Es war eine Vorspeisen Vorschlag des Tages vom Küchenchef, ein Trio, das nur wenige bekamen unter anderem ich. Eine warme kleine Tomate gefüllt mit Ricotta ummantelt mit einem Knusperteig auf einem Bett von klein geschnittenen Gurken, nebst drei Scheiben von mariniertem kurz angebratenem Thunfisch und einem Forellentartar. Anschließend gab es eine Bouché à la Reine und ein 421 Dessert.
Stattdessen habe ich die Aussicht vom Tisch meines Lieblingsrestaurant aus fotografiert.
Warum es eine Henkersmahlzeit ist?
Weil ich ab Sonntag wieder fasten werde für zwei Wochen. Ich hatte das bereits vor ein paar Tagen erwähnt. Ab Sonntag wird wieder aus Überlingen berichtet. Ich habe dieses Mal etwas mehr Muffensausen als letztes Jahr. Bei der letzten Kur, wenn es auch durch die Beiträge nicht unbedingt durchschimmerte, ging es mir sehr schlecht und ich hatte im Grunde nichts mehr zu verlieren. Die dreiwöchige Fastenkur hatte mich wie einen alten Handschuh einmal von innen nach außen gedreht und wieder zurück und dabei kräftig ausgeschüttelt. Ich fühlte mich anschließend wie ein anderer Mensch. Das muss dieses Jahr nicht sein und ich gehe die Kur wesentlich bewusster an. Deshalb weiß ich noch nicht so richtig was das Fasten dieses Jahr mit mir machen wird, mal abgesehen dass sie eine Woche kürzer ist, weil ich mir nicht jedes Jahr drei Wochen finanziell leisten kann. Billig ist die Kur nämlich nicht.
Ich dachte über meine Alte Heimat nach. Und dabei kam mir ein Souvenir Laden in den Sinn, der seit jeher Hummel Figuren verkaufte. Die Dinger sind unsagbar kitschig, aber, und das ist das seltsame daran, ziemlich teuer. Ein Porzellanteil mit einer Szenerie kann schnell richtig ins Geld gehen. Wenn man sie genau betrachtet versteht man auch zum Teil warum; sie sind sehr aufwendig und detailverliebt angemalt und geformt.
Ich wusste dass „Hummel“ eine Nonne war aber mehr nicht. Sie machte auch, so las ich dann, keine Porzellanfiguren, sie malte Zeichnungen nach denen später die Figuren entstanden. Als ich nach einem Foto der Frau suchte fiel mir diese Seite auf, die ein Hummel Bild mit Spieluhr verkauft. Darauf zu lesen steht:
„Vintage Original 1936 M.I. Hummel Print Wood Music Trinket Box“
Nachdem ich die Wiki-Biographie Maria Innocentia Hummel gelesen hatte machte mich das Datum stutzig. 1936? Das wäre dann noch zu Hummel’s Lebzeiten gewesen (sie starb 1946) Und das ganze auf einer Spieldose in Italien hergestellt. Sehr seltsam, denn die Nonne hatte nie etwas mit Italien am Hut. Das Bild könnte jedoch tatsächlich ein Original sein das später auf diese Dose geklebt wurde. Die Rückseite der Spieldose ist ebenfalls zu sehen und dort steht die Melodie „Raindrops Keep Falling On My Head“. Das Lied ist nun mit absoluter Sicherheit nicht von 1936 sondern von (zu lesen hier) 1969.
Etwas weiter unten in der Beschreibung steht: Age: Probably at least 50-60 yrs. Old.
2015 minus mindestens 60 Jahre = 1955 !
Da war das Lied noch gar nicht geschrieben!
Beschiss zum Spottpreis von 40$!
Manchmal ist so einfach hinter die Dinge zu sehen und mir macht das einen Riesenspaß dahinter zu kommen.
Für gewöhnlich poste ich solche Dinge nicht, aber hier mache ich mal eine Ausnahme.
Über verschlungene Wege (per Blog und Twitter, sorry ich kann es nicht mehr nachvollziehen) fand ich dieses Posting. Der Text When I’m Gone ist etwas holperig geschrieben und auch von der Sprache her zu simpel. Zudem ist es keine wahre Geschichte, denn es wäre des Guten zu viel. Aber die Idee dahinter finde ich sehr schön.
Ich frage mich wie es mir gegangen wäre, hätte mein Vater am Ende die Kraft gehabt dies zu tun und was wohl in seinen Briefen gestanden hätte?
Wenn die Kaltmamsell mich nicht immer daran erinnern würde… Der monatliche Aufruf „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ Im Prinzip war der 5. August dran den ich beschreiben sollte. Der ist im Vergleich zu gestern aber eher langweilig. Also beschreibe ich den 8.August.
Der letzte Tag in Esch-Sauer. Ich kann das Hotel de la Sûre nur wärmstes empfehlen. Es ist ein rundum Wohlfühlhotel. Und für das was man geboten bekommt ist es nicht mal teuer. Für 6 Nächte mit Frühstück 480€. Es geht auch billiger aber dann ist das Zimmer kleiner und es ist keine Dampfsauna und Whirlpool dabei. Zudem haben sie noch eine riesige traumhaft schöne Wellnesslandschaft mit allen möglichen Massagen und Beauty Anwendungen.
Ich erwachte gegen 7:00 und fühlte mich gerädert. ich hatte eine unruhige Nacht verbracht wegen der Gewitterstürme. Nachrichten, duschen, anziehen, Kofferpacken. Das alles im Schneckentempo, denn ich saß erst gegen 9:00 am Frühstückstisch. Die gedownloadete Zeitung auf dem iPad durchgesehen. (Das Hotel WLAN ist erstaunlich gut) Ich hatte am Abend zuvor bemerkt dass ich mein Smartphone in Insenborn im Kostüm- und Maskenraum hatte liegen lassen, war aber zu platt um mich noch einmal ins Auto zu setzen. Ich checkte aus, fuhr noch einmal nach Insenborn, holte das Smartphone und machte mich auf den Weg zurück nach Luxemburg. Die Fahrt dauerte etwas mehr als ein Stunde.
Zuhause angekommen, setzte ich mich gleich hin und bearbeitete noch ein paar geschäftliche Mails. Was weg ist, ist weg.
Um 14:00 Termin in der Abtei Neumünster, wegen einer tollen Sache bei der ich unbedingt mitmachen wollte. Es war ein Aufruf von alzheimer.lu. Jeder der mit Demenz zu tun hat, sei es, dass er selbst davon betroffen ist oder Verwandte hat die darunter leiden, oder sich einfach nur solidarisch beteiligen will. (Ich habe eine Tante die seit Jahren darunter leidet und unter meiner Vormundschaft steht) Im Auftrag vom Familienministerium hat Serge Tonnar ein Lied komponiert zum Thema Demenz. Für den Refrain wurde ein Chor gebraucht. Es fanden sich an die 150 Personen ein die dabei sein wollten. Ein gewaltiger Chor also. Und alles klappte wie am Schnürchen. Wir sangen den Text dreistimmig ein und das quasi ohne davor zu proben. Serge Tonnar spielte uns das Demotape einmal ganz vor (ohne Chor, logisch) das mich und viele andere sehr bewegte. Er erklärte dann genau wo unser Einsatz wäre und los ging’s. Jede Text Zeile wurde einzeln viermal hintereinander aufgenommen in der gleichen Tonart und gingen zur nächsten Zeile u.s.w. Zwischendurch huschte ein Filmteam herum und machte Aufnahmen für das Video und das Making of der ganzen Produktion.
Das Lied heißt Bonjour & Awuer und kommt am 19.09 am Welt Alzheimer Tag heraus.
Bonjour an Awuer,
Ech muss mech vu mir trennen…
Wenn es soweit ist werde ich berichten.
Für die Aufnahme waren zwei Stunden vorgesehen, die wir aber nicht brauchten. Ich trank mit einer der Schauspielerinnen von Kveldulf die auch dabei war, etwas auf der Terrasse der Mini-Bäckerei im Grund, bevor ich mich wieder aufmachte in den Norden zur letzten Vorstellung der Rock Oper.
17:00 Ich war viel zu früh da.
Und so beschäftigte ich mich mit aus- und einräumen und säubern des Materials und überprüfen ob von allem noch genug habe.
Die letzte Vorstellung also. Vor der Premiere hatte ich ausgerechnet dass ich für die 10 Schauspieler ungefähr 1 Stunde und 15 Minuten brauche. Make-up technisch war es nicht weiter schwer. Es war vor allem „Dirtworks“ Spray in dunkelbraun und schwarz, schwarzer matter Lidschatten, dunkelbraune Fettschminke, Alkohol Farben für die Wunden und Tattoos und knallig rotes Rouge. Haare: Mattierende Paste und Dust Powder. Zudem noch ein Bockbart mit Crepwolle „aus der Hand“ geklebt. (wer den Bockbart sehen will guckt sich das Profilbild von Serge Tonnar auf Facebook an)
Die Vorstellung begann mit Verspätung, da eine Zufahrtsstraße kurzfristig gesperrt worden war.
Da das Stück nur eine Stunde dauert, und ich nur einen Umbau einer Tänzerin in ein Blutmonster hatte, ging die Zeit vorbei wie im Flug. Ein Riesenapplaus mit Zugaberufen folgte.
Bei letzten Vorstellungen sind die Darsteller am Ende alle in Feierlaune, außer ich. Am Ende kommt immer der Teil des Jobs den ich schon fast abgrundtief hasse. Einpacken und schleppen. So auch gestern. Klitschnass geschwitzt von der Schlepperei und der schwülen Hitze, schleifte ich mich noch einmal zurück zur Bühne bei der zwei Zelte standen, mit Getränken und Pasta. Ich trank ein Bier (sehr ungewöhnlich für mich da ich sonst Wein bevorzuge) und aß eine Portion Penne Arabiata. Es stand noch eine Feier an in einer Kneipe, die extra für uns eine freie Nacht geordert hatte. Doch ich konnte mich beim besten Willen nicht mehr dazu aufraffen.
Kurz nach Mitternacht fuhr ich nach hause und war froh als eine Stunde später die Wohnungstür aufschloss.
Da ich ja versprochen hatte, ich würde hier noch ein bisschen was über Esch-Sauer posten (dort war gestrern der schon fast legendäre Nachtmarkt, aber ich war nicht mehr dort) tue ich das jetzt hier. Hier also noch ein paar Fotos:
Schmale Gassen, so dass nur ein Wagen durchpasst und immer begauf bergab.
Blick von der kleinen Terrasse zum Vordereingang und dem Vorplatz des Hotels.
Zugegeben, ich wusste auch eine ganze Weile nicht wer oder was Kveldulf ist. Da ich mich bis dato nie mit nordischen Sagen und Geschichten beschäftigt habe, war mir der Name völlig fremd. Es gab ihn wirklich, so lehrte mich der Autor des Stückes Jean Michel Treinen. Kveldulf Bjalfason bekannter unter dem Namen Kveldulf der Abendwolf. Ein Wikinger der zu einem Mythos avancierte.
Gestern hatte also die Rock Oper Premiere. Die Band die das Stück live begleitete war keine geringere als Mutiny On The Bounty. Und dann war da noch die Seebühne die das Ganze unvergleichlich machte.
Hier ein paar Fotos die ich und andere die letzten Tage gemacht haben:
Eine Woche im Norden Luxemburgs. Die Rock Oper Kveldulf brachte mich her. Allerdings nicht nach Esch-Sauer sondern ins benachbarte Insenborn.
Die Oper ist im Vergleich zur Frittparade etwas völlig anderes aber deswegen nicht minder verrückt. Aber dazu kommen ich später, wenn ich die Premiere hinter mir habe.
Ich wollte von Esch-Sauer berichten. Esch-Sauer und ich haben eine Geschichte die im Jahr 2000 begann. Ich wohnte bei der J, (ich berichtete bereits über sie und ihren Eselhof) die damals noch in Esch-Sauer wohnte und sich frisch von ihrem Mann getrennt hatte. Sie wohnte zusammen mit einer Freundin, die das gleiche Schicksal hatte, in einem ziemlich großen Haus. Ich hatte ein großes Projekt für das Wiltzer Festival und wollte nicht jeden Tag die lange Fahrt hin und her machen. Wenn ich mich recht entsinne, kannte ich das Malerische Dorf davor nicht. Ja malerisch mit großem M, denn so idyllisch wie dieses Dorf ist glaube ich keines in ganz Luxemburg. Das Dorf liegt auf einem Felsen, auf dessen Spitze die Burgruine steht. Mann könnte Märchengeschichten hier verfilmen , bei Schneewittchen angefanfgen und bei Zwerg Nase aufgehört, ohne große Umbauten zu machen.
Es gab damals noch fast alles was zu einem Dorf gehörte, Post, Sparkasse, Metzger, Kneipen, Restaurants und Hotels. Inzwischen ist das anders. Es fast nichts mehr da von alledem. Es gibt aber noch immer ein richtig tolles Hotel mitten im Dorf. Das Hotel de la Sûre. Dort habe ich mir für die nächsten Tage ein Zimmer genommen. Und das sieht so aus:
Mit Whirlpool im Zimmer, eingebauter Dampfsauna in der Dusche und einer kleinen Küchenzeile. Da ich für die Oper zu Anfang nur in beratender Funktion eingestellt werden sollte, sich jedoch schnell heraustellte, dass ich die Maske komplett übernehemen muss, dachte ich mir dass, ich mir zeitgleich auch etwas Gutes tun könnte…
Esch-Sauer ist in den Sommermonaten eine kleine Oase der Ruhe abseits vom Lärm der Großstadt (was mir nachts beinahe suspekt vorkommt, da ich die Stille nicht mehr gewohnt bin)
Morgen berichte ich dann über die Oper, die heute Prmeiere hat.
Gestern waren es offiziell 2 Jahre dass ich in Zentrum der Stadt wohne. Eigentlich ist es schon etwas länger. Doch es war am 1. August 2013 dass ich mich in der Stadt beim Bürgeramt angemeldet habe. Eine Entscheidung die keinen Augenblick bereue.
Zwei Jahre in denen ich wieder aufgeblüht bin, in denen ich viele neue Bekanntschaften gemacht habe, von denen manche gute Freunde geworden sind.
Zwei Jahre in denen ich seltsamerweise der Natur wieder näher kam als je in der alten Heimat. Die Grünanlagen, Parks und nah gelegenen Wälder sind zu einem wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden, vergleichbar mit einer Ladestation für’s Smartphone.
Zwei Jahre in denen ich eine innere Zerrissenheit ablegen konnte, in denen ich manchen Schlussstrich gezogen habe der längst fällig war.
Zwei Jahre in denen ich eine gewisse Anonymität fand die in der alten Heimat unmöglich war.
***
Gestern war auch die letzte Vorstellung der Frittparade 2000 und der letzte Tag der Friture Henriette on Tour. Meiner Meinung nach ein schönes Projekt für 20 Jahre Maskénada. Die Stimmung war etwas gedrückt gestern, weil wohl jeder traurig war, dass es vorbei ist, aber auch irgendwie froh dass wir es zu einem guten Abschluss gebracht haben.
Aber nach dem Projekt ist vor dem Projekt und keine Zeit für Wehmut. Und so arbeite ich schon seit etwas mehr als einer Woche an der Metal-Rock Oper Kveldulf. Ich werde ab heute in Insenborn arbeiten, ein kleines Dorf am Stausee in Norden Luxemburgs. Da ich ich mir die langen Anfahrten ersparen möchte, habe ich mir ein Hotelzimmer genommen. Wenn das WLAN im Hotel hält was es verspricht wird bis Samstag aus dem Norden von Luxemburg berichtet.
Tage kommen und gehen. Angefüllt mit Arbeit. Angefüllt mit vielen Gedanken und Dingen die ja nicht vergessen darf (so wie jetzt gerade, dass ich ja nicht vergessen darf noch im Friseurbedarf eine spezial Farbe zu kaufen und das möglichst noch heute morgen) Es läuft beruflich richtig gut zur Zeit.
Doch im privaten Bereich sieht es weniger rosig aus. Heute morgen hatte die Melancholie mich fest im Griff und ich musste mich mit Gewalt aus dem Bett zerren. Es wird Zeit für eine Auszeit. Ich habe (aber das schon etwas länger) beschlossen, dass ich im August wieder Fasten werde. Die, die hier schon etwas länger mitlesen, werden wissen dass ich letztes Jahr eine dreiwöchige Fastenkur gemacht habe. Im Nachhinein haben diese drei Wochen mein Leben so nachhaltig verändert, wie selten etwas zuvor. Ich habe einige Kilos verloren, was nicht verkehrt war, denn ich deren zu viel, doch war es etwas anderes was mir viel wichtiger war. Ich konnte seit ungezählten Jahren wieder klar denken. Ich habe in diesen drei Wochen große Lebensentscheidungen getroffen an die ich bis jetzt gehalten habe…
Es werden aber nur zwei Wochen werden, wobei ich noch überlege ob ich nicht um eine Woche verlängern soll. Wir werden sehen…
Es ist einer der seltenen Dokufilme der mich sehr berührt hat. „What happened, Nina Simone?“, ist nicht nur der Titel des Films sondern auch der Titel eines berühmten Textes von Maya Angelou.
Die Dokumentation beginnt mit einem Auftritt von Nina. Sie betritt die Bühne, geht zum Klavier und ein tosender Applaus bricht los. Sie verbeugt sich lange, eine Spur zu lange, hebt den Kopf und schaut das Publikum wie ein verängstigtes Reh an. Da merkt man schon dass hier eine Geschichte beginnt, die eine Frau beschreiben wird deren Lebensgeschichte keine einfache war.
Es kommen Musiker, ihre Tochter sogar ihr Ex-Mann zu Wort. Nina Simone, die mit bürgerlichem Namen Eunice Waymon hieß, wird mit zahlreichen, zum Teil nie gezeigten Filmaufnahmen beschrieben.
Ich entdeckte eine Sängerin die mir bis dahin nur mit ihrem Welterfolg ‚My Baby Just Cares For Me“ bekannt war, der in den achtziger Jahren noch einmal neu aufgelegt wurde.
Stillstand ist eine Lebensform. Aber nicht meine. Im Gegenteil. Gestern habe ich 700 km lesend im Zug verbracht. Luxemburg – Paris – Luxemburg. Aufenthalt in Paris: 4,5 Stunden. Ich shoppte mich durch die zwei Make-up Shops meines Vertrauens. Ein oder zwei mal im Jahr gehe ich selbst hin und lasse mir die neuesten Produkte zeigen. Den Rest des Jahres bestelle ich per Internet. Das hat eine Freundin gestern Abend etwas stutzig gemacht. „Wie du fährst nach Paris für ein paar Stunden ? Warum bleibst du nicht ein paar Tage mehr?“ Tja, weil ich Paris nichts sooo sehr mag. Ich bin zu oft dort gewesen wegen der Arbeit wegen Weiterbildungskursen. Ich saß zu oft in Paris in schlechten Hotels und habe mich von Ur-Parisern anschnautzen lassen.
Vielleicht sollte ich mir mal Paris von Freunden zeigen lassen die dort wohnen und die Stadt wie ihre Westentasche kennen und lieben.
Anfang der 80er Jahre als, ich im Don Bosco Internat untergebracht war, kann ich mich nicht erinnern dass dieser Park, der gegenüber liegt, schon öffentlich zugänglich war.
Der Name Parc Tony Neuman war mir bekannt, da es sich um eine Endstation einer Buslinie handelt. Als ich neulich die Fotos vom Don Bosco Gebäude machte, schaffte ich es endlich auch in den Park. Wenn man von der rue de la Faiencerie den Park betritt erwartet einen dieses Monstrum eines Nadelbaumes.
Als botanischeer Garten von Tony Neuman angelegt, findet man hier Bäume und Sträucher die es in keinem anderen Park der Stadt gibt. Es ist wunderschön, lauschig und schattig, was bei den Temperaturen von weit über 30 Grad ein Hochgenuss war. Besonders an dem kleinen Teich war es angenehm kühl. Ich habe den Park nicht ganz durchwandert. Der untere Teil wurde nach einer Idee von Neuman der Natur überlassen und es wurde in Notfällen mit der Axt eingegriffen. Der Teil ist ungleich wilder und naturbelassener als der Rest.
An einer Stelle standen Bienenstöcke.
Das Foto hat mich einige Überwindung gekostet. Aber näher wollte ich ohne Schutz nicht heran.
Ich erfuhr aus den Nachrichten, dass das alte Gebäude Don Bosco abgerissen wird. Es war eines der ersten Flüchtlingshäuser in Luxemburg und war während der letzten 20 Jahre immer wieder in den Schlagzeilen, wegen der schrecklichen Umstände in denen dort die Leute untergebracht waren. Legotrip hatte mal ein Lied und ein Video das zum Großteil dort gedreht wurde. Da ich damals die Maske gemacht hatte, war es für mich ein sehr skurriles und befremdliches Wiedersehen.
*Aus dem Video von Legotrip
Was die wenigsten noch wissen ist der eigentliche Ursprung des Gebäudes. Es war ein Jungen Internat in dem ich auch drei Jahre lang Anfang der achtziger Jahre untergebracht war.
Pater Lehnen leitete damals das Internat mit einer Hausmutter, einer Köchin und zwei Bediensteten. Das Haus schien schon damals zu groß für die wenigen Jungen die untergebracht waren. Zur Schule gingen wir in die angrenzenden öffentlichen Schulen (Lycée Michel Luzius, Lycée Technique du Centre und die Handwerksschule), zum lernen, essen und schlafen gingen wir ins Don Bosco. Es hat vier Etagen, von denen drei Stück für die Schüler waren, die erste Etage wurde vom Pater bewohnt.
Ja, es waren Einzelzimmer und keine großen Schlafräume. Sonst hätte meine Mutter mich damals nicht dorthin gehen lassen. Mein Vater wollte unbedingt dass ich in ein Internat komme, weil er diese Erfahrung auch gemacht hatte und für ihn war es, hinsichtlich seiner eigenen Familienverhältnisse, die schönste Zeit seiner Jugend. Anfangs war auch von meinem Vater angedacht mich in das gleiche Internat in Frankreich zu verfrachten in dem er schon gewesen war. Doch ließ meine Mutter das nicht zu, als sie einmal mit mir dorthin fuhr und das Internat besichtigte. Sie wollte die „Dortoirs“, die Schlafräume sehen, was man ihr aber verwehrte. Das machte sie stutzig. Also wurde nach einer Lösung in Luxemburg gesucht. Home Don Bosco war die Antwort.
Die Zimmer waren klein. Es gab einen Schrank, ein Waschbecken, ein Bett, ein Bücherregal, ein Schreibtisch und ein Stuhl. Duschen und Toiletten waren auf dem Flur.
Pater René Lehnen war ausgesprochen freundlich zu meinen Eltern als ich dort eingeführt wurde, was sich aber änderte als ich mein erstes Schuljahr dort begann. Er war ein Mann der vom Leben weitgehend enttäuscht worden war. Sein Lebenstraum zerbröckelte. Das Internat war damals schon auf den absteigenden Ast. Die Zimmer auf der dritten Etage waren nur zum Teil belegt, auf der vierten Etage wohnte niemand und die zweite der Stock, für die älteren Semester, waren auch nur wenige. Insgesamt waren wir etwa 20 Jungs, das Haus hätte etwa 100 aufnehmen können. Der Pater würde demnach nicht als Don Bosco Luxemburgs in die Geschichte eingehen. Im Nachhinein betrachtet war er nicht wirklich streng, nur genervt und fast beständig schlechter Laune. Wenn man ihn etwas fragte war, bekam man fast immer eine patzige Antwort. Die Hausmutter dagegen war recht nett und lustig. Mit den anderen Hausangestellten hatten wir so gut wie keinen Kontakt.
Morgens kurz vor 7 Uhr klingelte eine laute, durchdringende Glocke zum Wachwerden. Ich hasste sie. Ich stellte mir den Radiowecker, den man mir erlaubt hatte, eine halbe Stunde früher und machte mir mit Hilfe eines Tauchsieders eine ordentliche Tasse Kaffee. Der Kaffee am Frühstückstisch war untrinkbar. Anschließend ging es es zur Schule.
Das Essen im Internat war alles andere als lecker. Ich erschlich mir mit der Zeit aus dem sehr geregelten Tagesablauf kleine Extratouren. So ging ich regelmäßig, zu Anfang einmal dann zweimal die Woche zu meiner Patentante zum Mittagessen, die damals noch nicht verheiratet war. Sie wohnte in dem kleinen Studio in dem ich heute wohne. Zu der Zeit gewöhnte ich mir auch an, kein Frühstück mehr zu mir zu nehmen.
Die drei Schuljahre waren nicht meine schönsten Jugendjahre. Hänseleien und Erfolgsdruck gab es damals auch schon. Zudem war der wahllos zusammengewürfelte Haufen von Jungs im Internat alles andere als homogen und es kam häufig zu Streitereien. Ich versuchte immer Abstand dazu zu haben, was mir aber automatisch die Position des Außenseiters verschaffte. Das machte es mir nicht leichter. Ich habe aber nie mit den Wölfen zusammen geheult.
Und doch erinnere ich mich gerne an die Zeit zurück, da ich hier zum ersten mal mit Theater in Kontakt kam und ich die ersten kleinen Freiheiten und Geheimnisse hatte, weitab von jeder elterlichen Überwachung.
Heute Nachmittag machte ich mich auf den Weg zum Gebäude, Zehn Jahre später nachdem ich zum letzten Mal dort war wegen des Videos.
Es ist das Gebäude im Hintergrund, das mit den Jahren nur noch hässlicher geworden ist. Damals war es auch schon keine architektonische Meisterleitung. Das vordere schwarze Gebäude (übrigens auch hässlich wie die Nacht, aber halt neu) mit den unzähligen Kameras daran, das aussieht als ob es ein Hochsicherheitstrakt wäre, ist das neue Flüchtlingsgebäude. Nun ja… etwas einschüchternd. Es scheint noch immer bewohnt zu sein, denn ich sah Leute ein und aus gehen. Irgendwo sah ich auch ein Sicherheitsmann. Demnach nicht unbedingt einladend mal eben ein paar Fotos zu schießen. Ich schlenderte weiter.
Näher heran gehen wollte ich nicht. Es wohnen schließlich Menschen dort die auch ein recht auf ihre Privatsphäre haben. Das rot eingekreiste Fenster war von 1981 bis 1984 mein Zimmer.
So das war’s. Sie sind alle verarbeitet. Ich flitzte vorhin noch los und holte ein großes Glas, Rohrzucker und braunen Rhum. In ein paar Wochen gibt es Rhumkirschen.
Ziemlich einfach zu erstellen. Im Rezept heißt es, man soll die Kirschkerne drin lassen. Ich persönlich mag das gar nicht, und es verhagelt verkirschkernt mir den Genuss. Zumal die Tschechow Kirschen ziemlich klein sind es wäre ein unendliches Gespucke, ähnlich einem grätigen Fisch. So sieht das aus bevor der sehr flüssige Teig darauf verteilt wird. Den Boden habe ich gebuttert und gezuckert. Die Blätter sind reine Deko fürs Foto und wurden nicht mitgebacken.
Ab in den Ofen.
Und so sieht er dann aus wenn er aus dem Ofen kommt, noch warm mit Puderzucker bestreut. Probiert habe ich ihn noch nicht, er kühlt noch ab.
Vor fünf Jahren habe ich zusammen mit den Regisseur Claude Mangen an dem Theaterstück Der Kirschgarten von Anton Tschechow gearbeitet. Er bekam damals zur Premiere ein kleines Kirschbäumchen geschenkt.
Fünf Jahre später sieht er so aus…
…und hing voll mit Kirschen. Wer mich kennt weiß, dass Kirschen mein absolutes Lieblingsobst ist. Also stand ich vor zwei Tagen auf der Leiter und pflückte Kirschen. Das kleine Bäumchen gab einen ganzen Eimer her, eine Kirsche schöner als die andere.
Von Geschmack her sind sie leicht säuerlich und eigentlich ideal zum Konfitüre kochen. Zum Glück habe ich ein Entkerner der die Kirschkerne relativ flott raus haut.
Dann ab damit in den Kochtopf.
Ich habe sie verfeinert mit einem streng geheimen Gewürz. (Nein, es ist kein Zimt!!!) Und hier steht sie: Die Konfitüre aus Original Bettendorfer Tschechow Kirschen.
…geht es weiter. Wer den letzten Beitrag gelesen hat,weiß dass ich emtional durchgeschüttelt wurde. Doch nehme ich in solchen Situationen bekanntlich die Flucht nach vorne und so kam der kleine Rollkoffer doch zum Einsatz. Nachdem ich Montags in meiner Wohnung rum saß und zum ersten mal seit langem nicht wusste was ich mit mir und meinem Leben anfangen sollte, fasste ich am Dienstag in aller Herrgottsfrühe einen Entschluss. Ich buchte ein Zimmer in Oostende. Es war das Beste was ich tun konnte. Die Meeresluft, das Meer, die Weite, das Licht, die steifen Brisen, das alles hatte eine Wirkung als ob man mir den Kopf durchgepustet hätte und ich war wieder fähig klar zu denken.
Das Zimmer hat zwar etwas mehr gekostet wegen dem atemberaubenden Meeresblick und dem riesigen Balkon, aber das war es mir Wert. Folgendes Foto postete ich bereits auf Facebook.
Ich hörte dort und das zufällig mehrfach Back to Black von Amy Winehouse. Es passte wie die Faust auf’s Auge.